In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Sadhus und ihr Verständnis von Hatha-Yoga und Asanas: Im Zuge des Hatha Yoga Projects an der SOAS University of London betrieb Dr. Daniela Bevilaqua jahrelang Feldforschung in Indien, wo sie unter Sadhus lebte und deren Yogapraxis studierte. In Varanasi traf ich einen Samnyasin, der die letzten 10 Jahren jeden Tag den ganzen Tag über in Padmasana am Lalita Ghat saß. „Er geht immer barfuß, er pilgert auch barfuß, er sitzt den ganzen Tag in der gleichen Position, das ist Hatha-Yoga, Madam“, sagte einer der Laien, die den Yogi begleiteten. Wenn man be­denkt, dass Yoga mit großer Wahrscheinlichkeit einst in einem asketischen Kontext entstanden ist, überrascht es doch, wie wenig Beachtung der Yogapraxis heutiger Asketen in der bisherigen Forschung geschenkt wurde. Yoga hat für den Asketen, der ihn als religiösen Pfad für sich erwählt hat, eine spezifische spirituelle Bedeutung und auch einen Zweck; er wird als persönliche, private Praxis angesehen, die als solche auch im privaten Rahmen praktiziert wird. Da es sich dabei um eine sehr individuelle Erfahrung handelt, kann diese, Sa­dhus zufolge, auch nicht mit Worten beschrieben werden. Für den Asketen ist Yoga eine Vollzeitbeschäftigung, die körperlichen Aspekte sind dabei jedoch nur temporärer Natur. Dieser körperliche Yoga wird üblicherweise als Hatha-Yoga bezeichnet. Mallinson stellt fest: „Das Wort hatha (wörtlich: „Kraft“) bezeichnet ein System von körperlichen Techniken, die den Yoga im weiteren Sinne ergänzen“1. Zu den Techniken, die dem Hatha-Yoga zu eigen sind, gehören: Shatkarma (Reinigung), Asana (Haltung), Pranayama (Atemkontrolle), Mudra (körperliche Techniken, um den Körper zu „versiegeln“) und Bandha (Verschlüsse). Diese wurden langsam in verschiedenen Schriften eingeführt und schließlich im 15. Jahrhundert in der Hatha-Yoga-Pradipika gesammelt. In Interviews, die ich in Indien mit Asketen der wichtigsten mit der Yogapraxis in Verbindung stehenden Sampradayas (religiösen Orden) geführt habe, namentlich mit Naga-Dashanamis, Nath-Yogis, Udasins sowie Vairagis aus dem Ramanandi– und dem Ramanuji-Sampradaya, […]

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Daniela Bevilacqua
Dr. Daniela Bevilacqua ist Südasien-Forscherin und arbeitet derzeit als Postdoktorandin an der SOAS für das Hatha Yoga Project. Während jahrelanger Feldstudien in Indien untersuchte sie die gegenwärtigen Hatha-Yoga-Praktiken bei Sadhus, die „traditionellen“ Sampradayas angehören, und stellt somit den textlichen und historischen Quellen ethnographisches Material gegenüber.

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