Wie Yoga den Wandel in den Wechseljahren begleiten kann: Überlegungen und Praxisanleitungen

Das Leben besteht aus Veränderung. Gewisse Entwicklungs-Phasen sind dabei besonders herausfordernd: die Pubertät, Schwangerschaft oder auch die Wechseljahre. In den Wechseljahren zeigt der Name, was Programm ist – nämlich Wechsel und Wandel. In dieser Lebensphase findet ein Transformationsprozess statt, der je nach Intensität starke körperliche, geistige, spirituelle und emotionale Schwankungen auslösen kann. In dieser Zeit des Wandels können sich Kräfte explosionsartig freisetzen. Diese Intensität bringt oftmals die körperlichen, geistigen und seelischen Strukturen durcheinander. Die Wechseljahre sind eine Zeit der Turbulenzen und des Aufbruchs, die gleichzeitig eine Chance sind, einen Neubeginn zu wagen. Ein Aufbruch zu einem neuen Verständnis des Frauseins und zu mehr Freiheit. Das Ende der biologischen Fruchtbarkeit rückt heran, jedoch vollzieht sich damit sogleich auch ein Wandel hin zu einer neuen fruchtbaren und schöpferischen Kraft, die nicht mehr körperlich gebunden ist.

Yoga und Transformation: von der Raupe zum Schmetterling
Gerade die energetische Dynamik der Wechseljahre lädt ein, Altes, Verbrauchtes loszulassen, um dem Neuen Raum zu geben, bis sich daraus wieder ein inneres Gleichgewicht und eine neue Struktur bildet. Weil es aber Zeit braucht, das Alte – die Bilder, Vorstellungen und Werte – loszulassen und das Neue für sich zu definieren und zu akzeptieren, reagieren wir oft empfindlicher, sind dünnhäutiger und lassen uns leicht aus unserer Mitte bringen. Umso wichtiger ist gerade in dieser Übergangsphase eine Übungspraxis, die uns in unsere Mitte zurückführt und sie stärkt. Der Yoga kann bei diesem Transformationsprozess eine große Unterstützung sein. Yoga ist Transformation! Yoga besitzt die Kraft, inneren wie auch äußeren Herausforderungen mit bewährten Mitteln entgegen zu treten. Weil der Yoga als Übungssystem gleichermaßen Körper, Atem, Gedanken und Gefühle anspricht, haben sich bestimmte Übungen als besonders wirkungsvoll für Frauen in der Lebensmitte bewährt. Sie unterstützen den Körper, sich besser an die neue hormonelle Situation anzupassen. Sie helfen wenig förderliche Gedanken und Gefühle zu erkennen und zu transformieren, so dass Frau sich wieder wohl in ihrer Haut fühlt. Sie führen in eine neue Leichtigkeit und Freiheit.

Das Wort „Wandlung“ besteht aus den Silben „Wand“ und „-lung“. Die bekannte Wand gibt uns Schutz. Aber gleichzeitig engt sie uns auch ein, engt unsere Sicht ein. In den Wechseljahren versuchen wir am Anfang noch, diese „Wand“ neu zu streichen oder neue Bilder aufzuhängen. Vielleicht versuchen wir, sie zu ignorieren und zu verdrängen. Irgendwann sind wir dann bereit, sie „einzureißen“, bereit für die Wand-lung. Wir sind bereit für die Veränderung und fassen den Entschluss, hinter die „Wand“ zu schauen und den Raum dahinter zu erforschen. Das Leben ist eine ständige Wand-lung. Die Evolution lässt sich nicht aufhalten. Plötzlich aber fallen Wände, die bisher nötig gewesen sind. Dies weiß sowohl die Kaulquappe wie die Raupe. Nach der Wandlung kann der Schmetterling fliegen und hat das Kriechen vergessen. Und der Frosch kann nicht nur schwimmen. Er kann springen.

