Im Alter von 98 Jahren hat Ilse Middendorf im Mai diesen Jahres ihren letzten Atemzug getan. Die Grande Dame der Atemtherapie hat mit ihrem »Erfahrbaren Atem« Meilensteine gesetzt. Als Visionärin erforschte sie bereits nach dem Ersten Weltkrieg die Bedeutung des Atems, erkannte seinen hohen Nutzen für das Wohlergehen der Menschen und setzte ihn somit fortan für Heilzwecke ein. Dabei ging es ihr nie um den in Atemzyklen gezähmten Atem, sondern darum, den Atem zu erfahren, als Wesenheit, als Meister und als Wegbegleiter Es war niemals ein theoretisches Konstrukt über den Atem, sondern die unmittelbare Erfahrung des Atems selbst, die Ilse Middendorf ihren Teilnehmern vermitteln wollte. So erklärte sie mir in einem Interview, das ich vor knapp vier Jahren mit der damals 95-jährigen in Berlin-Schöneberg führte: »Wenn ich zum Beispiel einen neuen Kurs habe, dann sind wir genau dort, wo wir eigentlich sein sollten. Wir sitzen dann im Kreis und sind in Erwartung dessen, was wir tun sollen und nicht, was wir sprechen sollen. Keiner erwartet von mir eine lange Anfangsrede, weil ich lieber in der Erfahrung bin bei meiner Arbeit. Sie ist eigentlich nur zu erfahren. Und deshalb fand ich später, vielleicht in der Mitte meiner Tätigkeit, den passenden Titel für meine Arbeit: Erfahrbarer Atem. Ich suchte damals nach einer passenden Bezeichnung und nachdem ich diesen Titel gefunden hatte, dachte ich: Es ist ja ganz einfach, denn man muss ihn erfahren. Das ist auch gleichzeitig das Schwierige bei dieser Arbeit. Normalerweise ist der Mensch es gewohnt, vom Mentalen her zu leben. Man ist gewöhnt, sich etwas vorzunehmen, sich etwas vorzustellen. Mit anderen Worten sind wir mental die ganze Zeit damit beschäftigt zu denken: »Was kann ich aus mir machen? Wie kann ich mich am besten zeigen?«. Durch diese mentale Herangehensweise an das Leben haben wir ein wunderschönes Ego (lacht) und […]

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Doris Iding
Doris leitet Seminare, Fort- und Ausbildungen zum Thema Yoga, Meditation und Achtsamkeit. Nach dem Motto „Alles was ist, darf sein. Es gibt kein Richtig und Falsch, sondern immer nur die eigene subjektive Erfahrung des gegenwärtigen Moments“ ist es ihr sowohl in ihren Kursen als auch in ihren Artikeln und Büchern ein großes Anliegen, den Menschen zu vermitteln, dass es in der Praxis um Selbsterkenntnis geht, nicht aber um Selbstoptimierung. Begegnen wir uns also mit viel Selbstmitgefühl, Wohlwollen und Geduld, wird das Leben leichter und die Achtsamkeits- und Meditationspraxis erfüllender. 18 ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.