In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Die Chakras sind schwer in Worte und Beschreibungen zu fassen, auch wenn es immer wieder versucht wird. Eine Vorstellung von ihrer faszinierenden Komplexität vermittelt dieser Artikel

Die Kundalini ist eine subtile, elektrische Geist- und Prana-Energie, die im höheren Bewusstsein der Individualseele (Jivatman) verwurzelt ist. Die sieben Chakras stellen die Energieübertragungszentren dar, welche diese energetische Kraft auf unterschiedlichen Ebenen von Körper und Geist über verschiedene Kanäle verteilen. Natürlich ist die Kundalini eine wesentlich feinere Form von Energie als das, was wir für gewöhnlich als Elektrizität in der Welt der Materie oder als Lebenskraft in unserem physischen Körper wahrnehmen. Die Kundalini ist letztlich eine elektrische Kraft des Bewusstseins, keine unbelebte oder unbewusste Kraft. Wir können die Kundalini und die Chakras durch die Analogie zu den Elektrizitätskräften und ihren Funktionsweisen besser verstehen, nicht so sehr durch den Vergleich mit Phänomenen auf materieller Grundlage. Ein kleiner Teil der Kundalini-Energie arbeitet hinter dem Prana in unserem Körper und unserem Geist. Er betreibt die Pumpe des Atemapparats, der auch den Blutkreislauf und das Nervensystem in Bewegung hält und dem Verdauungsprozess Impulse gibt. Yogapraktiken zielen darauf ab, die größere, versteckte Kraft der Kundalini hinter dem Prana zu erwecken, die uns Zugang zu höheren Bewusstseinzuständen verschafft. Die Kundalini stellt die immense Kraft bereit, die benötigt wird, um unser Bewusstsein von der gewöhnlichen Welt der Sinneswahrnehmungen auf kosmische Dimensionen auszudehnen, indem sie das Individuum zum Universellen erhebt.
Wie auch Elektrizität hat die Kundalini keine feste Form und ist nicht an einem ganz bestimmten Ort lokalisierbar. Dennoch kann sie – wie die Elektrizität, die in unseren Häusern durch verschiedene Geräte wie z.B. den Kühlschrank oder den Computer läuft – in all den diversen Systemen und Organen von Körper und Geist und in deren Funktionen operieren. Wenn sie auf yogische Weise erweckt wird, kann die Kundalini die subtilen Bereiche und Energiezentren der Chakras entfalten, bei denen es sich um spiralförmige Wirbel ihrer höheren Energie handelt, die sich ins größere Universum des Bewusstseins erstrecken.

Chakras als Energiezentren

Die Chakras sind heutzutage im Yoga und in den alternativen Heilkünsten ein beliebtes Thema. Sie werden unterschiedlich und oft mit einer gewissen Bestimmtheit beschrieben, sind jedoch Gegenstand zahlreicher Fehlinterpretationen und Verzerrungen, und es wird viel Halbwissen über sie verbreitet. Es besteht eine allgemeine Tendenz, die Beschreibung der Chakras wörtlich zu nehmen, wobei die Chakras dann oft wie physische Organe betrachtet werden, die eine definierte Form, einen festen Ort, eine bestimmte Größe und eine bestimmte Farbe haben, so als ob sie als fixe Phänomene in der physischen oder materiellen Welt existierten. Über die korrekte Form, Größe, Farbe oder Anordnung der Chakras werden viele Debatten geführt, als ob nur eine einzige Möglichkeit zutreffen könnte, so wie die Körperorgane bei jedem Menschen am selben Platz angesiedelt sind.

Der erste Punkt, den man verstehen muss, ist, dass es sich bei den Chakras um subtile Energiezentren handelt. Sie sind Manifestationen der Prana- und der Geist-Energie und der Kundalini hinter diesen. Die Chakras sind Teil des feinstofflichen Körpers oder Energiekörpers, der wie ein Kraftfeld oder Lichtmuster hinter dem physischen Körper und auch in diesem und um ihn herum existiert. Energien steigen zunächst durch die Chakras empor, bevor sie im stofflichen Körper Form annehmen.

Die Chakras sind auch mit dem Traumbereich oder dem astralen Bereich des Bewusstseins verbunden und stehen in Bezug zum Subtilkörper oder Traumkörper, der jenseits der Grenzen der physischen Welt und ihrer Formdichte existiert. Wir können den Traumkörper nicht lokalisieren oder ihn in den Grenzen von Raum und Zeit erfassen, und genausowenig können die Chakras einfach in Strukturen der physischen Realität übersetzt werden. Die Chakras existieren in einer Art höherem Bewusstsein, einer Astral- oder Traumsphäre, in der ihre Ausdrucksformen variabel sein und sich schnell verändern können, mal amorph und mal in bestimmten Mustern angeordnet.
Man könnte sagen: Die Chakras sind nicht so sehr im physischen Körper verort, vielmehr ist der physische Körper in den Chakras angesiedelt! Der physische Körper spiegelt einen kleinen Teil der Chakra-Energie wider, die sich in die stoffliche Welt hineinkristallisiert. Die Chakras energetisieren den Körper von innen, sind jedoch nicht auf die Formen und Funktionen des Körpers beschränkt, so wie elektrischer Strom nicht auf die Geräte begrenzt ist, durch die er fließt.

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Als Energiezentren können die Chakras auf verschiedene Arten und anhand unterschiedlicher Aspekte erfahren und beschrieben werden. Diese Beschreibungen hängen von der individuellen Natur einer Person ab (von den Doshas, den Gunas und vom Karma), von ihrem Level in der spirituellen Entwicklung und auch von den Yoga- und Meditationspraktiken, die sie ausübt. Unsere an der stofflichen Welt orientierte Sprache ist nicht immer dafür geeignet, die subtile Wirklichkeit der Chakras zum Ausdruck zu bringen, so, wie unsere Sprache auch an ihre Grenzen stößt, wenn es darum geht, die subtilen Begebenheiten der Quantenphysik zu erfassen, die über unsere gewöhnliche materielle Welt und ihre sinnlich erfahrbaren Erscheinungen hinausgehen.
Viele der bekannten Chakra-Darstellungen sollte man vielleicht besser als Anreize zur Arbeit mit den Chakras oder zur Kanalisierung ihrer Energie auffassen denn als objektive Beschreibungen. Wir können uns den Chakras aus verschiedenen Blickwinkeln nähern, je nachdem, was wir beabsichtigen, und können uns auch auf unterschiedliche Faktoren fokussieren, über die sie herrschen.

 

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