Alle Dinge sind miteinander verbunden. Wenn man die Bäume fällt, deren Wurzeln mit allem verbunden sind, muss man sie um Verzeihung bitten, sonst fällt ein Stern vom Himmel.

Älterer der Lacanon-Maya

Endlich! Es ist Frühling und die Natur zeigt sich uns in ihren schönsten Farben. Die Bäume blühen und bringen ihre ganze Kraft zum Ausdruck. Nutze sie!

Die Naturvölker zeigen uns, wie es geht. Schamanen konsultieren zum Beispiel während einer Krankenbehandlung die Geister der Pflanzen, um von ihnen zu erfahren, wie sie ihren Patienten behandeln sollen. Wegen ihrer Wurzeln, die eine direkte Verbindung zur Mutter Erde herstellen und ihren Blättern, die Informationen aus dem Kosmos aufnehmen, schreiben Indianer den Bäumen besondere spirituelle und medizinische Heilkräfte zu. Bäume können eine direkte Verbindung zwischen dem “Großen Geist” und dem Menschen herstellen.

Pflanzen sind aber auch unsere Lebensspender, indem sie unser ausgeatmetes Kohlendioxid in frischen Sauerstoff umwandeln. Dies ist sicher ein Grund dafür, warum viele die Kraft der Bäume besonders ehren. Darüber hinaus symbolisiert der Baum einen Transformationsprozess: Für manche Völker stehen seine Wurzeln für die Vergangenheit, die Art und Weise, wie wir unser Erbe und unsere Ahnen ehren. Der Stamm stellt unser derzeitiges Leben dar. Er zeigt, wo unsere kreative Kraft hingelenkt wird und wo es zu einem Stau kommt. Die Äste sind die Ziele in der Zukunft, seine Früchte symbolisieren das Erreichen dieser Ziele. Darüber hinaus halten Indianer Bäume für weise, weil sie vielen Stürmen und Unwettern standhalten und sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen.

Einem Baum begegnen, wie einem Freund

Auch uns können Bäume helfen. Vielleicht steht in deiner Umgebung ein Baum, zu dem du bereits eine enge Beziehung hast oder zu dem du eine solche aufbauen möchtest. Nimm dir die Zeit, ihn zu beobachten und überlege dir, was dich an eben diesem Baum so sehr anspricht. Da Bäume auch in Mythen und Märchen eine wichtige Rolle spielen, ist es lohnenswert, einmal nachzuforschen, wofür dieser Baum steht, der dich anspricht.

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  • Gibt es Parallelen zwischen dir und dem Baum?
  • Hat der Baum Eigenschaften, die du gerne besitzen würdest?
  • Vielleicht besitzt du diese Eigenschaften, traust dich aber noch nicht, sie zu leben?
  • Je intensiver du Kontakt zu dem Baum aufnimmst, desto mehr kannst du über dich selbst erfahren.

Wenn du mit einem Baum atmen willst, tue es mit offenem Herzen. Da Bäume so unmittelbar mit der Mutter Erde in Kontakt sind, werden sie deine Absicht sofort spüren und dir bei deiner Heilung helfen. Nimm die Kraft der Bäume ernst. Sie sind ebenso Lebewesen wie wir Menschen. Gehe zu “deinem Baum” und bitte ihn um Unterstützung. Achte ihn in der gleichen Weise, in der du selbst von anderen geachtet werden willst. Frage den Baum, ob du mit ihm atmen kannst und wenn du ihn berührst, wirst du bemerken, ob der Baum mit dir in Kontakt treten will oder nicht. Wenn du die heilende Kraft des Baums in Anspruch nimmst, erweise ihm deine Achtung durch ein kleines Geschenk. Je mehr du ihn respektierst und die Kraft, die dem Baum innewohnt, ernst nimmst, desto eher kann der Baum dir helfen.

Atmen mit Bäumen

Die Frühlings- und Sommermonate eignen sich besonders, um viel an der frischen Luft zu sein und die Lungen mit tiefen Atemzügen zu verwöhnen. Jetzt ist die Kraft der Erde besonders spürbar: Blumen blühen, Obst und Früchte gedeihen und das Grün der Wiesen ist satt. Genieße es, dich mit der Natur zu verbinden und ihre Energie in dich aufzunehmen.

Wenn du mit Bäumen atmen möchtest kannst du folgendermaßen vorgehen: Suche dir einen Baum, zu dem du dich persönlich spontan hingezogen fühlst oder wähle einen aus der unten aufgeführten Tabelle aus, der deinem momentanen Bedürfnissen entspricht.

 

