Solange der Atem bewegt ist, ist der Geist bewegt, heißt es. Die Atemtechnik des Kumbhaka möchte den Atem zum Stillstand bringen. Klingt nach Sterben. Anna Trökes über den »kleinen Tod«, von dem sich der Yogi den Eintritt in einen höheren Zustand erhofft Schon seit frühester Zeit entdeckten in Indien die Yogis und Seher (rshis), die mit dem Atem experimentierten, dass sie mit dem Anhalten des Atems noch viel erstaunlichere Wirkungen erzielen ließen, als mit allen anderen Atemtechniken. Sie beobachteten, wie das Halten der Luft in der Atemfülle sie nicht nur auf bisher noch nicht gekannte Weise mit Energie aufzuladen vermochte, sondern dass dadurch auch der Geist wirkungsvoll fixiert werden konnte. Sie erfuhren die Pause nach der Ausatmung als die Begegnung mit der Leere, in der sich der Geist »in der Mitte« (madhya) zwischen den Atemzügen aufzulösen vermochte, je nach Dauer dieser Pause so tief, dass es wie ein »kleiner Tod« zu sein schien. Und so begannen die vedischen Yogis und nach ihnen die Yogis der Upanishaden- und der Epenzeit die Kunst der Atempause zu entwickeln, eine kulturelle Leistung, die Jahrhunderte später im Rahmen der Traditionslinien des Tantra zu großer Vollkommenheit ausgeformt werden sollte. Den Atem pausieren lassen, aber wie? Patanjali, in dessen Yoga-Sutra wir nur wenige Verse zum Thema Pranayama finden, lieferte dazu die wichtigen Hinweise, wie die Pausen einzuüben seien. Meiner Ansicht finden diese sich nicht nur in den vier Sutras 2.49 – 52, sondern bereits in den vorhergehenden drei Sutras, in denen erläutert wird, wie Asana zu üben sei. Einerseits weist die Erwähnung des Atems auf die enge Verbindung hin, denn Patanjali bemerkt ja nicht nur, wie die Qualität von Asana sein soll (sthirasukha), sondern auch wie sie zu erreichen sei: „durch eine passende Anstrengung (prayatna) und die Reduzierung der dabei auftretenden Spannungen (shaithilya) einerseits und die Ausrichtung […]

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