Musik geht unter die Haut. Sie kann aber noch viel mehr: Sie tröstet, begleitet und heilt. Wie umfassend Musik eingesetzt wird, erfährst du in diesem Blogartikel.

Musik geht ins Herz

Manchmal trifft es nicht nur mein Trommelfell, sondern geht direkt ins Herz. Dann kann es gut sein, dass sich mir die Haare aufstellen, weil sich das Gitarren-, Bass- oder Schlagzeugsolo einfach zu gut anfühlt. Und wenn es Reggae ist, dann kann ich sowieso nicht anders – egal, wie schlecht meine Laune in dem Moment ist: Ich drehe die Boxen auf und tanze gleich los. Musik! Egal ob Jazz, Reggae, Blues, Kirtans, Yogabeats, Rock. Musik, die aus dem Herzen kommt, berührt mich zutiefst.

Musik: ein Kosmos für sich

M-U-S-I-K: Diese fünf Buchstaben entlocken in mir einen riesigen Kosmos an unterschiedlichsten Gefühlen und Stimmungen. Ausgelöst werden sie durch schnelle Rhythmen, einem langsamem Beat oder brillanten Klangkompositionen. Manchmal sind es aber auch Kirtans oder Chantings, die meine Stimmung heben, mich in andere Sphären katapultieren und direkt in mein Herz gehen.

Besonders gut fühlt es sich an, wenn ich Kirtans live mit anderen Menschen erleben darf. Andere Musik tut mir auch aus der Dose oft so richtig gut. Gerade in schwierigen Zeiten ist Musik mein Anker, mein Rettungsboot. Geht’s dir auch so?!

Musik ist mein Anker

An grauen Tagen, an denen sich die Sonne nicht zeigen will, ist Musik manchmal wie ein heißes Bad, ein wärmender Tee oder eine liebevolle Umarmung. Wenn ich dann mit anderen Menschen zusammen singe, geht mein Herz auf, es wird hell und ich weiß, dass ich diese dunkle Zeit gut durchstehen werde.

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Aber auch dann, wenn ich allein bin und mich der Musik hingebe, kann ein Gefühl des Getragenwerdens und der Verbundenheit durch ein paar Noten und Textzeilen ausgelöst werden. In solchen Momenten lassen mich gute Rhythmen hoffen, dass alles gut wird. Intelligente Texte bauen mich auf und lassen mich ahnen, dass es noch andere Menschen gibt, die ähnlich denken. Brillante Gitarrensolos bringen mich in den gegenwärtigen Augenblick zurück. Begnadete Stimmen lassen mich Herzräume spüren, von denen ich normalerweise nichts weiß.

Von Herzen gemachte Musik geht direkt ins Herz

Menschen, die aus ihrem tiefsten Herzen singen, berühren meins. Reggae rettete sogar einmal mein Leben. Das war in einer Zeit, in der ich jung war und ich mich völlig unverstanden fühlte. Bob Marley sang: Everything is gonna be alright. Ich sang mit. Ich glaubte ihm. Dieser Rhythmus. Dieser Beat. Er half mir durch dunkle Tage und tut es auch heute noch. Besonders in solchen Momenten, in denen ich Eskapismus betreiben muss, weil ich sonst nicht mehr aushalte, was da im C-Kosmos passiert. In solchen Momenten, in denen ich nicht mehr weiß, was ich glauben soll, hilft mir Musik zu mir zu kommen, bei mir zu bleiben.

Musik tut einfach gut

Musik schenkt mir Kraft. Sie inspiriert mich. Sie tröstet mich. Und immer wieder bringt mich Musik in den Flow. Genau das braucht es in diesem Herbst. In einer Zeit, in der keiner weiß, was uns erwarten wird. Don’t worry… about a thing… ‘cause everything is gonna be alright singt Bob Marley und ich singe mit. Mal laut, mal leise. Mal singt er in meinem Kopf weiter, auch dann, wenn es draußen still geworden ist. Diese Zeilen habe ich schon Tausende Male mitgesungen. Ich beame mich gedanklich nach Jamaika – und fühle mich plötzlich wieder so richtig frei.

