Seit vierzehn Jahren schreibt Wolfgang Bischoff zu jedem Vollmond einen kontemplativen Text und lädt Menschen weltweit ein, sich von 21 bis 22 Uhr der jeweiligen Ortszeit in eine aufrechte und bequeme Meditationshaltung zu begeben, still zu werden, den Text zu lesen und zu kontemplieren und danach mit der persönlichen Meditationspraxis zu beginnen.

Januar-Vollmond am 28.01.2021

Zieh deinen Geist von allen Räumen zurück, sei dir nur deiner selbst bewusst: von der Krone des Kopfes bis zu den Zehenspitzen und von den Zehenspitzen bis zur Krone im Kopf. Zieh deinen Geist von allen Zeiten zurück, von dem Schmerz über die Vergangenheit und der Angst vor der Zukunft. Ruhe in diesem Augenblick.

Zieh um dich einen imaginären Kreis aus Licht, der alle dunklen Einflüsse von außen von dir abhält, und beschließ still in deinem Geist, dass du diese Meditation Gott, der Guru-Kraft und der langen Kette der Tradition der Heiligen des Himalaya opferst.

Erwarte durch dieses Opfer keine Früchte aus deiner Übung. Bring nun zu deinem Geist die Vorstellung von dem universalen Fließen des Wassers und konzentriere dich auf das, was den Wassern die Heiligkeit gibt und dich reinigt, und auf das Fließen der Wasser des Friedens, die von göttlichen Wesen fließen.

Lass deine Atmung so fließen, als würde der Atem vom Kopf bis zu den Zehen und von den Zehen bis zum Kopf fließen; so als würden die Wasser des universalen Fließens, die Wasser aller heiligen Flüsse dich baden, vom Kopf bis zu den Zehen und von den Zehen bis zum Kopf. Sie spülen alle inneren Spannungen, alle Angst, Schuldgefühle alle Hindernisse aus dir heraus und erneuern dich.

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Du wirst zu einem erneuerten Wesen und erlebst dich als Lebenskraft, als Bewusstseinskraft – immer weise, rein und frei. Ruhe in diesem Moment deines eigenen Seins, mit einem reinen Geist, einem reinen Körper und entspannter Stirn, entspannten Schultern, entspannten Hüftgelenken, Beinen, Füßen und Zehen. Entspanne die Zehen, Füße, Beine, Hüftgelenke, Schultern, die Stirn und deinen Geist.

Lass deine Atmung ohne Pause fließen, so als würde sie den Pfad der Kundalini entlangfließen, durch die Höhlung der Wirbelsäule, entlang des Shushumna-Kanals hinunter zur Basis der Wirbelsäule; ohne Pause lässt du die Atmung durch die Höhlung in der Wirbelsäule wieder aufwärts fließen. Lass den Klang deines Mantras oder SO in der Ein- und HAM in der Ausatmung dieses Fließen begleiten, ohne Pause, immer wieder.

Die sieben Zentren des Bewusstseins

Auf diesem Pfad der Kundalini gibt es sieben Zentren des Bewusstseins. Bring deine Aufmerksamkeit zum Herzzentrum und entspanne dich völlig. Bring die Aufmerksamkeit deines Geistes zum Herzzentrum und komm hier in die Gegenwart einer reinen, weißen Flamme, die die Anwesenheit der Guru-Kraft in dir darstellt.

Oder du lädst in dein Herzzentrum die Anwesenheit Jesu Christi, deines spirituellen Meisters oder des göttlichen Lichts ein. Lass deine Ausatmung so fließen, als würdest du mit ihr all deine Sorgen, all deine Egozentrizitäten, all deine Unreinheiten aus dir herausspülen, so dass dein Herz ein würdiger Ort für die göttliche Gurukraft in dir wird.

Nimm alles, was an Erdelement in dir und im ganzen Universum ist – nimm es, symbolisiert in der Form von wohlriechendem Pulver, und bring der göttlichen Gurukraft in deinem Herzzentrum eine Opfergabe dar.

„Diese Erde und mein Anspruch auf ein irdisches Wesen meiner Persönlichkeit und auf das Erdelement im ganzen Universum ist nicht mehr mein. Alle Wohlgerüche der Erde, die mich angezogen haben, sollen mich nicht länger anziehen. Ich gebe sie an die Guru-Kraft in mir hin.“ Und so opfere voller Hingabe, lass deine Atmung vom Herzzentrum aus fließen.

Nun bring in deinen Geist das Wasserelement in dir und im ganzen Universum. „Das Flüssige in mir und im Universum und mein Anspruch meines Egos darauf ist nicht mehr mein“ – so mit Hingabe opfernd, lass deine Atmung und den Klang deines Mantras fließen.