Die eigene Einstellung zu den Wechseljahren überprüfen
Sigmund Freud hat in seinen Vorlesungen über die Weiblichkeit gesagt: „Es ist bekannt, dass die Frauen, nachdem sie ihre Genitalfunktion aufgegeben haben, ihren Charakter in eigentümlicher Weise verändern. Sie werden zänkisch, quälerisch, rechthaberisch, kleinlich und geizig…“. Mit dieser Aussage wird sofort klar, welches Bild in unserer Gesellschaft über Frauen herrscht. In anderen Kulturkreisen bekommt die „weise Frau“ einen höheren Status in der Gesellschaft. Nicht so bei uns. Wenn das Älterwerden so negativ besetzt ist, dann bekommen die Wechseljahre automatisch ein negatives Image. Wir lehnen sie bewusst oder unbewusst ab und damit auch indirekt uns selber. Es ist deshalb ganz entscheidend für die Lebensqualität, mit welcher inneren Haltung wir die Wechseljahre erleben!

Auch wenn die Forschung über die Zusammenhänge zwischen Körper und Geist noch in den Kinderschuhen steckt, haben doch viele Untersuchungen veranschaulicht, dass Bilder (bzw. unsere innere Einstellung) eine deutliche Wirkung auf den Körper haben. Es hat sich gezeigt, dass wir über Bilder und die Vorstellungskraft z.B. unseren Herzschlag oder auch die Körpertemperatur beeinflussen können, weil die Bildersprache eine direkte Verbindung zum vegetativen Nervensystem hat, welches den Herzschlag, die Verdauung, die Atmung und viele andere Körperfunktionen regelt.
Die Psychoneuroimmunologie zum Beispiel beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen dem Nerven-, Hormon- und Immunsystem und erforscht, wie Gefühle und Gedanken das Immunsystem beeinflussen können. Depressionen, Ängste und Einsamkeit zum Beispiel schwächen die Abwehr- und Selbstheilungskräfte. Dagegen wirken sich positive Gefühle wie Freude, Gelassenheit oder Liebe förderlich aus. Im Kontext der Wechseljahrbeschwerden ist es also ganz wesentlich, mit welchen inneren Bildern wir den Wechseljahren begegnen und welche Glaubenssätze in uns verankert sind. Yoga hilft, uns der Gedanken und Gefühle bewusst zu werden, unseren Ängsten zu begegnen und sie zu reduzieren und wohlwollender mit uns und anderen Menschen umzugehen.

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Im Hatha Yoga geht es darum, dem Körper mit der Asana-Praxis eine Struktur und Ausrichtung zu geben und ihn für die Energieerfahrung zu stärken. Mit den Atemübungen (Pranayama) und den dazugehörigen Verschlüssen (Bandhas), wird die Energie angereichert, harmonisiert und gelenkt. Die Konzentration richtet sich demzufolge nicht nur auf den Körper und den Atem, sondern vor allem darauf, welchen Zweck die Haltung oder Übung hat, bzw. wohin die Energie gerichtet werden soll und welches innere Bild damit verbunden ist. Wichtig ist die innere Beteiligung an diesem Prozess, die Achtsamkeit, die Konzentration, die Visualisation. Denn: Energie fließt immer dahin, wo die Aufmerksamkeit ist. Oder um es mit den Worten aus einem der bedeutendsten Texte des Hatha Yoga zu sagen: „Dort wo Prana ist, aktiviert sich manas. Dort wo Manas ist, aktiviert sich prana.“ (HYP 4.24)

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LuNa Schmidt
LuNa Schmidts Yoga-Unterricht ist geprägt durch fundierte Ausbildungen, viel Erfahrung, den Transfer und die Integration aktueller Forschungsergebnisse in die Yogapraxis, sowie ihrer Offenheit, Neugier, Experimentierfreudigkeit und Feinfühligkeit, die viel Freiraum für Individualität lässt. Ihr Unterricht ist ein Angebot, die eigene Wahrnehmung zu verfeinern, um bewusster im hier und jetzt zu leben und in die Erfahrung des „Seins“ eintzutauchen. Ihr gelingt es immer wieder, einen Raum zu schaffen, der es erlaubt, sich selbst darin zu entfalten und sowohl deine eigene Praxis wie auch das eigene Verständnis von Yoga, von sich selbst und der umgebenden Welt zu vertiefen.