Musik an: raus aus dem Kopf, rein in den Körper

Solltest du Bob Marley nicht mögen oder zu Reggae keinen Draht haben, so gibt es bestimmt andere Musikstile oder Bands, die dich raus aus dem Kopf, rein in den Körper locken können. Auch du hast bestimmt Lieblingslieder, die dich sofort jünger, lebendiger und glücklicher fühlen lassen. Songs, die du nach einem Takt wiedererkennst und von denen du auch nach 20 Jahren den Text noch nicht vergessen hast. Wie gut, dass uns keiner die Musik wegnimmt. Findest du nicht auch?

 

Musik: ganzheitliche Entspannung

Musik baut auf, sie entspannt, heilt, verbindet und stärkt. Egal ob Punk, Folk, Beat, Reggae, Ragas, Jazz, Hiphop, Rap, Hardrock, Swing oder Ethnosound. Sie spricht zu unserem Körper und berührt unser Herz. Sie kann Schmerzen lindern und Wunden heilen. Kein Wunder, dass sie nicht nur zur Unterhaltung dient, sondern auch bei verschiedensten Therapien eingesetzt wird. Wie heilsam sie ist, wusste man in Indien bereits vor Hunderten von Jahren. Entsprechend setzte man sie in vielen Bereichen ein.

Bei YOGA AKTUELL haben wir bereits häufig über die heilende Wirkung von Musik berichtet:

Musik heilt

Hierzulande hat man ebenfalls die heilsame Wirkung der Musik erkannt. Bereits Frühgeburten können mit Musik unterstützt werden. Darüber hinaus findet sie Einsatz in der Neurologie, Geriatrie und Psychiatrie. Und neuerdings auch in Schulen. Dort wird jungen Schüler auf diese Weise beigebracht, wieder mehr im Augenblick zu sein und sich auf nur eine Sache zu konzentrieren: Die Gitarre, das Schlagzeug, die Stimme. Achtsamkeitsschulung vom Feinsten! 

Musik kann Frühgeborene unterstützen

Große Erfolge erzielte Professor Harald Schachinger, der bis 2004 Chef der Frühgeborenen-Station am Berliner Waldkrankenhaus war, bei der Entwicklung seiner kleinen Patienten: Er spielte ihnen über Kopfhörer ausgewählte Musikstücke vor. Und wenn es seine Zeit zuließ, legte er selbst Hand an und spielte den kleinen Babys auf seinem Cello etwas vor. Er konnte nachweisen, dass der Herzschlag der Frühgeborenen durch Musik stabiler und gleichmäßiger wurde und die sanften Klänge ihren Start ins Leben maßgeblich unterstützte. Darüber hinaus konnte eine unabhängige Untersuchung aufzeigen, dass die Sterblichkeit der Patienten im Waldkrankenhaus geringer ist als in anderen Krankenhäusern. Das hängt damit zusammen, dass die Musik, wenn sie das richtige Tempo hat, einen sogenannten Kopplungseffekt auslöst. Der Herzschlag passt sich dem vorgegebenen Rhythmus an.

Hilfe bei Schmerzen: Musik reduziert das Schmerzempfinden

Gute Musik kann auch zu einer geringen Ausschüttung von Stresshormonen führen und die Ausschüttung von schmerzkontrollierenden Beta-Endorphinen führen. Aus diesem Grund empfindet man beim Hören von Musik tatsächlich weniger Schmerz. Vorausgesetzt, sie trifft den eigenen Musikgeschmack, denn sonst geht sie einem wohl eher auf die Nerven.

