In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Patrick Broome, einer der bekanntesten deutschen Yogalehrer, kämpfte vor wenigen Jahren mit einer Krebserkrankung. YOGA AKTUELL fragte ihn nach seinem persönlichen Heilungsweg und nach der Rolle, die Yoga dabei gespielt hat

Manche Leute beginnen mit der Yogapraxis, weil sie gesundheitliche Probleme haben oder weil sie sich stärker mit dem Teil in sich selbst verbinden möchten, der im stressigen Alltag oft viel zu kurz kommt und dann vielleicht irgendwann auf der körperlichen Ebene Krankheiten manifestiert. Was aber wenn wir bereits viele Jahre Yoga praktizieren und trotzdem krank werden, sogar ernsthaft krank? Dann kommen wir an unsere eigenen Grenzen, und die tiefe Wahrheit der yogischen Schriften kann sich auf ganz neue Weise entfalten. So erging es dem Yogalehrer Patrick Broome, der in diesem Interview offen über seine Krebserkrankung spricht und Grenzen und Möglichkeiten von Yoga aufzeigt.

YOGA AKTUELL: Welche Vorstellung hattest du, als du mit Yoga angefangen hast? Bist du davon ausgegangen, dass Yoga ein Allheilmittel ist?
Patrick Broome: Mir war von Anfang an klar, dass Yoga einen Körper gesunderhalten, aber nicht den Körper, sondern den Verstand heilen kann. Laut Hatha-Yoga-Pradipika können wir uns mittels Kriyas und Asanas von „körperlicher Schlaffheit und Trägheit“ befreien und die inneren Säfte (Temperamente) ins Gleichgewicht bringen, für gröbere körperliche Beschwerden ist jedoch Yogas Schwester Ayurveda zuständig. Pattabhi Jois schreibt in der Yoga-Mala „hrdoghyam mama surya hariman cha narshaya“ („Entferne, oh Sonne, die Blässe meines Herzens und Geistes.“). Yoga war also für mich immer ein Heilmittel des Herzens und des Verstandes.

Du bist vor eiPatrickBroomenigen Jahren an Krebs erkrankt. Hast du gedacht: „Wieso ich? Ich mache doch Yoga!“? Was ging dir damals durch den Kopf?
Natürlich ist mir diese Frage durch den Kopf gegangen, und natürlich war ich erst einmal in Panik und Verzweiflung und habe große Angst gehabt. Doch dann konnte ich auf 15 Jahre Yogapraxis zurückgreifen und mich langsam wieder in einen Zustand innerer Gelassenheit zurückversetzen, konnte beobachten, wie mein Verstand durchdrehte, und mich auf die Essenz der Yogalehre zurückbesinnen, dass ich eben letztendlich weder der kranke Körper noch der erschreckte und verängstigte Verstand bin. Und warum ich krank geworden bin, ist letztendlich so undurchschaubar wie alle anderen Wirkungen vergangener Handlungen (Prarabdha-Karma), die jetzt in diesem Leben zum Tragen kommen.

Wie sah die Behandlung deiner Krankheit aus? Wo und wann hast du konventionelle Hilfe in Anspruch genommen und warum?
Mir wurde sehr schnell klar, dass der Krebs in meiner Lymphe nicht allein durch die Techniken des Yoga zu heilen war. Erst habe ich es mit Heilpraktikern und Geistheilern versucht. Die haben mir sehr geholfen, die Ursachen und Wirkungszusammenhänge der Krankheit zu verstehen. Letztendlich wurde mir jedoch auch von deren Seite konventionelle Hilfe in Form einer Chemotherapie empfohlen. Die bekam ich dann auch in München ambulant im „Klinikum rechts der Isar“.  Heute weiß ich, dass ich die Techniken der Neuen Medizin mehr hätte ausreizen können, und wahrscheinlich würde ich mich auch der Wirkweise südamerikanischer Heilpflanzen bedienen, aber damals war die Chemotherapie mein Weg.

Was würdest du dir von den südamerikanischen Heilpflanzen versprechen?
Ich bin da alles andere als ein Spezialist, aber wie ich gehört (und auch in meinem privaten Freundkreis erleben durfte), werden im Rahmen pflanzenbasierter, schamanischer Heilarbeit fast unglaubliche Heilerfolge im Kampf etwa gegen Krebs erzielt. Ich persönlich würde es auf alle Fälle ausprobieren. Für mich gilt immer der Leitsatz: Wer heilt, hat Recht! Vollkommen unabhängig von sogenannten wissenschaftlich abgesicherten Studien.

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Wann sollte man deiner Ansicht nach auf schulmedizinische Maßnahmen zurückgreifen? Erst, nachdem man alle möglichen alternativen Heilmethoden probiert hat, oder flankierend?
Diese Entscheidung muss jeder selbst treffen. Das ist ein ganz persönlicher und von so vielen individuellen Faktoren abhängiger Prozess. Für mich selbst war die Grenze überschritten, als meine Lebensfreude und die Lebensqualität der Menschen um mich rum gravierend eingeschränkt wurden.
Ich habe Menschen gesehen, die ohne Chemotherapie gestorben sind, und ich habe gesehen, wie Menschen an den Nebenwirkungen der Chemotherapie gestorben sind. Da kann und möchte ich keine Empfehlung geben. Ich weiß nur, dass mich Yoga stark genug gemacht hat, durch den Heilungsprozess durchzugehen, der übrigens noch lange nicht abgeschlossen ist. Ich musste meinen Körper schnell durch Chemotherapie darin unterstützen, sich zu heilen. Jetzt helfen und halfen alle anderen Methoden (Yoga, Homöopathie und Psychotherapie), mein Herz und meinen Verstand zu heilen und darüber wieder unterstützend auf die körpereigenen Selbstheilungsmechanismen einzuwirken.

Wie haben andere auf deine Krankheit reagiert? Gibt es viele, die auf dich zukommen und sagen: Wieso bist denn ausgerechnet du krank geworden, obwohl du doch Yoga machst? Wenn ja, was sagst du diesen Menschen?
Ehrlich gesagt hat mir noch niemand so eine Frage gestellt. Meist werde ich von Menschen angesprochen, die selbst erkrankt sind oder waren und Yoga praktizieren, und die haben dann wichtigere Fragen, etwa nach Ernährung, Meditation, stärkenden Praktiken etc.

Welche „allgemeingültigen“ Empfehlungen in diesen drei Punkten kannst du auch den Lesern geben, die ebenfalls betroffen sind?
Auch hier kann ich nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen. Was Ernährung angeht, empfehle ich gern das Buch: „Krebszellen mögen keine Himbeeren“. Außerdem empfehle ich grundsätzlich, auf eine pflanzenbasierte, biologische, frische und selbstzubereitete Ernährung ohne Milchprodukte umzusteigen. Mich hat Meditation ungemein gestärkt, vor, während und nach der Behandlung. Meine Empfehlung hierzu beschränkt sich darauf, unbedingt damit zu beginnen. Welche Technik praktiziert wird, soll jeder für sich ausprobieren, und dann mit drei Minuten täglich beginnen und die Sitzungen schrittweise und langsam auf vielleicht 20 oder 30 Minuten ausdehnen. Zur Praxis möchte ich nur so viel sagen, dass der schwache Körper z.B. in der Zeit nach der Chemotherapie unbedingt eine nährende, sanfte Praxis braucht. Eine Praxis, die Energie gibt und nicht Energie kostet.

 

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.