Hormonelle Probleme bei Frauen sind nicht selten stressbedingt. Denn Stress sorgt für Chaos im Körper. Bei Frauen führt das häufig zu einem hormonellen Ungleichgewicht. Betroffen davon sind vor allem die Hormone Östrogen, Progesteron und Testosteron. Diese Störung im Hormonhaushalt wirken sich von Frau zu Frau verschieden aus. Sie kann jedoch zu Problemen wie PMS (prämenstruelles Syndrom), Wechseljahrsbeschwerden oder Myomen bis hin zu Unfruchtbarkeit führen.

Natürlich müssen Probleme dieser Art unter ärztlicher Aufsicht behandelt werden. Doch Rituale aus dem Ayurveda und Yoga können zur Heilung weiblicher Hormonstörungen durchaus beitragen und diese begünstigen.

Dosha- & Hormonhaushalt

Laut Ayurveda werden Hormone von Pitta (und somit von den Elementen Feuer und Wasser) reguliert. Unsere Lebensalter weisen unterschiedliche Pitta-Ausprägungen auf. So sind wir in der Pubertät hitzköpfig, energiegeladen, unausgewogen – eben stark von Pitta geprägt. Während nach den Wechseljahren Vata übernimmt und überwiegt.

Auch ein hormonelles Ungleichgewicht im Laufe des Menstruationszyklus hängt von den vorherrschenden Doshas ab, denn: Menstruationsbeschwerden sind durchaus nicht normal und nicht jede Frau hat PMS!

Je nachdem wann die Beschwerden im Zyklus auftreten, kann bestimmt werden, welcher Dosha gerade ausgeglichen werden sollte. So deuten Beschwerden während der Menstruation auf ein Vata-Ungleichgewicht hin, während Symptome zwischen Menstruation und Eisprung Kapha zugeordnet werden können und jene Beschwerden, die zwischen Eisprung und Blutung auftreten auf ein Pitta-Ungleichgewicht hinweisen. Fest steht jedenfalls, dass der Menstruationszyklus nicht per se mit Beschwerden verknüpft sein muss, sondern im Normalfall beschwerdefrei ablaufen sollte.

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Mit Ayurveda und Ritualarbeit dein Hormonsystem ausgleichen

Wir stellen im Folgenden einige Selbstheilungsrituale aus dem Ayurveda vor, die Frauen bei hormonellen Problemen unterstützen können. Sie alle stammen aus dem Buch Heilen mit Ayurveda. Über 100 alte Rituale für das moderne Leben von Sarah Kucera.

Morgenrituale

Yin-Yang-Meditation (5 Minuten)

Yin und Yang sind gegensätzliche Energien; die eine kann ohne die andere nicht existieren. Yin steht für die weibliche, kühlende oder Mondenergie, Yang für die männliche, wärmende oder Sonnenenergie. Wir ziehen Yin-Energie an und bringen sie zum Ausdruck, wenn wir uns mitfühlend verhalten, uns langsam und frei bewegen, aus dem Herzen heraus sprechen und uns bei Entscheidungen von unserer Intuition leiten lassen. Die Yang-Energie wird dagegen betont, wenn wir unsere Willenskraft einsetzen, hart an der Erreichung von Zielen arbeiten, an Wettbewerben teilnehmen und Probleme durch logisches Denken lösen. Im Körper repräsentiert die linke Seite die Yin- und die rechte Seite die Yang-Energie. Bei der nun folgenden Meditation geht es darum, diese Energien in vernünftigen Maßen zu halten, damit es uns rechtzeitig auffällt, wenn wir uns mit der Verantwortung für Haushalt, Arbeit und Privatleben zu sehr übernommen haben und keine Zeit hatten, uns zurückzuziehen und etwas für uns selbst zu tun.

Setz dich mit gebeugten Ellenbogen aufrecht hin. Deine Hände befinden sich in mittlerer Brusthöhe, die Handflächen zeigen nach oben. Spür beim Einatmen die Yang-Energie der Muskeln, die deinen Rücken und Bauch stützen; beim Ausatmen konzentrierst du dich auf die Weichheit der Yin-Energie im Nacken-, Schulter- und Hüftbereich. Denk nun an die Aspekte deines jetzigen Lebens, die die Yin-Energie repräsentieren, und stell dir vor, diese in der linken Hand zu halten. Wie schwer oder wie leicht fühlen sie sich an? Dann denk an die Aktivitäten in deinem Leben, die die Yang-Energie repräsentieren, und halte diese in der rechten Hand. Wie fühlt sich dieses Gewicht an? Vergleich nun deine beiden Hände – trägt die eine ein schwereres Gewicht als die andere? Visualisiere, wie du diese beiden Energien in deinem Leben gleichmäßiger zum Ausdruck kommen lassen könntest. Lass die Hände sinken, bis sie mit den Handflächen nach unten auf deinen Oberschenkeln liegen, und atme dreimal tief durch.

Winkelsitz (Baddha Konasana) (3 Minuten)

Winkelhaltung zum hormonellen Ausgleich (c) iStock/fizkes

Bei dem auch als Schustersitz oder Schmetterling bezeichneten Winkelsitz handelt es sich um eine Dehnung im Sitzen, die die Hüftmuskeln lockert und Verspannungen im Beckenboden löst. Setz dich auf eine auf dem Boden liegende dicke, gefaltete Decke. Leg deine Fußsohlen aneinander und lass die Knie seitlich auseinanderfallen. Drück die Fingerspitzen in den Boden hinter dich, um deine Wirbelsäule zu dehnen, und kipp dein Becken nach vorne, bis es aufrecht ist. Dabei wirst du allmählich eine Dehnung an der Innenseite der Hüften und Oberschenkel spüren. Wenn du nicht viel davon merkst, drück deine Hände noch fester in den Boden, um den Oberkörper nach vorne zu bewegen, wobei diese Bewegung nicht durch eine Krümmung des Rückens, sondern aus den nach vorne kippenden Hüften heraus erfolgen sollte. Dehn deine Wirbelsäule bei jedem tiefen Einatmen ein bisschen mehr. Bei jedem Ausatmen lockerst du deinen Hüftbereich und lässt deine Beine ganz schwer werden. Bleib auf diese Weise ein bis zwei Minuten lang in einer moderaten, nicht zu intensiven Dehnungsposition.

