Je besser wir die eigenen Gefühle kennen, desto leichter werden wir mit schwierigen Situationen umgehen können. Sie zu benennen, ist der erste Schritt. Sich vor ihnen zu verbeugen, ein zweiter heilvoller Umgang mit ihnen. Wenn uns dies gelingt, werden wir die Gefühle beherrschen und nicht sie uns. Dies trifft auch auf passiv-aggressives Verhalten zu.

Zeigst du deine Gefühle?

Über Gefühle kann man nicht genug schreiben und sprechen. Vielleicht wirst du dir jetzt denken, dass es aber doch eigentlich darum gehen sollte, sich von ihnen zu lösen, sich nicht mehr mit ihnen zu identifizieren – Ja und Nein! Wir können uns erst von etwas lösen, wenn wir etwas transformiert haben.

Damit ist Folgendes gemeint: Wenn du dich schwertust, deine Wut oder deinen Ärger zu zeigen und sie stattdessen nicht zeigst, dann heißt es nicht, dass du sie nicht trotzdem hast. Sie wirken dann eher im Untergrund. Das kann sich zum Beispiel so äußern, dass du passiv-aggressiv bist.

Passiv-aggressives Verhalten

Menschen, die ihre Gefühle wie Ärger, Wut, Frust nicht zum Ausdruck bringen können und nicht in der Lage sind, lösungsorientiert damit umzugehen, werden als passiv aggressiv bezeichnet. Sie sprechen ihren Frust gerne auf Umwegen aus und vermitteln ihrem Gegenüber so ein schlechtes Gewissen, lassen dich mit einem Gefühl der Ohnmacht oder Hilflosigkeit zurück.

Passiv-aggressives Verhalten ist schädlich und nicht sehr konstruktiv, weil mit Menschen, die sich so verhalten, Konflikte nie wirklich gelöst werden können. Die Wut, der Ärger, die Enttäuschung schwelen weiter und führen irgendwann zu einem richtig dicken Streit.

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Deshalb ist es wichtig, sowohl bei sich selbst als auch bei anderen passiv-aggressives Verhalten zu erkennen. Nur dann kannst du richtig darauf reagieren!

6 Anzeichen für passiv-aggressives Verhalten

Jeder von uns kann mal auf diese Weise reagieren, wenn wir erschöpft sind oder uns innerlich die Kraft fehlt, um uns mit einem anderen Menschen auseinanderzusetzen. Zum Dauerzustand sollte ein solches Verhalten aber nicht werden. Ansonsten kann sich dieses Verhalten einschleichen und zu einem negativen Erkennungsmerkmal werden.

Achte deshalb immer wieder achtsam auf dich selbst und versuche, dich selbst und deinen Umgang mit Problemen und schwierigen Menschen kritisch zu hinterfragen.  

1. Hinterrücks angreifen

Mit der Kritik wird nicht hinterm Berg gehalten. Ganz im Gegenteil: Sie wird großzügig ausgeteilt. Nur leider wird sie nicht direkt der Person gegenüber ausgesprochen, die es betrifft. Das ganze Umfeld erfährt, was an der Person schlecht ist, nervt oder nicht stimmt. Dadurch kann im ganzen Feld eine schlechte Stimmung entstehen. Man fühlt sich zwar im ersten Moment erleichtert, weil man sich die eigene Enttäuschung, Wut oder Frustration von der Seele gesprochen hat, aber letztendlich ändert sich das Problem nicht wirklich, weil es nicht mit der Person besprochen wurde, die diese Gefühle ausgelöst hat.

2. Direkte Konfrontationen vermeiden

Eine verbreitete Taktik besteht darin, sich zurückziehen, nachdem man sich verletzt fühlt. Während dieses Rückzugs bekommt das Gegenüber ein schlechtes Gefühl und bekommt ein schlechtes Gewissen. Auch hier haben wir es mit passiv-aggressivem Verhalten zu tun: Denn auch wenn es nicht gesagt wurde, so soll der andere jedoch wissen, dass man nicht damit einverstanden war, wie man gehandelt hat oder was man gesagt hat. Häufig führt das dazu, dass sich das Gegenüber entschuldigt für einen Fehler, der ihm wortlos vorgeworfen wurde.

3. Die Rache kann kommen

Es heißt nicht, dass Menschen, die passiv-aggressiv sind, sich alles gefallen lassen. Es kann den Anschein erwecken, dass sie Gras über eine Sache wachsen lassen. Aber manchmal kann es passieren, dass sie sich in dem Moment rächen, in dem sich die Gelegenheit dazu bietet. Ganz ungut wird es, wenn ein Kollege beim Chef in Verruf gebracht wird, wichtige Informationen nicht alle Beteiligten weitergegeben werden oder etwas sabotiert und zum Scheitern gebracht wird. Hauptsache man hat das Gefühl, dass das empfundene Unrecht ausgeglichen wird.

4. Sich selbst schlecht reden

Die negative Grundeinstellung spiegelt sich darin, dass ein Mensch, der passiv-aggressiv ist, sich selbst schlecht redet. Anstatt sein Bestes zu geben, redet er sich selbst schlecht und hält so am Selbstbild eines Losers fest. Er fühlt sich überfordert, aber nur deshalb, weil andere Menschen ihm Aufgaben geben, die für ihn aber unlösbar scheinen. Ist er nicht in der Lage, die Aufgabe zu erfüllen, liegt dies jedoch selbstverständlich an den anderen – nicht aber an ihm selbst!