Zahlreiche Zahnärzte nutzen die positive Wirkung der Musik mittlerweile für ihre Behandlungen und lassen Musik den ganzen Tag in ihrer Praxis im Hintergrund laufen. Auch ganzheitlich ausgerichtete Ärzte bedienen sich der Musik als Unterstützung und lassen sie bei Operationen mit Teilnarkose laufen, weil sie unangenehme Geräusche von außen abschirmt. Musik ist somit Beruhigung, Fürsorge und Betreuung in einem. Manche Patienten fühlen sich besser aufgehoben, wenn sie sanfte Klänge im Hintergrund hören, für andere wird sie zu einer Art Schutzschild, dass sie von ihren Schmerzen abschirmt.

Erwiesenermaßen hilft Musik auch bei Tinnitus-Patienten. Ausgewählte Musik überlagerte nicht nur störende Ohrgeräusche, sondern sorgte auch dafür, dass sich die vom Tinnitus geplagten Menschen endlich wieder richtig entspannen konnten.

Musik heilt: musikalischer Einsatz in der Neurologie

Menschen, die einen Schlaganfall erfahren haben, profitieren ebenfalls von Musik. Mit einer Gruppe von Nichtmusikern wurde ein Training mit Musikübungen durchgeführt, bei dem sie auf einer Tastatur und einem elektronischen Schlagzeug spielten. Sie machten schnellere Fortschritte als andere Patienten ohne Musikübungen.

Auch Alzheimer-Patienten werden erfolgreich mit Musik behandelt: An der Züricher Universität zeigten Gehirne von Musikern im Kernspint, dass sie an einigen Stellen mehr Gehirnmasse aufwiesen als Menschen, die keine Musik machen. Man ist deshalb davon überzeugt, dass der Abbau des Gehirns durch Musizieren reduziert werden kann. So zeigten erste Versuche große Erfolge. Musik auf Rädern ist hier ein erfolgreiches Programm, welches sowohl bei Betroffenen als auch bei Pflegern und Angehörigen gut ankommt. Musiktherapeuten kommen zu den Patienten nach Hause, ins Heim oder ins Krankenhaus und singen dort Lieder.

Musik in der Achtsamkeitspraxis

Seit einigen Jahren bringt man Jugendlichen die Achtsamkeit über das Musikhören näher. „Mind the music“ lautet das Programm, dass Soryu Forall und Shinzen Young, zwei buddhistischen Mönchen entwickelt haben. Sie haben angefangen, mit Jugendlichen Achtsamkeit zu praktizieren, indem sie sich auf nur ein Instrument konzentrieren sollten. Und zwar das ganze Lied lang, ohne zwischendurch etwas anderes zu tun. Das ist eine wunderbare Übung, die ich auch gerne mit Erwachsenen machen.

Willst du es auch gleich einmal ausprobieren?

Nimm dir dein Lieblingslied und achte auf nur ein einziges Instrument. Und danach das nächste. Vielleicht hörst du das Lied neu oder zumindest das eine oder andere Instrument bekommt zum ersten Mal deine Aufmerksamkeit.

Genieße es, wenn dich Musik berührt. Höre lieber sie als negative, Angst machende Nachrichten. Und wenn dich die Hoffnung an eine bessere Zukunft mal wieder kalt erwischt, dann denke an Bob Marley und sein Mantra: Don’t worry about a thing! Everything is gonna be alright!

Zum Weiterlesen:

Prof. Stefan Kölsch: Good Vibrations. Die heilende Kraft der Musik, Ullstein. 2020 

Oruç Güvenç und Andrea Azize Güvenç: Heilende Musik aus dem Orient. Vom traditionellen Wissen der Schamanen und Sufis zur praktischen Anwendung altorientischer Musiktherapie. Buch mit 60-minütiger CD, Irisiana Verlag, 2014

Michael Reimann. Heilmusik für Transformation, Wunder und Zeichen. Frequenzbasierte Melodien auf Basis der Solfeggio-Frequenz 528 Hz. Audio CD – Hörbuch, Schirner Verlag 2019

 

Mehr zum Thema Klang & Hören findest du hier:

 

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