Ohje… es sind ver-rückte Zeiten. Wie soll ich mich nur in einer Zeit, in der alles so fragwürdig erscheint, für das Richtige entscheiden? Aber was genau ist das Richtige? Grün? Schwarz? Rot? Wasser oder Wein? Impfung oder Ausschluss vom öffentlichen Leben? Ein klares Ja zu äußern, kann manche Menschen in die Verzweiflung treiben. Das muss aber nicht sein: Eine Prise Achtsamkeit, ein Gramm Mut und ein Kilo Vertrauen können dir dabei helfen, zukünftig deine eigenen Entscheidungen zu treffen, anstatt faule Kompromisse einzugehen.

Fühlst du dich manchmal überfordert, wenn du ein klares „Ja“ oder „Nein“ zu etwas äußern sollst? Damit bist du nicht allein. Für viele von uns ist es schwierig, Entscheidungen zu treffen und Stellung zu beziehen, besonders dann, wenn wir unsere Familie oder Freunde nicht verletzen möchten. Eine klare Stellungnahme ist auch dann nicht einfach, wenn unser Job dabei auf dem Spiel steht. Aber mal ganz ehrlich: Was hast du von solchen Beziehungen, die sich nur dann halten, wenn du dich dabei auf die Wünsche und Werte der anderer einstellst und dich dabei aber vollkommen übergehst. Rückgrat zu zeigen und für sich selbst zu stehen, wird uns nicht automatisch mit in die Wiege gelegt. Und die meisten Eltern oder Erziehungsberechtigten sind auch nicht gerade Meister darin, aus ihren Kindern eigenständige und selbstdenkende Menschen zu machen. Dabei ist es genau das, was uns zu besonderen Menschen werden lässt. Ein ehrliches „Ja“ zu der eigenen Befindlichkeit zu äußern, ohne dabei skrupellos und egoistisch über seine Umwelt hinwegzugehen, stärkt unser Selbstbewusstsein und übrigens auch häufig jene Beziehungen, die im Himmel geboren wurden. Denn nur wer dein „Ja“ oder „Nein“ aus ganzem Herzen akzeptiert, ist wirklich an dir interessiert und nicht daran, eine externe Bestätigung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu bekommen.  

Triff DEINE Entscheidung

Häufig stehen wir im Verlauf unseres Lebens an Wegkreuzungen, an denen Entscheidungen von uns verlangt werden: Lehre oder Abitur? Uni oder Weltreise? Yogalehrerausbildung oder einfach nur Yoga machen? Kinder kriegen ohne Trauschein oder lieber ganz offiziell? Impfen oder ausgegrenzt werden? Grün, Schwarz oder Rot wählen? Chemotherapie oder alternative Behandlung? Die Liste der Beispiele ließe sich ins Unendliche fortsetzen. Der eine geht singend, lächelnd und tanzend seinen Weg und braucht nicht lange zu überlegen, bis er sich für oder gegen etwas entschieden hat. Für Menschen, die anderen mehr vertrauen als sich selbst oder aber die Angst davor haben, sich für das Falsche zu entscheiden, sind solche Weggabelungen eine einzige Qual. Eine Entscheidung kann einen Menschen oft Wochen oder sogar Monate lang vor sich herschieben. Und hat er sie dann getroffen, kann es ihn auch noch lange Zeit innerlich beschäftigen, ob er auch die richtige Wahl getroffen hat.

Wir treffen 20.000 Entscheidungen pro Tag

Wegkreuzungen gibt es allerdings nicht nur große. Tagtäglich stehen wir vor ihnen. Allerdings haben wir dies so verinnerlicht, dass es uns nicht bewusst ist, dass wir uns tagtäglich immer wieder für oder gegen etwas entscheiden müssen. Fenster auf oder zu? Lese ich den Artikel oder scrolle ich weiter? Meditation oder Yoga? Sonnengruß oder Yin Yoga? Kaffee oder Tee? Aufs Klo gehen oder erst noch eben den Anruf tätigen?

Die meisten Entscheidungen fällt dein Unterbewusstsein

Der Münchner Hirnforscher Ernst Pöppel hat herausgefunden, dass wir im Verlaufe eines Tages rund 20.000 Entscheidungen treffen. 90% unserer täglichen Entscheidungen werden somit unbewusst gefällt. Dies ist uns genauso wenig bewusst, wie die 65.000 Gedanken, die wir uns im Laufe eines Tages machen.

 

Natürlich können wir uns in einigen Fragen bei unserem Lieblingsmenschen oder einer Person unseres Vertrauens einen Rat holen. Soll ich das rote Kleid tragen oder lieber die schwarze Hose, wenn wir auf die Party gehen? Soll ich lieber jenes Gericht essen oder ein anderes?

