Das berauschende Wunder der Gegenwart oder die Kunst, den Wein zu trinken
In der Gegenwart liegt das Wunder des Wiedererkennens. Welches Wiedererkennen? Sei glücklich, entscheide dich unaufhörlich dazu und plötzlich wirst du in dir und um dich herum ein Wunder wahrnehmen, dieses berauschende Wunder der Gegenwart, so voll Glück, auf den Schwingen deines Geistes in die Grenzenlosigkeit schweben, getragen durch das Spiel der Thermik, getragen durch das Spiel des Augenblicks.

Irgendwann in der Zeit an einem Ort, den nur dein Herz kennt, an diesem speziellen Ort trafen sich eine kleine Anzahl Weiser, um sich auszutauschen und eine Ordnung zu erstellen. Ein Ordnungssystem, durch das man ewige Gesundheit erhalten und erlangen kann.
Unter ihnen war ein Weiser namens Atreya, der sich in seiner Art völlig unterschied von den anderen. Er suchte nicht nach einem Ordnungssystem, um Gesundheit zu erhalten oder zu erlangen, er hatte es schon längst gefunden.

Er hatte es gefunden in einem Blatt, das einzeln am Baum tanzt, in jenem Sonnenstrahl, der leise am Morgen ins Zimmer dringt. Dieses Wunder der Heilung war und ist allgegenwärtig.

Er galt als der Weiseste unter den Weisen. Als sie ihn nach langer, mühseliger Diskussion fragten, was nun seiner Meinung nach gesund sei und heilen würde, „Ist es Ingwer getrocknet oder frisch, Antilopenfleisch oder doch rote Linsen, Obst mit Milch und Reis“?, als er all dies vernahm, musste er unwillkürlich lächeln. „Gesund – gesund und heilend wollt ihr wissen?“

Ja, sag uns was ist deiner Meinung nach gesund und heilend!

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„Oh, ich kann euch sagen, was das Blatt im Wind mir erzählt hat und der Sonnenstrahl hier im Zimmer, wollt ihr das wirklich wissen?“

Wenn es zum Thema passt, warum nicht? Warum muss er nur immer so komisch sprechen, dachte sich der ein oder andere Weise.

„Ja klar, was meinen dein Blatt und dein Sonnenstrahl dazu“? so fragten sie Atreya.

„Heilend und gesund ist das, welches jeder sich ersehnt. Und das, welches jeder sich ersehnt, ist glücklich sein.“

„Schau mein Freund, nehmen wir eines der hervorragendsten Nahrungsmittel, die wir kennen: nehmen wir den Madya (Wein). In der richtigen Weise genommen, schenkt er angenehme Erregung und erzeugt Kraft und Energie im Körper, Mut, Zufriedenheit und die Befreiung von so mancher Störung, er führt zu sexueller Stärke und Ausdruckskraft.

Madya verbessert deinen Geschmacksinn und deinen Appetit, ist wohltuend für Herz und Kreislauf, fördert Stimmung und Ausstrahlung und besiegt Furcht, Kummer und  Erschöpfung.

Selbst durch Madya und dessen unsachgemäßen Gebrauch hervorgerufene Störungen können durch Madya auch wieder beseitigt werden“.

Da war der Aufschrei groß, „Madya ist giftig und er schadet, es gibt keinen sachgemäßen Gebrauch von Madya. Madya führt immer zu Mada (Rausch) und der ist schädlich und macht süchtig, das weiß doch jedes Kind“.

Darauf erwiderte Atrya: „Wein ist gleich dem Nektar, für den, der ihn zu trinken weiß. Vatikas (Vata-Typen) sollten ihn trinken nach Massagen und Bädern nachdem sie fett und heiß gegessen haben.

Pattikas (Pitta-Typen) wiederum nach süßer fetter und kalter Nahrung, sowie Kaphayas (Kapha-Typen), die ihn nach einem heißen Mahl aus Gerste, Weizen und Fleisch von wilden Tieren gewürzt mit Pfeffer zu sich nehmen.

Vatika-Wein sollte gemacht aus Blüten sein, wohin gegen der Pattika- und Kaphaya-Wein aus Honig oder Weintrauben gebraut werden sollte“.

Kaum hatte er so gesprochen, schwiegen alle und er fuhr fort: „Es gibt drei Arten des Rausches. Das erste Stadium ist genussvoll und erregend, es fördert Gesang und Musik sowie Kunst und Gelächter, anregende Erzählungen entstehen. Es beeinträchtigt nicht die Intelligenz; und wenn, dann nur etwas das Gedächtnis.

Das zweite Stadium ist von wankendem Gang gekennzeichnet und der Berauschte redet wirres Zeug.

Im letzten Stadium verhält man sich äußerst unheilvoll und wird ohnmächtig oder stirbt. Doch ändert es nichts, Wein ist seiner Natur nach Nahrung. Wohlbefinden in dieser und der nächsten Existenz sowie das höchste Glück, welches in Moksha (Freiheit) besteht, sind abhängig von Samadhi (der Erregung des Geistes für das Höchste).

Wein hat die Eigenschaft den Geist zu erregen, wenn er getrunken wird, an einem Ort verziert mit Girlanden, Musik und schönen Düften, delikaten Speisen und Gesprächen mit angenehmen Personen in freudiger Erregung und wenn niemand den ersten Zustand von Mada überschreitet.

Denn gesund und heilend ist alles, das deine Lust, dein Glücklichsein steigert, ohne dir zu schaden. Es ist das Atha (das Jetzt), dass dir die Erregung des Geistes offenbart und dieser so erregte Geist ist eines mit dem Weltengeist und der Weltenerregung.

Dieser so erregte Geist trägt dich in Stille, Glück und Gesundheit und offenbart dir den Geschmack der Freiheit.

Als er dies sprach, wussten einige, warum man Atreya den Weisesten der Weisen nannte, andere verstanden es nicht und lachten.

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