Mittagsritual

Göttinnen-Tonikum (3 Minuten)

Die wichtigste Zutat dieses Tonikums ist Granatapfel, eine Frucht, die sowohl Männern als auch Frauen guttut. Sie hat einen sauren Geschmack, was normalerweise zu einer Verstärkung von Pitta führen würde, doch diese Frucht stellt eine Ausnahme dar: Sie kann alle Doshas ausgleichen. Der Granatapfel ernährt Herz und Verdauungsorgane und gilt als Aphrodisiakum. Er ist ein Fruchtbarkeitssymbol, trägt zu einem ausgewogenen Östrogenhaushalt bei und eignet sich besonders gut dazu, Hitze während der Wechseljahre entgegenzuwirken. Aloe vera und Zitrone oder Limette regen außerdem die Verdauung an; daher tut es besonders gut, dieses Tonikum am Nachmittag oder nach dem Mittagessen zu trinken.

ZUTATEN
240 ml Granatapfelsaft
120 ml gefiltertes Wasser (Zimmertemperatur)
2 EL Aloe-vera-Saft
1 Spritzer Zitronen- oder Limettensaft
Heilpflanzenzusatz für eine besonders intensive Wirkung (wahlweise): ½–1 TL Shatavari

Gib Granatapfelsaft, Wasser und Aloe-vera-Saft in eine große Schüssel und rühr kräftig um, bis alle drei Zutaten sich gut vermischt haben. Füg einen Spritzer Zitronen- oder Limettensaft und (wahlweise) das Shatavari-Pulver hinzu. Bedenke, dass sich das Pulver möglicherweise nicht vollständig auflöst. Stattdessen kannst du das Pulver auch drei Minuten lang in 120 Milliliter heißem Wasser ziehen lassen, dann abseihen und diese Flüssigkeit in den Granatapfel-Aloe-vera-Saft hineingeben. Bei Zimmertemperatur trinken.

Abendrituale

Ajna-Marma-Stimulation (5 Minuten)

Marma-Punkte sind wichtige Körperregionen, die verschiedenen Organen oder Erkrankungen zugeordnet sind und durch deren Stimulation Heilungsprozesse gefördert werden können. Bei diesem Ritual geht es um den Ajna-Marma-Punkt, der auf der Mittellinie der Stirn etwas oberhalb der Augenbrauen an der Stelle des dritten Auges liegt. Dieser Punkt wird auch als Sthapani bezeichnet, und beide Namen haben eine ähnliche Bedeutung: Ajna bedeutet »Ordnung« und Sthapani »Beständigkeit im Geist«. Das deutet bereits darauf hin, dass dieser Punkt für Gleichgewicht steht; wir nutzen ihn zur Behandlung eines unausgewogenen weiblichen Hormonhaushalts, vor allem weil er sich auf der Höhe der Hypophyse befindet. Die Hypophyse ist eine wichtige Schaltzentrale unseres Hormonhaushalts: Sie schüttet Hormone aus, die alle anderen Drüsen steuern. Gleichzeitig kannst du diesen Marma-Punkt auch zum Stressabbau stimulieren.

Für dieses Ritual kannst du entweder in deiner gewohnten Meditationshaltung sitzen oder dich auf den Rücken legen. Mach es dir bequem – aber nicht so bequem, dass du dabei womöglich einschläfst. Üb mit dem linken Daumen fünf bis sieben Atemzüge lang leichten Druck auf den Ajna-Marma-Punkt aus. Dann massiere ihn fünfmal langsam mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn und anschließend fünfmal gegen den Uhrzeigersinn. Zum Schluss lass den Punkt wieder los, lass deine Arme bequem auf der Sessellehne oder dem Boden ruhen und konzentrier dich in Gedanken drei Minuten lang auf diesen Punkt.

Abendliches Bad (20 Minuten)

Wasch dir deine Sorgen mit einem abendlichen Bad oder Fußbad ab und widme dich während dieser Zeit ausschließlich deiner Ruhe und Entspannung. Egal ob du dich für ein Vollbad oder Fußbad entscheidest: Verwende dafür warmes Wasser, Bittersalz und drei verschiedene ätherische Öle (Kardamom-, Minz- und Lavendelöl). Diese Öle bilden eine beruhigende, kühlende und erdende tridoshische (für alle drei Doshas heilsame) Aromatherapiemischung. Gönn dir ein 10- bis 20-minütiges Bad und ruh dich anschließend aus. Gib dazu folgende Zutaten ins warme Badewasser:

Für ein Vollbad:
150 g Bittersalz
5 Tropfen Kardamomöl
8 Tropfen Minzöl
10 Tropfen Lavendelöl

Für ein Fußbad:
40 g Bittersalz
2 Tropfen Kardamomöl
4 Tropfen Minzöl
5 Tropfen Lavendelöl

(c) riva Verlag

Zum Weiterlesen:

Sarah Kucera: Heilen mit der Kraft des Ayurveda. Über 100 alte Rituale für das moderne Leben. riva Verlag 2019

Die hier gezeigten Rituale wurden mit freundlicher Genehmigung des riva Verlags abgedruckt.

 

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