In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Obwohl wir heute mehr kontrollieren können als je zuvor, bleibt die Geburt eines Kindes immer noch ein Geschenk. Wenn sich die Sehnsucht, Mutter zu werden, nicht ohne Schwierigkeiten erfüllt, kann Yoga wertvolle Unterstützung bieten

 

Yes, we can. Die Zahl der Dinge, die wir meinen kontrollieren zu können, wird immer größer. Umso schockierender kann die Erkenntnis sein, dass es immer noch eine ganze Menge Dinge gibt, die sich unserem Willen und der Machbarkeit entziehen – die Liebe, unser Körper, die Zeit. Ein Bereich, in dem wir diese Tatsache oft sehr schmerzlich lernen müssen, ist jener der Familienplanung. Kaum eine Sehnsucht ist tiefer in unserer Natur verankert als jene, uns fortzupflanzen, Mutter bzw. Vater zu werden. Gelingt dies nicht oder nicht sofort, erschüttert das unser Selbstbild und – oft genug – auch die Beziehung zum Partner. Gerade wenn es um die vermeintlich „natürlichste Sache der Welt“ geht, reagieren wir schnell mit Scham und Schuldgefühlen, wenn wir nicht problemlos funktionieren. Dabei sind immer mehr Menschen betroffen: Rund 15% aller Paare bzw. 6 Mio. Menschen in Deutschland bleiben Studien zufolge ungewollt kinderlos. Häufig liegt es daran, dass Frauen heute erst ans Kinderkriegen denken, wenn ihre Fruchtbarkeit bereits abnimmt – nämlich nach dem 30. Geburtstag. Viele haben mit der Pille verhütet und sind nicht darauf vorbereitet, dass sich der Zyklus nach dem Absetzen nicht sofort reguliert. Schnell erhöht sich der innere und äußere Druck – und damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, bald schwanger zu werden, weiter.

Den Boden bereiten

Völlig machtlos sind wir aber auch in dieser Situation nicht. Es gibt viele Möglichkeiten, einem Wunschkind auf natürliche Weise den Weg zu bereiten. Eine davon ist ein gesunder Lebensstil, der den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Gerade die Ernährung spielt in dieser Zeit eine wichtige Rolle. Die Schulmedizin empfiehlt sowohl Frauen als auch Männern eine möglichst abwechslungsreiche, vitamin- und mineralstoffreiche Kost. Besonders auf eine ausreichende Aufnahme von Folsäure, Zink und Eisen sollten Frauen achten. Alkohol, Nikotin und Koffein gilt es dagegen zu meiden. Zudem spielt das Körpergewicht eine Rolle: Sowohl Unter- als auch Übergewicht können sich negativ auf die Fruchtbarkeit der Frau auswirken. Ideal scheint ein Normalgewicht mit einem Body-Mass-Index zwischen 18,5 und 25 zu sein.

Ähnliche Empfehlungen findet man auch im Ayurveda. Hier wird zudem die Bedeutung eines geregelten Tagesablaufes und regelmäßiger Mahlzeiten betont. Eine reinigende und aufbauende Pancha-Karma-Kur hilft dabei, den Organismus von Schlacken zu befreien und die Körpergewebe optimal auf eine Schwangerschaft vorzubereiten. Auch die Einnahme von ayurvedischen Heilpflanzen, wie z.B. Ayurveda-Ernaehrung/Ayurvedische-Kraeuter/Shatavari/">Shatavari, kann angezeigt sein. Diese sollten aber von einem erfahrenen Ayurveda-Therapeuten und entsprechend der individuellen Konstitution und Verfassung verordnet werden. Wichtiger als der optimale Zeitpunkt für Sex ist im Ayurveda die Atmosphäre, in der man zusammenkommt: Eine liebevolle Stimmung zwischen den Partnern, eine sattvische Umgebung und ein offener, ausgeglichener Geist begünstigen eine Schwangerschaft und wirken sich positiv auf das Wesen eines möglicherweise gezeugten Kindes aus.

Die traditionelle europäische Naturheilkunde hält seit Jahrhunderten viel Hilfreiches für Frauen mit Kinderwunsch bereit. Auch hier steht zumeist eine Entgiftung am Anfang, um z.B. hormonaktive Umweltproblemstoffe wie Weichmacher auszuleiten. Anschließend kann mit Hilfe von verschiedenen bewährten Pflanzen wie Beifuß, Küchenschelle, Mönchspfeffer, Frauenmantel, Storchenschnabel u.a. die Fruchtbarkeit erhöht und der Körper optimal auf eine Schwangerschaft vorbereitet werden. Vorab ist etwas Ursachenforschung angezeigt, denn eine Gelbkörperschwäche muss anders behandelt werden als ein Post-Pill-Syndrom, eine Schilddrüsenfehlfunktion oder eine Sperma-Allergie. Eine erfahrene Naturheilkundige weiß, welche Fragen sie auf die richtige Spur bringen. Ihre heilsame Wirkung können die Pflanzen dann auf ganz unterschiedliche Weise, z.B. als pflanzliche, homöopathische und anthroposophische Naturarzneien, entfalten (dazu mehr in unserem Literaturtipp).