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Andere Menschen können uns zwar einen Rat geben, aber die Konsequenzen tragen nur wir allein. Deshalb ist guter Rat nur bedingt hilfreich. Tipps können gut gemeint sein, aber bitte mache dir immer bewusst, dass ein anderer Mensch eine andere Geschichte hat und für ihn andere Umstände entscheidend sein können, einen Weg zu gehen oder auch nicht zu gehen. Ob einem Versicherungsmakler, der dir zu einer teuren Versicherung rät, wirklich dein Wohl am Herzen liegt, sei dahingestellt. Und ob ein Yogalehrer sich tatsächlich in deine Körperphysiologie hineinversetzen kann, ist auch nicht ganz klar. Und ob ein Meditationslehrer tatsächlich eine Idee davon hat, wie es in deinem tiefsten Innern aussieht, ist auch nicht sicher. So kann eine Empfehlung, ein Rat, eine Anleitung wirklich gut gemeint sein, aber manchmal kann sie auch vollkommen falsch sein und genau das Gegenteil von dem sein, was du eigentlich brauchen könntest. Mache dir deshalb bewusst, dass du diejenige bist, die – besonders bei großen Entscheidungen – bis an dein Lebensende die Konsequenzen trägt. Deshalb mache nur das, was wirklich zu dir passt. Entscheide dich nur für den Weg, den du aus ganzem Herzen gehen kannst.

 

3 Empfehlungen für das richtige Entscheidungen treffen

1. Gib dir genügend Zeit

Wenn du eine wichtige Entscheidung fällen musst, lass dich nicht unter zeitlichen Druck setzen. Denn Druck ist kein guter Ratgeber. Sollte dir ein Angebot unterbreitet werden, dass auf einen sehr kurzen Zeitrahmen begrenzt ist oder sofort eine Entscheidung verlangt, dann kann es sich dabei nicht um ein solides Angebot handeln. Auch wenn wir selbst das Gefühl haben, dass unser Bauch sofort die richtige Entscheidung kennt, so sind dem Autor Gerhard Roth zufolge Bauchentscheidungen oft affektiv und häufig falsch. Eine intuitive Entscheidung hingegen, das ist eine Mischung aus sachlichem Inhalt und emotionaler Bewertung, ist seiner Ansicht nach hingegen zielführender. Deshalb solltest du ein paar Nächte über eine Sache schlafen. Achte darauf, welche Gedanken dir als Erstes in den Sinn kommen, wenn du dich gedanklich damit auseinandersetzt. Teile deine Gedanken anderen Menschen mit. Wäge das Für und Wider ab. Schreibe das Pro und Kontra auf. Lasse die Entscheidung dann eine Weile ruhen und entscheide dich dann abschließend intuitiv.

2. Lass dich nicht zu etwas zwingen

Eine freiwillige Entscheidung ist wichtig, wenn es um dein Leben, deinen Körper und deine Zukunft geht. Lasse dich nicht moralisch unter Druck setzen. Lass dich auch nicht unter einen Gruppenzwang. Wenn jemand versucht, dich zu einer Entscheidung zu zwingen, solltest du dich fragen, ob dass, wozu man dich zwingen möchte, mit deinen eigenen Werten im Einklang steht? Überprüfe die Entscheidung auf Herz und Nieren. Überprüfe deine Werte. Nicht die deines Partners, deiner Mutter oder des Menschen oder der Institution, die eine Entscheidung von dir haben möchte. Sei dir selbst gegenüber ehrlich. Überprüfe Entscheidungen aus der Vergangenheit, die du gegen deinen eigenen Willen getroffen hast. Wie ist es dir danach moralisch ergangen? Ging es dabei um die Anerkennung im Außen oder stand die Sache an erster Stelle? Hast du Entscheidungen der lieben Harmonie wegen getroffen? Bist du über dich selbst hinweg gegangen, als du eine Entscheidung gefällt hast?

3. Bleib dir sich selbst treu

Am Ende deines Lebens bist du diejenige, die Bilanz ziehen muss über das, was du in deinem Leben getan und unterlassen hast. Entscheide dich deshalb immer wieder für dich selbst. Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Traue dir. Vertraue dir selbst und deinen eigenen Bedürfnissen. Selbst wenn es nur um die Farbe oder den Stil deiner Kleidung geht. Frage dich immer wieder: „Entscheide ich mich heute für mich oder gegen mich?“. Diese Frage kann zu einem Türöffner zur eigenen Seele werden. Wenn wir uns diese Frage immer wieder stellen und mehr und mehr zu uns selbst finden, kommt unser Leben in eine Balance. Dann sind Körper, Geist und Seele im Einklang. Wenn wir uns selbst treu sind, werden wir mehr und mehr darauf vertrauen, dass wir auf unseren Weg im Leben gehen können. Aufrecht und mit Rückgrat. Herz und Hirn im Einklang. Möglicherweise wirst du Freunde verlieren, wenn du zu deiner Entscheidung stehst. Aber es kann auch gut sein, dass du neue Freunde dazu gewinnen wirst. Menschen, die dich schätzen, weil du zu dir stehst. Wo eine Türe zugeht, geht häufig eine Bessere auf. Was für eine wunderbare Aussicht. Was für ein großes Geschenk. Was für ein Gewinn!

 

© Droemer Knaur

 

Zum Weiterlesen:
Monika Schmiderer. Finde Klarheit. 7 Regeln für ein selbstbestimmtes und authentisches Leben. Droemer Knaur.

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