Der April-Vollmond am 27.4.2021: Vorbereitung auf die Meditation: über Konzentration durch Pratyahara und über den Wert der täglichen inneren Praxis.

Seit vierzehn Jahren schreibt Wolfgang Bischoff zu jedem Vollmond einen kontemplativen Text und lädt Menschen weltweit ein, sich von 21 bis 22 Uhr der jeweiligen Ortszeit aufrecht und bequem in eine Meditationshaltung zu begeben, still zu werden, den Text zu lesen und zu kontemplieren und dann mit der persönlichen Meditationsübung zu beginnen.

April-Vollmond am 27. April 2021

Am 27.4.2021 erstrahlt der Aprilvollmond am hellblauen Himmel und weist auf den kommenden Frühling hin. Lasst uns gemeinsam still werden, jeder an seinem Platz, und die Ernsthaftigkeit und tiefe Bedeutung der Meditation kontemplieren, die in einem Gespräch zwischen mir und meinem Meister betrachtet wurde:

Ich fragte: „Was bedeutet für mich ein Fortschritt in der Meditation?“

Er antwortete: „Du musst Pratyahara – das Zurückziehen der Sinne – verstehen lernen, um dich konzentrieren zu lernen, dann kannst du in Meditation sein. Normalerweise beschäftigt sich dein Geist mit den Eindrücken der zehn Sinne und ist ständig abgelenkt. Der Geist kann aber auch ohne die Sinne tätig sein. In einem solchen Zustand wendet er sich nach innen. In der Übung von Pratyahara verzichtet der Übende auf bedeutungslose Handlungen, die mit Pratyahara nichts zu tun haben. Die Sinne von den Objekten dieser Welt abzuziehen, bedeutet nicht ein Sich-Zurückziehen von dieser Welt. Die Übende kann lernen, die Sinne vor der Meditationsübung von den Wahrnehmungsobjekten abzuziehen. Dann erst kann er einen Zustand betreten, den man Konzentration nennt. Die Konzentration in der Meditation ist eine völlig andere als die Konzentration in der äußeren Welt. Die Konzentration auf die äußere Welt hilft den Übenden nicht in der Meditation.

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Es ist immer gut, nur eine Sache zur gleichen Zeit zu tun und seine ganze Aufmerksamkeit und Konzentration darauf zu lenken. Das wird die Kraft der Konzentration stärken.

Die Konzentration hilft uns, in der äußeren Welt unsere Pflichten wirkungsvoll und verantwortungsvoll zu erfüllen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass der Geist sich immer nur auf eine Sache zur Zeit konzentrieren kann, wenn auch in einer großen Geschwindigkeit. Viele denken, dass ihr Geist sich mit mehreren Themen gleichzeitig beschäftigen kann. Das führt jedoch nur zu einer größeren Zerfahrenheit und schwächt die Konzentrationskraft.

Wenn man die Konzentrationskraft stärken will, dann sollte man die innere Achtsamkeit schulen. Dazu geben spirituelle Lehrer dem Geist ein Objekt oder einen Punkt, auf den er sich konzentrieren kann. Ein fokussierter und hundertprozentig konzentrierter Geist entwickelt eine unvorstellbare Kraft. Dadurch kann er die einpunktige Konzentrationsfähigkeit erlangen. Jetzt entsteht die Transformation der Konzentration, die sich durch das Zurückziehen der Sinne (Pratyahara) bildet und den Geist nach innen richtet. Jetzt erst ist die Voraussetzung für Meditation geschaffen, die langsam entstehen kann. In der Meditation beginnt der Geist, spontan und ohne Unterbrechungen nach innen zu fließen. Der Körper ist ganz still, die Atmung strömt ruhig und ihrer Natur entsprechend. Ein solcher Geist erlebt die Freude, den Segen und das Glück der Meditation.“

In der heutigen Zeit setzen sich viele Übende ohne jede Vorbereitung in Meditation und erleben so häufig Enttäuschungen, weil sie keinen inneren Frieden und glückselige Freude empfinden.

Es entspricht einer seriösen spirituellen Schulung des Raja-Yoga – des königlichen Pfades –, sich sorgfältig vorzubereiten, bevor man Meditation praktizieren will.

Leider werden wir weder in unserer Kindheit noch als Schüler oder Studenten darin unterrichtet, still zu werden, die Aufmerksamkeit nach innen zu richten, die Sinnestätigkeiten zurückzuziehen und den Geist auf die Schöpfungsknotenpunkte, die Chakras – wie das Herzzentrum oder den Punkt zwischen den Augenbrauen – zu konzentrieren. Deshalb ist es für Übende so schwer, wirklich zu meditieren und die unbeschreibliche Freude in der Meditation zu erleben, die viel intensiver ist als die Freude am äußeren Leben. Die innere Freude, die man in der Meditation erlebt, lässt einen innerlich ruhig, ausgeglichen, umsichtig und aufmerksam werden. Das trägt dann dazu bei, dass wir in der Unruhe der Welt ruhig bleiben und ein klares Unterscheidungs-und Entscheidungsvermögen behalten. Ein ruhiger, geordneter Meditationsplatz, wenn möglich nach Norden, Osten oder Westen ausgerichtet, ist dabei von großer Hilfe.

Es ist sehr sinnvoll, die Anweisungen eines spirituell Lehrenden zu suchen, der ein wenig weiter ist als man selbst und eigene spirituelle Erfahrungen gemacht hat. So kann er oder sie den Übenden helfen, sich nicht auf die sensationellen inneren Bilder zu konzentrieren, die als Visionen so oft missverstanden werden. Viele warten auf außergewöhnliche Erfahrungen. Es wäre aber besser, diese zu ignorieren. Fortschritt in der Meditation erlebst du durch das Anwachsen von Ruhe, Klarheit, Gelassenheit und einpunktiger Konzentration. Wenn sich durch die Meditationsübung keine Klarheit im Geiste, keine Ausgeglichenheit, Gelassenheit, kein Gleichmut einstellen, dann ist etwas an der Unterrichtung nicht in Ordnung. Deshalb nimm einfache Übungen wie Nadi-Shodhana (Wechselatmung), die sieben Schritte zur Vorbereitung auf Meditation oder die Reinigungsübungen für die Chakras und übe diese über eine lange Zeit ohne Unterbrechung systematisch jeden Tag mit Liebe und Hingabe. Dann wirst du eine wunderbare, stille Freude in der Meditationsübung erleben und eine langsame Transformation im Sinne der Yamas und Niyamas deiner Persönlichkeit. Mit Liebe und Hingabe zu üben, ist dabei das große Geheimnis.

Die Freude an der täglichen, bescheidenen inneren Übung ist die beste Voraussetzung für die Entwicklung und den Fortschritt in der spirituellen Schulung.

Ich wünsche Dir eine besonders stille Stunde voll innerer Ruhe, Gelassenheit und stiller Freude.

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