Im klassischen Yoga haben einige Atemübungen  das Ziel, den Atem so still werden zu lassen, dass auch die geistigen Aktivitäten vollkommen zur Ruhe kommen.
Zu diesen Techniken zählt auch die Ujjayi-Atmung (mit Reibelaut):

 

Die Kehlatmung – Ujjayi

Die Vorsilbe uj, die vor Verben und Hauptwörter gesetzt wird, bedeutet “aufwärts“ oder “ausweiten“. Jaya wird mit “Eroberung“, “Sieg“ oder “Triumph“ aber auch mit “Beschränkung“ und “Zügelung“ übersetzt. Hier wird dein Atem durch einen Reibelaut hörbar, indem du die stimmbildenden Muskeln im Kehlkopf bewusst verengst. Dadurch kannst du erkennen, ob der Atem gleichmäßig oder ungleichmäßig fließt. Je bewusster du bei der Atmung bist, desto durchgehender und ruhiger klingt der Reibelaut. Bist du hingegen unkonzentriert, beginnt der Ton zu schwanken, manchmal sogar zu stocken.

 

Anleitung

  • Setze dich aufrecht mit geradem Rücken hin. Atme einige Male „haaaaah“ aus, so als würdest du den Atem gegen eine Scheibe hauchen. Wiederhole dieses „haaaaah“ dann ein- und ausatmend, und nimm dabei wahr, wie deine Stimmritze eng wird, ohne dass du sie willentlich anspannst.
  • Schließe den Mund, und fahre mit dem Laut „haaaaah“ fort, während du ganz ruhig und tief weiter ein- und ausatmest. Lausche dem Reibelaut der Luft, der sich an dem verengten Stimmmuskel in der Kehle reibt. Nimm diese Vibration bewusst wahr, in der Kehle, der Brust und vielleicht sogar auch im Kopf.
  • Wenn du geübter bist, lass den Ton so leise werden, dass nur noch du selbst ihn hörst. Lausche ihm und verbinde dich mit ihm, ohne auf ihn einwirken zu wollen.
  • Sei achtsam und nimm wahr, was passiert, wenn Gedanken oder Gefühle in deinem Geist aufsteigen. Entspann dich immer mehr in die Atmung hinein. Lass aber gleichzeitig alle Erwartungen los.
  • Beende die Übung, sobald du merkst, dass du anfängst, dich anzustrengen, und spüre bei geschlossenen Augen nach, wie sich diese Atmung auf deine Körperempfindungen und auf deinen Geist ausgewirkt haben.

 

Dauer:  3 – 5 Minuten

Wirkung: Mit Hilfe der Ujjayi-Atmung kannst du deinen Geist willentlich beruhigen. Diese Übung hat einen nicht zu unterschätzender Rückkopplungseffekt: Durch den ruhig fließenden Atemlaut entspannt sich dein Gehirn und mit ihm das ganze Nervensystem.

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[highlight]Darauf solltest du achten: Atme gleichmäßig und fließend. Achte darauf, dass kein Druck entsteht und der Atem angestrengt laut wird.[/highlight]

 

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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