5. Der Ärger wird vertuscht

Die Passivität macht es natürlich schwer, hinter die Fassaden zu schauen. So kann es passieren, dass ein Mensch den ganzen Ärger herunterschluckt, innerlich das Fass so aber immer mehr zum Überlaufen kommt. An dir selbst kannst du diese Entwicklung daran bemerken, wenn deine wahren Gedanken nicht mehr mit deinem Verhalten, dass du nach außen zeigst, zusammenpasst.

6. Das eigene Umfeld manipulieren

Menschen, die passiv-aggressives Verhalten an den Tag legen, versuchen gerne, ihr Umfeld so zu manipulieren, dass sie selbst einen Vorteil davon haben. Wer sich zum Beispiel nicht traut, nach Hilfe zu fragen, wird seine Kollegen eher subtil dazu bringen, Arbeit zu übernehmen, indem gesagt wird: „Ich werde die ganze Nacht an diesem Projekt sitzen …“

Typische Redewendungen bei passiv-aggressivem Verhalten

Passiv-aggressive Menschen sagen nicht, was sie denken. Aber dafür sind sie in der Lage, die Sprache so zu nutzen, dass sie sich selbst besser darstellen werden. Dabei wissen sie genau, was sie sagen müssen, um anderen ein schlechtes Gewissen einzureden, andere ins Leere laufen zu lassen oder um zu bekommen, was sie bereits von Anfang an gewollt haben.

Es gibt bestimmte Redewendungen, die typisch sind. Vielleicht erkennst du dich selbst oder andere Menschen darin wieder:

Passiv-aggressives Verhalten entlarven:

  • „Das hab ich nicht so gemeint …“ Mit diesem Satz zieht man sich schnell aus der Affäre und vermeidet, Verantwortung zu übernehmen.
  • „Jetzt ist es auch schon zu spät… / Jetzt ist es auch egal…“, das soll heißen, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Der Vorwurf – auch über einen längeren Zeitraum – ist damit schon mal vorprogrammiert.
  • „Alles bestens … / Nein, es ist gar nichts …“. Es ist spürbar, dass das Gegenüber verärgert und genervt ist, aber diese Aussage gibt einem nicht die Möglichkeit, eine Diskussion zu führen und Missverständnisse auszuräumen.
  • „Wir machen es so, wie du es willst ….“ Auch wenn dieser Satz im ersten Moment nach einem Kompromiss oder Erfolg klingt, so meint er doch, dass das Unternehmen sowieso schief gehen wird und man die volle Verantwortung dafür tragen muss. Später wird es dann heißen: „Ich hab‘ doch gleich gesagt, dass es nicht klappt.“
  • „Du verstehst das einfach nicht …“ – dieser Satz ist sehr aggressiv und ein gekonntes Mittel, um dem Gesprächspartner die Schuld in die Schuhe zu schieben.

Achtsam werden

Passiv-aggressives Verhalten ist in unserer Gesellschaft wohl verbreiteter, als man annehmen wird. Und es wird durch die sozialen Medien in meinen Augen sogar noch gefördert! Deshalb ist es wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und achtsam wahrzunehmen.

Passiv-aggressives Verhalten: Tipps für den Umgang

Erkenne dich selbst und wenn du bemerkst, dass du diese Tendenz hast, dann können dir folgende Tipps helfen.

Tipps für den Umgang mit passiv-aggressivem Verhalten:

  • Tue, was du denkst
  • Achte darauf, dass deine Gedanken und Handlungen kongruent sind. Auf Dauer wirst du dich wohler in deiner eigenen Haut fühlen, wenn du authentisch bist.
  • Solltest du bemerken, dass ein Kollege, ein Verwandter, ein Bekannter oder dein Partner passiv-aggressiv reagiert, gehe nicht darüber hinweg, sondern:
    • Sprich das Problem an. Hake nach, wenn jemand ein Problem nicht anspricht oder immer wieder um den heißen Brei herumredet.
    • Stärke dein Selbstbewusstsein. Je mehr du bei dir bist, desto leichter wird es dir fallen, Schwierigkeiten direkt anzusprechen.
    • Stärke das Selbstvertrauen der anderen. Je selbstbewusster sich ein anderer Mensch fühlt, desto einfacher wird es für ihn sein, Probleme anzusprechen.
    • Du kannst niemanden zu einer Einsicht zwingen. Passiv-aggressive Menschen fühlen sich schnell angegriffen und ignorieren Ratschläge. Erzwinge nichts. Versuche, mit kleinen Schritten ans Ziel zu kommen.

Fazit

Wahrhaftigkeit ist ein wichtiger Aspekt auf dem spirituellen Weg. Dazu gehört auch, sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden. Passiv-aggressive Menschen tun sich schwer damit, Wut, Ärger und Angst auszusprechen. Aber auch das kann gelernt werden. Es braucht nur ein bisschen Übung, Umsicht, Achtsamkeit und Goodwill.

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