In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Die richtige Mischung macht´s

Für eine glückliche Beziehung gibt es kein Patentrezept. Doch aus ayurvedischer Sicht ist es eine günstige Mischung, wenn in einer Partnerschaft unterschiedliche Konstitutionstypen alle Elemente einbringen. Denn so, wie Gesundheit auf dem dynamischen Gleichgewicht der körperlichen und psychischen Kräfte beruht, so steht auch die Liebe bei vielseitigem Dosha-Gemisch auf einem besser balancierten Fundament.

Dominiert Vata, der Wind, in einer Beziehung, so ist diese oft von Unruhe, Instabilität und häufiger Abwesenheit eines oder beider Partner geprägt. Beim Sex kann zu viel Vata schnell zur Flaute im Bett führen: Beide sind müde und gestresst, wollen sich gerne verwöhnen lassen und doch fühlen sie sich zu erschöpft für eine energievolle Begegnung zu zweit. Was nun? Vata-Menschen tut es gut, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und energiespendende Rituale in den Alltag einzubauen. Entspannende Ölmassagen, sinnliche Anregung und überraschende Abwechslung aus dem Alltagstrott laden die Batterien wieder auf und wirken belebend auf die Lust und die Liebe.

Eine von Pitta geprägte Beziehung besteht meist aus zwei starken Partnern, die beide wissen, was sie wollen und wie sie es am besten bekommen. Jeder ist mit seinem eigenen Leben sehr beschäftigt, und auch eine Beziehung wird„gemanagt“. All dies ist nicht unbedingt förderlich für die liebevolle Erfüllung miteinander, und so schlittern viele Pitta-Typen ohne es zu merken in eine emotional ausgebrannte Beziehung, in der Sex als sportliche Ertüchtigung oder zum „Entladen“ von Spannung genutzt wird.

Um das leidenschaftliche Glühen in jeder vibrierenden Zelle wieder neu zu entfachen, braucht es eigentlich nicht viel: ein Ventil zum Abbau von beruflichem Druck – wie Sport oder Yoga –, damit dieser die Beziehung nicht belastet, visuelle Reize und genügend Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Gut zu wissen: Pitta funktioniert nach dem Dynamo-Prinzip: Reibung gibt Energie, und Pitta will immer wieder neu erobern bzw. erobert werden…

Viel heißer Sex ist nicht die erste Priorität, die ein Kapha-Typ nennt, wenn wir nach den wichtigsten Dingen einer glücklichen Beziehung fragen. Trotzdem stehen Kapha-Typen einer erfüllten Sexualität grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber. Nur für das eigene Glück sind Harmonie, Vertrauen und ein liebevolles Zusammenleben einfach wichtiger.

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So brauchen Kapha-Menschen immer wieder Anreize, die das sexuelle Feuer entfachen: Von scharfen Gewürzen und aphrodisierenden Kräutern bis zu lustfördernden Spielzeugen – bei Kapha ist alles erlaubt, was das innere Phlegma durchbricht und mehr Bewegung und Leidenschaft ins Schlafzimmer bringt. Als Sinnesorgane sind bei Kapha das Riechen und Schmecken besonders empfänglich, und so können auch Aromaöle und kleine kulinarische Verführungen in das lustvolle Vorspiel eingebunden werden.

Manage deine Konstitution und transformiere deinen Geist

Dieser Leitsatz der Ayurveda-Psychologie lässt sich auch auf unsere sexuellen Vorlieben und Nöte anwenden: Zum Ausgleich von körperlichen dosha-typischen Symptomen – wie beispielsweise der unbeständigen Vata-Lust, dem unkontrollierbaren Pitta-Drang oder dem sexuellen Kapha-Phlegma – gibt es viele wirkungsvolle Ayurveda-Gewürze und Kräuter, die eine ausgeglichene und erfüllende Sexualität fördern.

Zum Management von Vata, Pitta und Kapha werden immer die Maßnahmen eingesetzt, die mit gegensätzlichen Eigenschaften eine Balance schaffen: So stabilisieren wir Vata mit beruhigenden und stärkenden Substanzen, kühlen zu viel Pitta mit bitteren und hitze-reduzierenden Kräutern und regen Kapha mit scharfen und erhitzenden Gewürzen an.

Aphrodisierende Gewürze und Kräuter zum Dosha-Ausgleich
Vata Safran, Knoblauch (gekocht), Muskat, Süßholz, Galgant, Ashvagandha (Whitania somnifera)
Pitta Kardamom, Koriander, Ayurveda-Ernaehrung/Ayurvedische-Kraeuter/Shatavari/">Shatavari (Aspargus racemosus), Guduchi (Tinosporia cordifolia)
Kapha Schwarzer Pfeffer, Chili, Muskat, Senfsamen, Sesam, Bockshornklee, Ashvagandha (Whitania somnifera)

 

Auf der psychischen Ebene hingegen sind es die „geistigen Doshas“ Tamas, Rajas und Sattva, die unsere sexuellen Vorlieben und Abneigungen maßgeblich beeinflussen. Und um diese bei Störungen wieder ins Gleichgewicht zu bringen, helfen vor allem Yoga und Meditation als Persönlichkeitsschulung für den transformierenden Prozess.

Tamas wird im Yoga und im Ayurveda als nicht-aktiver Zustand des Geistes beschrieben. Wird die Persönlichkeit von zu viel Tamas regiert, so führt dies zu Interesselosigkeit, Faulheit, Ignoranz und Depression – der Tod einer jeden lebendigen und liebevollen Beziehung! Tamasische Menschen haben entweder überhaupt keine Lust zum Sex oder sie sind neigen zu triebhaftem und unreflektiertem sexuellen Verlangen. Diesen aus vedischer Sicht wenig erstrebenswerten Zustand können wir durch eine Steigerung von Rajas, also der Aktivitäten des Geistes, verhindern. Herrscht Rajas im Menschen vor, so sind unsere Gedanken, Gefühle, Wünsche und Aktivitäten auf der emotional-mentalen Ebene sehr rege. Der Geist ist ständig in Bewegung, und wir werden von unseren Begehrlichkeiten, Sorgen und Wünschen regiert. Aus dieser Perspektive betrachtet, ist Rajas der „Normalzustand“, in dem sich die meisten Menschen befinden. Sexuelle Energie, Leidenschaft und Lust entstehen durch Rajas, und somit haben rajasische Menschen die größte sexuelle Affinität. Doch Yoga lehrt uns auch die Vergänglichkeit der rajas-geprägten Emotionen: Nach der Ekstase kommt die Ernüchterung, nach dem Honeymoon folgt die Enttäuschung, aus Leidenschaft entsteht Eifersucht usw.

Strahlend, glücklich, liebevoll und innerlich zufrieden sind all diejenigen, denen es gelingt, den mental überreizten Rajas-Zustand in eine sattvische Qualität zu transformieren. Die Stärkung von Sattva ist das Ziel aller yogischen und ayurvedischen Maßnahmen. Erst dann sind wir reif für eine wirklich glückliche, vertrauensvolle und tolerante Liebesbeziehung, in der beide Partner sich frei entfalten und persönlich wachsen können. Auch die Sexualität wächst im Sattva über sich hinaus: Statt von Leidenschaft und Trieben gesteuert zu werden, erfahren wir nun kosmische Befreiung und energetische Vereinigung in der erfüllten Zweisamkeit. In diesem Sinne ist die eigene sattvische Persönlichkeitsschulung das wahre Gold für eine glückliche Partnerschaft und Sexualität.

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