Atemübung 1

  • Wenn möglich, geh barfuss auf den Baum zu, mit dem du atmen möchtest.
  • Bleib zuerst einige Meter vor ihm stehen und nimm ihn mit seiner ganzen Erscheinung wahr. Atme hier bereits einige Male tief ein und aus. Versuch, sein Energiefeld zu spüren. Mach dir bewusst, dass es sich bei einem Baum genauso um ein energetisches Wesen handelt wie bei einem Menschen. Die Kommunikation zwischen einem Baum und einem Menschen findet auf einer feinstofflichen Ebene statt.
  • Geh nun langsam um den Baum herum und suche nach einer geeigneten Stelle, an der du dich hinlegen oder hinsetzen kannst.
  • Durch ein paar tiefe Atemzüge kannst du symbolisch Wurzeln schlagen und an diesem Ort wirklich physisch und psychisch ankommen. Wenn ihr euch aufeinander eingeschwungen habt und du das Gefühl hast, den Baum zu spüren, kann die eigentliche Atemübung beginnen.
  • Lege dich auf eine Decke auf den Rücken und berühre mit den Füßen den Baum, sodass ein direkter Kontakt entsteht.
  • Atme zunächst gründlich aus, entleere die Lungen soweit wie möglich. Atme nun so tief wie möglich durch die Nase ein und stelle dir vor, wie die Kraft des Baumes durch deine Füße einströmt und du dich dabei mit der Erde verbindest. Atme die Kraft durch die Beine, das Becken, den Bauch, Solarplexus, den Brustbereich und bis in die Lungen; lasse sie aufsteigen in deinen Kopf, bis in dein Gehirn.
  • Während du dir beim Einatmen vorstellst, dass du dir die heilende Kraft des Baumes zu Nutze machst, stell dir beim Ausatmen vor, dass du dich jetzt von alten Schlacken und verletzenden Erfahrungen aus der Vergangenheit befreist.
  • Verbinde Einatmen und Ausatmen miteinander, lass keine Pausen entstehen. Eins folgt auf das andere – so wie ein Kreisatem, ein Kreis zwischen dir und dem Baum.
    Diese Atmung wiederholst du zehn- bis zwanzigmal.

 

Atemübung 2

  • Dieses Mal sitzt du mit dem Rücken direkt an den Baum gelehnt.
  • Atme zuerst ganz natürlich, ohne etwas zu forcieren. Mach dir den Platz bewusst, an dem du sitzt und dass du dich an ein lebendes, beseeltes Wesen anlehnst; dich mit seiner Kraft verbinden möchtest. Vielleicht hast du auch Fragen, die du dem Baum gerne stellen möchtest. Dann formulier diese so klar wie möglich.
  • Sobald du das Gefühl hast, dass du dich mit dem Baum verbunden hast, kannst du deinen Atem intensivieren, indem du die Lungen soweit wie möglich entleerst – aber ohne zu pressen oder besonderen Druck auszuüben.
  • Atme nun tief durch die Nase ein und stelle dir dabei vor, wie die Kraft des Baumes durch deinen Rücken einströmt und du dich mehr und mehr mit den positiven Eigenschaften des Baumes verbindest. Mit jeder Ausatmung lässt du alte Verletzungen, Ängste und Sorgen los.
  • Verbinde Einatmung und Ausatmung miteinander – ohne etwas zu erzwingen und ohne zu hyperventilieren. Diese Atmung wiederholst du solange, bis du eine Antwort auf deine Frage erhalten hast oder bis du das Gefühl hast, mit der Kraft und Stärke des Baumes erfüllt zu sein.

 

Übersichtstabelle Bäume

Baum

Äußerer Anwendungsbereich

Innerer Anwendungsbereich

Wirkung

Ahorn

geschwollene Gelenke

Schock, Unausgeglichenheit

beruhigt

Apfel

Leber-, Nieren- und Darmträgheit

Verbitterung, Depression

vermittelt Fröhlichkeit

Birke

wirkt blut reinigend, aktiviert Blase und Niere

Unruhe, Anspannung

bringt Licht in die Seele, kann aber auch zu Melancholie führen

Birnbaum

Rheuma und Gicht

Zerstreutheit

zentriert

Buche

lindert Kopfschmerzen

innere Unordnung, Trägheit

bringt Klarheit,

anregende Wirkung kann aber auch zu Nervosität führen.

Eberesche

Husten, Heiserkeit,

Atemwegserkrankungen

Festhalten an der Vergangenheit

hilft bei Loslösungsprozessen

Edelkastanie

Kopfschmerzen und Nervenleiden

Innere Unruhe

bringt Ruhe und führt zur eigenen Heilquelle

Erle

wirkt fiebersenkend

Müdigkeit und Traurigkeit

vermittelt Frische und Leichtigkeit

Fichte

Nieren- und Blasenentzündung

Nervosität und Anspannung

bringt Ruhe und Ausgeglichenheit

Hasel

Fettleibigkeit und Blutkreislaufstörungen

Unklarheit

wirkt reinigend auf Körper, Seele und Geist

Holunder

Erkältungskrankheiten

Zerstreutheit

erdet

Kiefer

Gicht und Unterleibserkrankungen

Trauer und Melancholie

hilft aus dem Gefühl der Einsamkeit

Kirschbaum

Herzbeschwerden

Traurigkeit

erfrischt und muntert den ganzen Menschen auf

Lärche

Durchblutungsstörungen, Hautinfektionen, Erkältungskrankheiten

Starsinn und innerer Verhärtung

setzt gestaute und fehlgeleitete Energie frei

Linde

Rheuma und Hautausschläge

Konzentrationsschwäche

zentriert und bringt innere Ruhe und Stille

Olivenbaum

Muskelkater, Krämpfe und Kopfschmerzen

Müdigkeit

vermittelt Kraft und Ausdauer

Pappel

Verdauungsstörungen, Weißfluss und Nierensteine

Gefühl der Stagnation

öffnet

Wacholder

wirkt blutreinigend und fiebersenkend

Zerstreutheit

zentriert

Zeder

Milzerkrankung

Gefühl der Sinnlosigkeit

führt zum Wesentlichen zurück

 

 

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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