Die kraftvolle Erotik der Weisen Frau: die Menopause als Übergang in eine neue erfüllte Lebensphase

Nur wenige Phasen bergen ein so großartiges Potenzial in sich, um eine Frau mit ihrer innersten Kraft, weiblichen Intuition und sexuellen Kreativität in Kontakt zu bringen, wie die Zeit um die Menopause herum. Während Frauen bis zu den Wechseljahren meistens primär damit beschäftigt sind, ihre Rollen als Mutter, Ehefrau oder Partnerin möglichst gut zu erfüllen, kehrt sich ihre Aufmerksamkeit während dieser Zeit dann meist ganz automatisch nach innen. Diese Verlagerung der Aufmerksamkeit von außen nach innen ist notwendig, damit eine Frau in Ruhe und mit Bewusstheit all die körperlichen, psychischen und spirituellen Veränderung durchleben kann, um als sogenannte Weise Frau einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.

Das Klimakterium als schöpferischer Prozess
Um diese Zeit als den schöpferischen Prozess zu erleben, den die Wechseljahre ursprünglich in sich trugen, muss eine Frau in der Lage sein, sich über all die negativen Vorstellungen, die unsere Gesellschaft normalerweise mit der Menopause verbindet, hinwegzusehen. Meist wird mit der Menopause primär ein massiver Verlust an sexueller Attraktivität, aber auch Nutzlosigkeit in Verbindung gebracht. Statt würdevoll von der Weisen Frau zu sprechen, verwendet man lieber Begriffe wie „altes Eisen“, die nichts anderes aussagen, als dass eine Frau zu einer bedeutungslosen, unproduktiven und unattraktiven Alten mutiert ist. Zum Glück aber befinden wir uns heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, an einem sehr spannenden Wendepunkt. Wir Frauen realisieren, dass wir uns nicht mehr mit alten Vorstellungen und verstaubten Klischees in Bezug auf die Menopause zufrieden geben müssen. Wir haben vielmehr die Möglichkeit, unsere Zukunft selbst und kreativ zu gestalten. Mit einem solch neuen Bewusstsein stellt dieser Zeitraum eine außerordentliche Chance eines gewaltigen inneren Wachstums dar, der uns auf überraschende Weise mit unserer inneren weiblichen Kraft in Kontakt bringt. Leider stehen uns hier aber noch nicht sehr viele weibliche Vorbilder zur Verfügung. Zwar gibt es immer mehr Frauen, die von innen heraus spüren, welch unendlich tiefes Potenzial ihnen innewohnt, aber zu sehr verinnerlicht sind immer noch die Klischees, die uns in Bezug auf die Menopause begleiten. Somit müssen Frauen, die mit den Barrieren, widersprüchlichen Ratschlägen und negativ behafteten Meinungen über die Wechseljahre konfrontiert werden, sehr achtsam mit sich selbst und ihrer eigenen Wahrnehmung umgehen, damit sie diese Zeit mit Anmut durchleben können. Zu lernen, sich von den gesellschaftlich vorgegebenen Maßstäben zu befreien, die diktieren, wie sich eine Frau in den verschiedenen Lebensabschnitten zu verhalten und zu fühlen hat, kann für eine Frau in der Menopause sowohl eine fundamentale spirituelle als auch eine sexuelle Herausforderung darstellen.

