In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Ein Textauszug aus Rabindranath Tagores Werk „Sadhana“ regt dazu an, sich bewusst mit innerer Abgrenzung auseinanderzusetzen – und Schutzwälle um das eigene Herz behutsam aufzulösen. Die altindischen Schriften werden in zwei Textgruppen unterteilt: Shruti (vedische Offenbarungstexte, das „Gehörte“) und Smrti (Leitfäden, Epen und andere Überlieferungen, das „Erinnerte“). Zu den Texten der Shruti zählen u.a. die Veden und die ihnen angeschlossenen Upanishaden. Zur Smrti zählen u.a. die Bhagavadgita (als Teil des Maha­bharata) und das Yogasutra des Patanjali. Sri Chinmoy hat einmal gesagt, dass die Texte der Shruti nur mit dem Herzen gehört werden können. Wie treffend diese Aussage ist, konnte ich selbst einmal an einer Teilnehmerin erfahren, die in einer Yogalehrerausbildung zugegen war, in der ich das Fach Philosophie lehrte. Diese Frau war eine sehr rational und analytisch denkende Persönlichkeit, und die Philosophie interessierte sie im Vergleich zur Anatomie nur gering. Da sie eine begnadete Sprecherin war, bat ich sie, die Unterweisung des Shvetaketu aus den Upanishaden vorzulesen. An der Mitte des Textes angekommen, begann die Frau zu weinen. Sie sagte: „Ich weiß nicht, was mit mir los ist, aber der Text berührt mich zutiefst.“ Während sie las, musste sie mehrfach innehalten, um ihr Berührtsein da sein zu lassen. Ich freute mich natürlich wie ein kleines Kind über diese Reaktion, da ich kurz zuvor noch die verschiedenen Textzuordnungen der Schriften erklärt hatte. Jetzt erfuhr sie selbst am eigenen Leib oder – besser gesagt – im eigenen Herzen, was genau damit gemeint war. Auch mir geht es immer wieder so, dass ich Texte lese, die mich mitten ins Herz treffen. Neben vielen Gedichten von Rumi und zahlreichen Passagen aus den Upanishaden ist ein solcher Text Sadhana: Der Weg zur Vollendung von Rabindranath Tagore. Tagore war ein indischer Dichter, Philosoph, Maler, Musiker und Komponist aus Bengalen. Der Brahmo-Samaj-Anhänger erhielt 1913 als erster Asiat […]

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.