Damit sich werdende Mutter und Embryo sicher und glücklich fühlen: Tipps aus der altindischen Heilkunde
Sind Sie schwanger oder haben Sie den Wunsch, schwanger zu werden? In den ersten Wochen, vielleicht noch bevor Sie ahnen, dass Sie ein Kind erwarten, und wenn Ihr Embryo noch nicht einmal die Größe einer Haselnuss erreicht hat, entwickeln sich bereits die wichtigsten Körperorgane und das Gehirn. Je früher Sie also wissen, dass Sie schwanger sind, desto früher können Sie gut für sich und Ihr Baby sorgen. Vielleicht erleben Sie einen so genannten magischen Augenblick bei dem Gedanken an das neue Leben, das in Ihnen heranreift – mit ehrfurchtsvollem Staunen und großer Dankbarkeit. Aber auch andere aufwühlende Gefühle wie Befürchtungen, Angst und Zweifel können in Ihnen aufsteigen.

Die Charaka-Samhita, eines der wichtigsten Grundlagenwerke der Ayurvedamedizin, erinnert uns daran, dass der Mensch nicht nur aus einem materiellen Körper besteht, sondern ein spirituelles Wesen ist. Zum Zeitpunkt der Zeugung, wenn der physische Körper durch die Verschmelzung von Samenzelle des Vaters und Eizelle der Mutter entsteht, nimmt eine spirituelle Seele (atman) Platz in diesem neuen Gebilde, diesem Zellhaufen – ähnlich wie ein Fahrer in ein Auto einsteigt. Manche Frauen haben sogar eine Art Vorahnung oder Träume, als ob eine Seele warten würde, zu ihrer Familie kommen zu können.

Die ayurvedische Medizin empfiehlt, schon während der Schwangerschaft und idealerweise sogar bereits vor der Zeugung eines Kindes auf eine Balance von Körper, Geist und Seele zu achten, wobei das körperliche Gleichgewicht Ausgewogenheit der Doshas bedeutet. Dies wird beiden Partnern empfohlen.

Im Gegensatz zur modernen westlichen Medizin ist der Begriff von Gesundheit im Ayurveda nicht einfach nur Abwesenheit von Krankheit, sondern er beschreibt einen körperlich und geistig gesunden Menschen, der in der Lage ist, sich selbst und andere zu lieben und nicht zu verletzen. Um diesen optimalen, glücklichen und gesunden Start ins Leben zu erhalten, ist es wichtig, dass wir uns schon von Anfang an im Mutterleib erwünscht, geliebt, genährt, sicher und zufrieden fühlen. Wie Deepak Chopra schreibt: „Alles, was eine Seele für ihre Entfaltung braucht, ist Liebe.“ Körperlich, geistig und emotional gesunde und glückliche Kinder sind das Potenzial einer etwas besseren Welt von morgen. Damit sich unsere Kinder auch so entwickeln können, brauchen sie unsere Unterstützung, die schon in der Schwangerschaft beginnt.

Sattvische ausgewogene Ernährung
Im Yoga und im Ayurveda wird eine sattvische Ernährung empfohlen. Dies schließt auch die Schwangerschaft mit ein. Der Sanskritbegriff „sattva“ bedeutet soviel wie Ausgeglichenheit, Wahrheit, Weisheit, Tugend. Sattva-Ernährung beinhaltet frische vollwertige Nahrungsmittel, insbesondere biologisches Obst und Gemüse, vollwertiges Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Trockenfrüchte, Honig, Vollrohrzucker, Milch und Milchprodukte aus artgerechter biologischer Tierhaltung sowie reines (Quell-)Wasser. Generell würde ich eine lacto-vegetarische Ernährungsweise empfehlen. Falls Sie sich bisher nicht vegetarisch ernährt haben, sollten Sie Ihre Ernährung während der Schwangerschaft jedoch nicht plötzlich umstellen. Günstig ist eine ausgewogene vollwertige Mischkost, die reichlich pflanzliche und mäßig tierische Lebensmittel enthält. Wegen der Gefahr einer Toxoplasmose-Infektion, die Ihr Baby gefährden würde, sollten Sie jedoch auf den Verzehr von rohem Hackfleisch oder nicht durchgebratenen Steaks unbedingt verzichten. Essen Sie vata-beruhigende Speisen, die warm, flüssig, leichtverdaulich und frisch gekocht sein sollten. Ideal sind Suppen, leichte Eintöpfe aus Reis, Dal (indische Linsen) und Gemüse, Dinkelbrei oder Cremes  aus Getreideflocken. Vermeiden Sie zu scharf gewürzte, zu bittere, zu süße und vergorene Speisen und nach Möglichkeit auch übrig gebliebene Speisen vom Vortag, da diese Ama (toxische Stoffwechselprodukte) verursachen. Verzichten Sie auf kalorienreiche fetthaltige Nahrung wie Fertigprodukte, „Junk-Food”, Softdrinks und Süßigkeiten. Es versteht sich von selbst, dass Sie während Ihrer Schwangerschaft nicht rauchen und keinen Alkohol zu sich nehmen sollten.

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Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Schwangeren eine vitamin- und mineralstoffreiche, fettarme Ernährung. Der Nährstoffbedarf ist in der Schwangerschaft erhöht – nicht aber der Energiebedarf (v.a. nicht in den ersten drei Monaten). Das heißt, Sie müssen nicht für zwei Personen essen, sondern brauchen qualitativ gute Lebensmittel. Eine Schwangere sollte möglichst weder zu viel noch zu wenig essen. Erst ab dem 4. Monat steigt Ihr Energiebedarf an. Nun brauchen Sie etwas mehr Nahrung: etwa 300 Kalorien mehr täglich; das entspricht etwa einem Vollkornbrot mit Käse und einem Apfel oder einem Früchtemüsli.
In den ersten Schwangerschaftswochen ist vor allem der Folsäurebedarf erhöht, um die Gefahr von Fehl- und Frühgeburten auszuschließen sowie Entwicklungsstörungen des Fötus (z.B. Neuralrohrdefekte wie Spina bifida) zu minimieren. Als Prophylaxe werden vom Frauenarzt, falls erforderlich, von der Konzeption bis zur 14. Schwangerschaftswoche 0,4 mg täglich. gegeben. Folsäure ist vor allem in Hefeflocken, Weizenkeimen, Vollkornprodukten, grünem Gemüse wie Spinat, Brokkoli, Salat, aber auch in roter Bete, Tomaten und Spargel enthalten.

Trinken Sie viel Quellwasser, Kräutertees, wie z.B. Rooibostee, und verdünnte Fruchtsäfte. Wenn Sie an Übelkeit leiden, trinken Sie über den Tag verteilt in kleinen Schlückchen heißes Wasser, am besten Ingwerwasser. Lassen Sie ein bis zwei Liter Wasser, evtl. mit ein oder zwei Ingwerscheiben darin, zehn Minuten kochen und halten Sie es in einer Thermoskanne heiß. Dieses speziell zubereitete Wasser hilft, die zu  Übelkeit führenden toxischen Stoffwechselprodukte zu reduzieren. Ebenfalls hilfreich ist es, morgens nüchtern eine Tasse heißes Wasser mit etwas Zitronensaft und Honig zu trinken. Und falls sie den leicht zitronig-scharfen Geschmack von Kardamom mögen, können Sie immer wieder Kardamomsamen kauen. Viele Schwangere haben auch festgestellt, dass die Übelkeit nachlässt, wenn sie nicht so müde und erschöpft sind. Sorgen Sie also für rechtzeitigen und ausreichenden Schlaf. Vermeiden Sie allerdings das Schlafen während des Tages.

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