Wenn man von Hormon-Yoga spricht, denkt man als Erstes an Frauen. Sie sagen jedoch, dass Hormon-Yoga auch für Männer relevant ist…

Bei Männern ab ca. 50 nimmt der Testosteronspiegel allmählich ab. Es geschieht allerdings sehr langsam, bei Weitem nicht so sprunghaft wie bei Frauen. Zunächst bemerken sie also nichts, aber ab einem gewissen Punkt stellen viele fest, dass ihr Sexualleben nicht mehr das ist, was es einmal war. Das löst bei den meisten immensen Stress aus. Manch einer greift dann zu Viagra – was blödsinnig ist, denn es kann sehr schädlich für das Herz sein. Manche lassen sich auch vom Arzt Hormone verschreiben, aber langfristig nützt das in der Regel nicht viel. Sie sollten einfach Hormon-Yoga praktizieren, denn auch Männer können damit gute Resultate erzielen.

Wie reagieren Männer auf die Idee, Hormon-Yoga zu betreiben?

Für Männer habe ich den Namen etwas abgeändert in „Hormon-Yoga für Stress und Hormonbalance“. Männer geben lieber zu, dass sie Stress haben, als ein hormonelles Problem einzugestehen. Viele Frauen reden offen und viel über ihre Wechseljahrsbeschwerden, aber Männer sind da anders. Dabei treten bei ihnen ähnliche Symptome auf, sogar Hitzewallungen.

Wann sollten Männer mit der Praxis anfangen?

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Es genügt schon, wenn sie mit 50 oder 55 beginnen, denn der Prozess verläuft ja bei ihnen nicht so schnell.

Aber die männlichen Praktizierenden müssen nicht damit rechnen, dass ihr Östrogenspiegel steigt und ihnen Brüste wachsen?

(lacht)
Nein, nein, die Brüste bekommen sie höchstens durch das mit Hormonen belastete Essen, das sie zu sich nehmen.

Aber im Ernst – wie erklärt es sich, dass die Praxis dieselbe ist?

Die Hormon-Yoga-Praxis regt immer die Hypophyse an, die jeweiligen Hormone auszustoßen. Die Drüsen werden in ihrer Funktion unterstützt und sie wissen ja, was sie zu tun haben.

Unser Fokus liegt auf den Wechseljahren, dennoch möchten wir auch einen weiteren Bereich ansprechen, in dem Sie mit Hormon-Yoga gute Erfahrungen gemacht haben: Offenbar ist Hormon-Yoga auch zur Linderung von Diabetes geeignet?

Ja, auch hier greift wieder dasselbe Prinzip wie bei Hormon-Yoga für die Wechseljahre von Frauen und Männern. Insulin ist ja schließlich auch ein Hormon und auch hier wirken die Techniken regulierend.  

Haben Sie dazu auch Feldforschung betrieben, so wie Sie mit den in den Wechseljahren befindlichen Teilnehmerinnen Ihrer Kurse eine Studie durchgeführt haben?

Ich hatte dazu noch keine Gelegenheit, denn für eine Studie braucht man größere Teilnehmerzahlen und bislang habe ich nur Erfahrungen mit einzelnen Diabetikern. Ich hoffe aber, dass jemand dazu noch Studien durchführen wird.

Dasselbe gilt vermutlich für die Forschung zu Hormon-Yoga bei Männern?

Ja, so ist es.

Sie vermitteln Hormon-Yoga weltweit in Kursen, haben aber auch ein Buch dazu herausgebracht, das auf dem deutschen Markt sehr erfolgreich ist. Kann man die Praxis allein anhand des Buches aufnehmen?