Nimm nun alles Feuer in dir, alle Flammen, Hitze, Wärme, alles Leuchten und Glühen – die Feuer des Universums, nimm sie alle und entzünde eine Kerze auf dem Altar in deinem Herzen. „Alles, was aus Feuer ist, auf das ich mit meinem Ego einen Anspruch zu haben glaubte, ist nicht mehr mein“ – lass deine Atmung und dein Mantra ohne Pause fließen.

Alles, was aus dem Luftelement in dir ist, Prana, die Lebenskraft in dir und im ganzen Universum, alle Luft, auf die du im Universum Anspruch zu haben glaubtest, gib als Opfergabe hin; auch dies ist nicht mehr dein. Entzünde dafür eine Räucherwerkopfergabe auf dem Altar deines Herzens für das göttliche Licht, für die göttliche Gegenwart in deinem Herzen, und lass deine Atmung zusammen mit dem Klang deines Mantras ohne Pause fließen.

„Alles, was aus leerem Raum in dir ist, der Raum, in dem alle Dinge blühen, allen Raum in ganzen Universum, auf den ich mit meinem Ego Anspruch zu haben glaubte, gebe ich als Opfergabe in meinem Herzen in der Form einer Blumenopfergabe dem Göttlichen in mir hin.“

„Alle Wünsche, die ich hatte, alle Handlungen, die ich ausgeführt habe, alle Früchte, nach denen ich mich als Resultat meiner Handlungen gesehnt habe, alle Ansprüche meines Ego auf meine Handlungen und ihre Früchte gebe ich als Opfergabe auf dem Altar meines Herzens hin.“

Visualisiere Früchte in deinen Händen und gib sie als Opfergabe auf dem Altar deines Herzens der göttlichen Gegenwart hin. Lass deine Atmung so fließen, als würde die Ausatmung alle Egozentrizität, alles „Ich“ und „Mein“ aus dir herausspülen, und lass mit jeder Einatmung Gnade, Liebe und Licht in dich hineinströmen. Leg die Hände in deinem Geiste zusammen und ehre das göttliche Wesen in dir.

Dieses Gotteshaus des göttlichen Wesens, das du verehrt hast, dein Körper, ist heilig und rein. Beschließ, dass du diesen Körper immer rein, immer sauber, immer gesund halten willst. Beschließ, ihn als ein Instrument des göttlichen Willens zu pflegen; beschließ, dass du deine Persönlichkeit zum Instrument machst für die reine Lehre, so dass du der Guru-Tradition deine Schulden zahlen kannst, indem du die gleiche Tradition weitergibst – das ist deine letzte Opfergabe für das göttliche Licht in dir.

Entspanne dich völlig, lenk die Aufmerksamkeit deines Geistes sanft und liebevoll auf das göttliche Licht im Zentrum deines Herzens. Lass dein Mantra in deinem Geist aufsteigen, so wie es leicht und natürlich für dich ist. Das Mantra schwingt in deinem Geist, der Körper ist still, deine Sprache schweigt. Lausche dem Klang deines Mantras in deinem Geist und lass deine Atmung und den Klang deines Mantras zusammenströmen.

Lass dich von dem Klang deines Mantras in das stille Gemach in deinem Herzen führen, so dass du in der Stille die Gegenwart der göttlichen Inspiration hören mögest, so dass du deinen Geist für die Lehre vorbereitest, die in dich hineinfließt – von der Guru-Kraft, dem innersten Zentrum deines Bewusstseins in dir. Lass in diesem Gemach der Stille nur den Gedanken deines Mantras erklingen. Lass im Innersten der Wirbelsäule deine Atmung und den Klang deines Mantras zusammenfließen und beschließe in deinem Geist, dass du deinen Wunsch erneuerst, durch deine Meditation das unendliche Bewusstsein in dir zu entdecken und zu einer bestimmten Zeit zu meditieren. Und sag diese Zeit nochmals vor dich hin und beschließ, deinen Körper, deinen Geist, deine Sprache und Handlungen zu teilen und zu geben, und zu dienen – selbstlos, keinen Vorteil davon erwartend, sondern indem du die Früchte deines Handelns der Guru-Kraft hingibst, die dich von der Dunkelheit ans Licht führt, von der Unwissenheit zur Weisheit und von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit. Und ohne diese Achtsamkeit auf die Guru-Kraft, das Licht in deinem Herzen, zu brechen, reib deine Hände, bis sie trocken und warm sind, leg sie über die geschlossenen Augen und öffne die Augen langsam in die geschlossenen Hände.

Jetzt schon vormerken: Einen Beitrag zum Februar-Vollmond findest du in der nächsten Ausgabe von YOGA AKTUELL.

Wer die Texte zu jedem Vollmond geschickt bekommen möchte, kann sie beim Himalaya Institut e.V. unter der E-mail-Adresse vollmond-newsletter@himalaya-institut.de bestellen.

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