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Nestreinigungstee

Eine tiefgreifende Reinigung des Organismus ist für Frauen mit Kinderwunsch sehr empfehlenswert.
In ihrem „alternativen Kinderwunschbuch“ empfiehlt Margret Madejsky dazu eine Tee-Kur:

  • 20g Brennnesselblätter
  • 30g Frauenmantelkraut
  • 20g Goldrutenkraut
  • 40g Gundelrebe
  • 20g Schafgarbe mit Blüten
  • 20g Stiefmütterchenkraut
  • 20g Storchenschnabelkraut
  • 30g Taubnesselblüten

Zwei gut gehäufte TL der Mischung mit 200ml kochendem Wasser überbrühen, 5 bis 8 Minuten ziehen lassen, abseifen.
Etwa 6 Wochen lang täglich 3–4 Tassen trinken.

 

Mehr als nur ein Lustkiller

Völlig kontraproduktiv auf dem Weg zur Schwangerschaft ist erwiesenermaßen Stress. Das Stresshormon Cortisol beeinflusst sowohl die Qualität der männlichen Spermien als auch den weiblichen Zyklus. Dauert der Stress länger an, stellt der Körper alle Funktionen ein, die nicht lebensnotwendig sind, und dazu gehört auch die Fruchtbarkeit. Denn wo es keine freie Minute gibt, ist auch für ein Kind kein Platz. Wenn es mit dem Schwangerwerden nicht gleich klappt, kommt zu den täglichen Stressfaktoren noch der enorme Druck durch die eigenen inneren Ansprüche, durch den Partner, die Familie, die Gesellschaft. So kann leicht eine Art Teufelskreis entstehen. Gerade hier kann Yoga enorm hilfreich und entlastend wirken. Dies zeigt auch die Erfahrung der Münchner Hormonyoga-Lehrerin Bettina Bantleon: „In meine Kurse kommen einige Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. Meine Erfahrung ist, dass man mit Hormonyoga durchaus auf die Fruchtbarkeit Einfluss nehmen kann.“ Obwohl Hormonyoga ursprünglich für Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden entwickelt wurde, profitieren auch Jüngere davon. „Die Übungsreihe wirkt positiv auf das Körpergleichgewicht und stimuliert die Hormondrüsen“, erklärt Bantleon. „Gerade für Frauen über 30, bei denen die Hormonproduktion langsam zurückgeht, kann dies eine mögliche Alternative zur Hormonbehandlung sein.“ Eine spezielle Kinderwunsch-Klasse bietet Bantleon nicht an: „Frauen, die schwanger werden möchten, können – auch ohne Yoga-Vorkenntnisse – in eine klassische Hormonyoga-Stunde kommen. Alle üben die gleiche Übungsreihe und profitieren dann individuell von der ausgleichenden Wirkung – egal ob sie wegen PMS, ungewollter Kinderlosigkeit oder Wechseljahrsbeschwerden kommen.“ Einen Unterschied sieht die Yogalehrerin aber doch: „Der Druck bei Frauen, die Mutter werden möchten, ist enorm hoch“, so Bantleon. „Deshalb ergibt es für mich Sinn, bei diesen Frauen den Fokus auf Entspannung zu legen. Ich gebe ihnen auch für zuhause Übungen mit, die helfen, emotionalen Stress zu reduzieren. Ich biete immer Verschiedenes an, und gemeinsam finden wir die Entspannungsübung, die am besten zu der jeweiligen Schülerin passt. So kann sie leichter zu einer passiven, empfangenden inneren Haltung finden – die so wichtig für eine Schwangerschaft ist.“ Denn zwischen Temperaturkurven, Arztterminen und Sex nach Plan vergessen wir leicht, dass es wohl nirgendwo sonst mehr um Empfangen und Hingabe geht als auf der Reise vom Kinderwunsch bis zur Geburt. Yoga unterstützt dabei, vom Kopf wieder mehr in Herz und Bauch zu kommen und eine Auszeit zu nehmen vom ständigen Gedankenkreisen um die ungestillte Sehnsucht und Versagensängste.

 

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