Das Beste ist, zu einem Kurs zu kommen. Bei meinen Kursen versuche ich, auf jeden Einzelnen einzugehen. Es liegt mir sehr am Herzen, dass die Schüler richtig gut lernen, damit sie Resultate erzielen. Ich bin da auch streng manchmal, aber Korrekturen und Wiederholungen sind wichtig. Wenn ich in Europa bin, versuche ich so viel zu unterrichten, wie es geht. Wer aber nicht die Möglichkeit hat, zu einem Kurs zu kommen, der kann mit dem Buch üben. Zusätzlich kann man die DVD hinzuziehen. Ich bringe nun auch noch eine englischsprachige DVD mit Anleitungen heraus; das Buch kommt jetzt ebenfalls auf Englisch heraus, nachdem es bislang auf Portugiesisch, Spanisch, Deutsch, Französisch und Polnisch, aber nicht in englischer Sprache erschienen war.

Viele Übungen aus der Serie scheinen wirksam für die Nieren zu sein. Hat das abgesehen davon, dass die Nebennieren Hormone produzieren, noch einen anderen Hintergrund?

Es ist gut, mit den Nieren zu arbeiten, um Wassereinlagerungen auszuleiten, die ja ein häufiges Wechseljahrssymptom sind.

Sie arbeiten auch mit Yoga Nidra?

Ja, Yoga Nidra ist sehr wirksam – nicht nur das Entspannungsmoment ist wertvoll, sondern auch die Visualisierung. Man erzielt dadurch psychosomatische Effekte. Deshalb setze ich Yoga Nidra anstelle von Shavasana an das Ende einer Stunde. Man kann etwa visualisieren, wie man die Nadis reinigt. Die Nadis sind bekanntlich ein Netz, in dem die Lebensenergie, der Prana, fließt. Wenn sie verschmutzt werden, kann das z.B. Tendinitis und Gliederschmerzen verursachen. Aber durch entsprechendes Visualisieren in Yoga Nidra kann man die Ablagerungen eliminieren. Nach Yoga Nidra fühlt man sich vitalisiert und stark.

Was halten Sie von Hormonersatz-Therapien?

Es gibt zahlreiche Hinweise, dass die Hormontherapie Brustkrebs und Thrombosen begünstigen kann. Hormonersatz-Therapien sind also gefährlich, weil sie negative Konsequenzen haben können. Zugleich haben sie nur bedingt Vorteile, denn das verabreichte Östrogen hat nicht alle positiven Wirkungen des natürlichen Östrogens. Zum Beispiel schützt es im Gegensatz zu natürlichem Östrogen nicht das Herz.

Was wäre Ihnen zum Thema Wechseljahre sonst noch wichtig zu sagen?

Viele Frauen sind traurig, wenn sie in die Wechseljahre kommen, und denken: „Oh, jetzt werde ich alt!“ Und tatsächlich – wenn das Östrogen sinkt, verschlechtert sich oft das Hautbild, die weiblichen Formen gehen verloren, die Haare fallen aus usw. Das führt dann auch oft zu einem seelischen Problem. Wenn es aber gelingt, den Östrogenspiegel auf einem guten Niveau zu halten, dann kann man noch lange jung bleiben. Es ist wirklich eine Frage des Hormonspiegels.

Man kann aber auch der Ansicht sein, dass der abfallende Hormonspiegel und der Alterungsprozess natürlich sind und so akzeptiert,  anstatt als etwas Schlechtes betrachtet und bekämpft werden sollten.

Klar, manche sagen: „Das ist doch alles normal und natürlich“, und plädieren dafür, dass man die Symptome einfach durchsteht. Aber warum? Es ist nicht notwendig. Sie können den Hormonspiegel steigern und müssen weniger leiden. Es gibt auch gesundheitliche Gründe; Östrogen hat ja schließlich wichtige Funktionen. Es hilft dabei, dass Calcium gebunden werden kann. Wenn Calcium nicht mehr ausreichend gebunden wird und die Knochen es somit nicht mehr nutzen können, dann wird der Osteoporose der Weg geebnet. Und das natürliche Östrogen schützt wie schon gesagt das Herz.

Vielen Dank das Gespräch!

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