In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Wenn die Hitze der ersten Sommertage uns zusetzt oder sich die Frühjahrsmüdigkeit und das dazugehörige Frösteln einfach nicht abschütteln lassen, können Atemübungen ausgleichend wirken. Wir haben uns mit dem Zusammenhang von Pranayama und Hitze bzw. Kälte beschäftigt

 

Atemübungen haben vielfältige Wirkungen auf uns. Sie können uns nicht nur beruhigen, anregen, ausgleichen oder aufmuntern, sondern auch kühlend oder erwärmend wirken. Die kühle Qualität des Atems nehmen wir zum Beispiel während einer Einatmung auf unserer Nasen- oder Mundschleimhaut wahr. Die ausgeatmete Luft wurde bereits im Körper erwärmt. Schnelle, aktivierende Atemzüge bringen unseren Kreislauf auf Trab und können dadurch auch Kältegefühle vertreiben. Während einer beruhigenden Praxis wickeln wir uns gerne in wohlig-warme Decken ein, damit wir nicht zu frieren beginnen, wenn wir zur Ruhe kommen.

 

Langhana & Brmhana

Dennoch wäre es etwas verkürzt zu denken, dass wir mit einer bestimmten Atemübung direkt auf die Temperatur in unserem Körper oder auf unser Temperaturempfinden einwirken können. Zwar gelten bestimmte Pranayamas – z.B. Bhastrika und Surya-Bhedana – als erwärmend, und andere – z.B. Shitali und Chandra-Bhedana – als kühlend, doch gemeint sind damit energetische Qualitäten. „Das heißt, dass z.B. Shitali nicht den Körper kälter macht, sondern eine kühlende Qualität hat, die unter anderem Pitta reduziert“, erklärt der Berliner Ayurveda-Experte und Yogalehrer Alexander Peters. Deshalb wird Shitali z.B. bei Pitta-Erkrankungen oder bei zu viel Hitze im Körper (z.B. bei Entzündungen, Wechseljahrsbeschwerden, Migräne u.a.) empfohlen. „Ob wir dagegen an heißen Sommertag das Üben von Shitali als angenehm und kühlend empfinden, ist individuell verschieden. Das sollte jeder für sich ausprobieren“, so Peters. Da Hitze Pitta eher steigert, kann Shitali durchaus in eine sommerliche Praxis passen. Aber auch bei Erkältungen ist es nicht unbedingt kontraindiziert, da Shitali den Körper eben nicht wirklich auskühlt. Weil die Übung Kapha vermehrt, sollte bei Verschleimung allerdings pausiert werden. „Generell unterscheiden wir im Ayurveda und im Yoga weniger in heiß und kalt – sondern in langhana- und brmhana-betonte Pranayamas“, erläutert Alexander Peters. Bei Atemübungen mit eher beruhigender, kühlender Qualität spricht man von langhana-betonter Praxis. Anregende, wärmende, aufbauende Übungen gelten dagegen als brmhana-betont.

Langhana
beruhigend, kühlend, reduzierend
z.B. Shitali, Sitkari, Chandra Bhedana

Brmhana
anregend, wärmend, aufbauend
z.B. Bhastrika, Surya Bhedana, Kapalabhati

 

Sonne & Mond

Im Yoga werden zudem den beiden Körperhälften – und damit verbunden auch den beiden Nasenlöchern – unterschiedliche Temperaturen zugeordnet. „Die Atmung durch das rechte Nasenloch wärmt und stimuliert. Die Atmung durch das linke Nasenloch kühlt und beruhigt“, schreibt Dr. David Frawley in seinem Buch „Yoga und die ayurvedischen Energietypen“. Das hängt mit den beiden Nadis Ida und Pingala zusammen, die jeweils links und rechts der Wirbelsäule verlaufen und zu den Nasenausgängen führen. Pingala-Nadi (rechts) ist mit der wärmenden Sonnenenergie verbunden, Ida-Nadi (links) mit der kühlenden Mondenergie.

Frawley ordnet auch die verschiedenen Atemphasen zu: „Wenn wir Luft einatmen, hat sie zunächst eine kühlende Wirkung. Wenn wir dann den Atem anhalten, wird die Luft „verdaut“ und erzeugt Wärme. Diese Wärme wird beim Ausatmen nach außen gelenkt und verteilt. Das Anhalten des Atems wirkt im Allgemeinen wärmend, nach dem Ausatmen aber kühlend“, schreibt er. Dass schnelles Atmen eher Hitze erzeugt und langsames Atmen eher Entspannung und Abkühlung fördert, wissen viele aus Erfahrung.

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