Seit fünfzehn Jahren schreibt Wolfgang Bischoff zu jedem Vollmond einen kontemplativen Text. Er lädt Menschen weltweit dazu ein, sich von 21 bis 22 Uhr der jeweiligen Ortszeit aufrecht und bequem in eine Meditationshaltung zu begeben, still zu werden, den Text zu lesen und auf sich wirken zu lassen, und dann mit der persönlichen Meditationsübung zu beginnen.

Vollmond am 19.11.

Es wird kalt und feucht. Der Winter deutet sich an. Die Lebenskräfte ziehen sich zusammen und konzentrieren sich nach innen. Eine Zeit der Besinnung könnte mit diesem Vollmond am 19.11.2021 beginnen. Die Hast des Lebens und unserer Mitmenschen verleitet uns, vom Leben mehr Tage zu erbitten, weil die Zeit nie auszureichen scheint. Doch jetzt, durch die Besinnlichkeit in trüben, dunklen Stunden, erhalten wir die Möglichkeit, den Tagen mehr Leben zu geben. Die stille Konzentration kann in der Meditation Intensität entwickeln, die dem Lebensaugenblick Würde verleiht und die Zeit unbedeutend erscheinen lässt. Jetzt können wir den Wahlspruch unserer Schule: „Yoga ist Meditation im Handeln“ verstehen lernen. Durch das Üben der stillen Meditation von 21 bis 22 Uhr wird die Meditation zum Leben, und das Leben beginnt eine einzige Meditation zu werden.

In der Weihnachtsgeschichte werden die drei Könige beschrieben, die den Stern sehen und ihm folgen, um den neuen König aller Könige zu begrüßen und ihm Geschenke zu bringen; Weihrauch, Myrrhe und Gold. Vom vierten König, dem Yogi, hört man nur selten. Auch er zog aus, um den neuen König zu begrüßen, beladen mit wertvollen Geschenken. Auf seinem Weg begegnet er dem Leiden der Menschen, widmet sich ihnen, verteilt seine Geschenke an die Bedürftigen und beginnt der Menschheit selbstlos zu dienen. So lange gibt er alles hin, bis er nichts mehr zu besitzen scheint, womit er den König der Könige beschenken könnte. So schaut er in sich und entdeckt sein pulsierendes Herz. Das schenkt er aus freien Stücken, das Einzige, was er noch hat, und stellt es als Wohnstatt dem König der Könige zur Verfügung. Erfüllt von der Freude zu geben, das Kostbarste, was sein ist, schreibt er in das Buch der Welt: 

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Aus der Stille zu geben, das ist das Leben.

Das Kostbarste zu geben, das ist das Leben.

Den Augenblick zu erkennen, das ist der Welten Sinn.

Oh Mensch, halt inne und besinne Dich!

Und er erkennt, dass wahrer Reichtum im Herzen zu finden ist und sich durch die Sprache des Herzens ausdrückt und dass wahrer Erfolg nur der ist, der es dem Menschen möglich macht, der Menschheit selbstlos zu dienen. Und in seinem Herzen hörte er den König der Könige zu ihm sagen: „Das größte Geschenk, das du mir machen kannst, ist still zu werden und dich zu besinnen. Dann üb, deine Mitmenschen zu fragen: Was brauchst du wirklich? Und beginne so, deine Meditation zu deinem Leben zu machen und dein Leben zu einer einzigen Meditation.“

Dieser vierte König war unscheinbar, er fiel nicht auf. Er half den Menschen, ihren Schicksalsweg verstehen zu lernen und ihr Schicksal ordnen zu lernen. So gewannen sie den Eindruck, alles sei durch sie selbst geschehen und haben ihn dabei stets übersehen.

Nach nunmehr einem Jahr Vollmondtexte in der YOGA AKTUELL möchte ich mit euch allen in diesem Brief über die Bildung von spirituellen Freundeskreisen in eurer eigenen Arbeit kontemplieren. Lasst uns Freundeskreise im wahrsten Sinne des Wortes aufbauen. Lasst uns im Kreis sitzen und Dialoge führen, in denen immer nur einer spricht mit dem Gesprächsstab in der Hand und alle anderen mit einer inneren Haltung der Wertschätzung zuhören, ohne zu bewerten und zu beurteilen. Und die Person, die spricht, spricht vom Herzen aus und sagt alles, was in dem Augenblick von Bedeutung ist. In solchen Situationen gilt das Bibelwort: „Wenn zwei in meinem Namen zusammen sind, dann bin ich unter euch.“ Dann kann die geistige Welt sich auf oft unvorstellbare Weise zu Wort melden und wir können lernen, dem Prozess voll zu vertrauen.

Wenn wir lernten, jeden Menschen wie einen Freund zu behandeln, würden sich der Bewusstseinszustand und die Lebensqualität in der Welt vollkommen verändern. Wir würden anfangen, als ein großes Team zu handeln, als eine Familie, die zum Nutzen aller wirkt. Jeder würde dem anderen dienen, so gut er könnte, und genau das würde ihn glücklich machen.

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Wir können folgende Übung aus den spirituellen Freundeskreisen heraus entwickeln: Begegne bei deiner Arbeit, zu Hause und in der Freizeit jedem Menschen wie einem Freund. Blicke hinter die Maske jener, über die du urteilst, und gestatte dir, das zu sehen, was sie in Wahrheit für dich sind. Stell dir vor, wie schön es wäre, nur Freunde um sich herum zu haben. An Unterschieden würdest du dich erfreuen und sie als Ergänzungen für dein eigenes Leben erleben.

 

Ich grüße euch alle in liebevoller Verbundenheit und wünsche euch eine wohltuende, stille Stunde.
Wolfgang

 

Wer die Texte zu jedem Vollmond geschickt bekommen möchte, kann sich beim Himalaya Institut e.V. für den Newsletter eintragen.

 

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