Sich selbst besser kennenlernen
Diese Herausforderung ergibt sich abgesehen von gesellschaftlichen Vorgaben aber auch dadurch, dass viele Frauen in der ersten Lebenshälfte sehr auf ihre Partnerschaft bezogen leben. Natürlich gibt es auch immer wieder andere Themen, mit denen wir konfrontiert werden. Aber einen Partner zu finden, mit dem wir unser Leben teilen, eine Familie zu gründen und diese nach Möglichkeit auch über einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten, nimmt die meisten doch so sehr in Anspruch, dass sie häufig noch gar nicht die Notwendigkeit empfinden, sich intensiv mit sich selbst auseinanderzusetzen. Es kann natürlich sein, dass eine Frau trotz ihrer Außenorientierung ihren eigenen Körper bereits kennengelernt hat und darüber hinaus auch schon mit ihren eigenen sexuellen Schattenseiten in Kontakt gekommen ist. Aber viele Frauen investieren während dieser Zeit ihre Energie primär darauf, ihre eigenen sexuellen Wünsche denen des Partners anzupassen, um eine möglichst harmonische Beziehung zu haben. Dass ihre Sexualität dann jedoch in erster Linie ein Ausdruck ihrer Beziehung und oftmals weit entfernt von den eigenen innersten sexuellen Bedürfnissen ist, machen sie sich dabei kaum bewusst.

Der Beginn einer neuen Zeit
Die Menopause markiert den Beginn der zweiten Lebenshälfte einer Frau. Bei der heutigen Gesundheitsvorsorge und Lebenserwartung kann eine Frau im Durchschnitt noch gute 35 Jahre nach ihrer Menopause weiterleben. Wie körperlich vital und geistig fit Frauen dann bis ins hohe Alter sein können, zeigt sich in den letzten zehn bis zwanzig Jahren immer häufiger. 80-90jährige Frauen sind unlängst keine Seltenheit mehr. Nutzt eine Frau also die Menopause, um zu sich selbst zu finden, wobei sie die Kraft ihrer eigenen individuellen Sexualität entdeckt, sich an häufigen Orgasmen erfreut und sich gut dabei fühlt, kann die Menopause zu einem außerordentlich friedlichen Übergang in eine neue Lebenszeit werden. Zu selten aber verwenden Frauen diese Zeit, um ihr Leben in einem positiven Sinn Revue passieren zu lassen und sich einmal ganz genau bewusst zu machen, was sie alles in der ersten Lebenshälfte geleistet haben. Und das ist bei den meisten Frauen eine sehr große Leistung, die oftmals gar nicht die Wertschätzung erfährt, die ihr zusteht. Diese Zeitmarke birgt aber auch die tiefe spirituelle Möglichkeit in sich, mit der Kraft der inneren Göttin auf eine ganz fundamental neue Weise in Kontakt zu kommen. Einige mutige, selbstbestimmte Frauen erkennen die Menopause bereits als ein einzigartiges spirituelles Geschenk an. Ja, sie genießen es gerade, die innere Weisheit zu umarmen, die sie manchmal vielleicht mühsam über schmerzvolle Erfahrungen im Laufe ihres bisherigen Lebens erlernt, erworben und angereichert haben. Diese Frauen fühlen sich dann sogar an diesem Punkt ihres Lebens auf wundervolle Weise reif und sehr reich beschenkt.

Andere Frauen wiederum müssen sich durch diese Zeit hindurchkämpfen, weil sie kein Netzwerk von verständnisvollen Freunden und einer liebevollen Familie haben. Ist dies der Fall, kann die Menopause als eine Zeit der Hoffnungslosigkeit, des Verlustes und der Sorge erlebt werden. Diese Frauen schauen dann mehr oder weniger gerne der Notwendigkeit ins Auge, dass sie eine neue persönliche und sexuelle Identität finden müssen, in einer Gesellschaft, die die Schönheit und Weisheit ihrer älteren Bürgerinnen nicht gerade wertschätzt. Achtet eine Frau deshalb nicht besonders gut auf sich, kann sie sogar in die Falle des Nicht-mehr-begehrt-und-nicht-mehr-gebraucht-Werdens stolpern. Eine Erfahrung, die manch eine Frau am tieferen Sinn ihres bisherigen Lebens zweifeln lässt und sie nicht gerade mit Zuversicht auf ihre Zukunft blicken lässt. Unglücklicherweise aber gibt es keinen fliegenden Teppich, der sie sanft über diese Zeit hinweg trägt.

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