Unser Körper ist unser Zuhause. Er ist auf unserem spirituellen Weg von unschätzbarem Wert, weil er uns als Tempel dienen kann und es uns überhaupt erst ermöglicht, spirituelle Erfahrungen zu machen. Gleichzeitig ist unser Körper auch der Spiegel unserer Seele. Er zeigt uns, wo wir noch nicht ganz im Einklang mit den verschiedenen Bereichen des Lebens gekommen sind. Regelmäßig in deine Meditationspraxis integriert, kann dir die folgende Meditation helfen, dich für die verschiedenen Körper- und Lebensräume zu öffnen: Zu entspannen, wo noch Anspannung ist und Weite zu erfahren, wo noch Enge vorherrscht.

Du kannst diese Meditation so aufbauen, dass du eine Zeitlang nur mit den physischen Räumen arbeitest, dann mit den emotionalen und später mit den spirituellen Räumen. Du bewegst dich dann sozusagen vom Grobstofflichen zum Feinstofflichen.

Meditationsanleitung

Komme in eine aufrechte Sitzhaltung und nimm über das Gesäß Kontakt mit dem Boden auf, erde dich auf diese Weise. Atme ein paar Mal ganz bewusst über das Gesäß aus, um diese Erdung zu vertiefen und gehe dann mit deiner Aufmerksamkeit nach Möglichkeit achtsam, das heißt wertfrei und offen durch die verschiedenen Körperräume. Wenn du die verschiedenen Räume auf der physischen und mentalen Ebene wahrnimmst, dann versuche hier einfach zu verweilen. Absichtslos. Du brauchst nichts zu machen. Auf der spirituellen Ebene kannst du die entsprechende Farbe visualisieren oder auch das Mantra rezitieren, dass dem jeweiligen Bereich zugeordnet wird.

Beginne mit dem

Basisraum / Wurzelraum

Physische Ebene: Hier ist dein Gesäß und deine Sitzbeinhöcker. Wie fühlt es sich an? Warm? Kalt? Angespannt oder entspannt? Weit oder eng? Kannst du die Atmung in diesem Raum wahrnehmen?

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Mentale Ebene: Hier ist deine Fähigkeit angesiedelt, im Leben zu sein. Wie bist du verwurzelt? Wie bereit bist du, dich im Leben einzulassen? Hier kannst du Wurzeln entstehen lassen, um deinen Platz in diesem Leben vollständig einzunehmen?

Spirituelle Ebene: Hier geht es um die Entwicklung deines Urvertrauens in das Göttliche. Dieser Raum wird dem Wurzelchakra und somit der Farbe Rot und dem Mantra Lam zugeordnet.

Raum des Unterbauchs

Physische Ebene: Hier, im Beckenraum wurzelt die Wirbelsäule. Hier findet sie Halt. Dieser Raum ist wie eine Schale, welche die inneren Organe hält. Hier sind auch deine Sexualorgane. Wie nimmst du dich hier wahr? Entspannt oder angespannt? Offen oder verschlossen? Was verändert sich, wenn du mit deiner ganzen Aufmerksamkeit hier verweilst?

Mentale Ebene: Hier kannst du erkennen, wer du in einem Innersten bist. In diesem Bereich gehen wir auch mit anderen Menschen in Beziehung. Wenn du dich ganz für diesen Raum öffnest, kannst du ganz in dir ruhen. Dieser Raum ist die Grundlage für deinen stabilen Geist.

Spirituelle Ebene: Auf der spirituellen Ebene geht es um die Findung und den Ausdruck der eigenen Kreativität. Das Sexualchakra wird der Farbe Orange und dem Mantra Vam zugeordnet.

Bauchraum

Physische Ebene: Es ist die Gegend um den Bauchnabel und das Sonnengeflecht. Hier liegt dein Verdauungstrakt. Hinter dem Nabel befindet sich auch unser 2. Gehirn, unser Bauchgehirn. Wie fühlt sich dieser Bereich an? Warum oder kalt? Eng oder weit? Angespannt oder entspannt? Verändert er sich, wenn du sanft und achtsam in ihn hinein atmest? Bleibe mit deiner ganzen Aufmerksamkeit hier.

Mentale Ebene: Hier werden Entscheidungen für dein Leben getroffen, die nachhaltig Bestand haben. Hier bekommst du auch Klarheit und kannst aus dem Bauch heraus wahrnehmen, was dir nicht guttut und wer dich unterstützt.

Spirituelle Ebene: Auf der spirituellen Ebene geht es um die Entwicklung eines gesunden Ichgefühls. Das Solarplexuschakra wird der Farbe Gelb und dem Mantra Ram zugeordnet.

Brust- und Herzraum

Physische Ebene: Hier ist dein Herz, welches durch den Brustkorb geschützt wird. Kannst du es wahrnehmen? Ist es weiter oder eng? Was geschieht, wenn du ganz bewusst in diesen Bereich atmest? Nimmst du dann die Lunge wahr? Wie fühlt es sich an, wenn sich der Brustkorb weitet und dann wieder zurückkommt in seine ursprüngliche Form? Ist es hier eng oder eher weit? Spürst du Druck? Ist es warm oder eher kalt, wenn du deine Aufmerksamkeit hier hältst? Verweile hier ein paar Minuten, ohne bewusst etwas verändern zu wollen. Lass einfach alles da sein. Wie geht es dir damit?

Mentale Ebene: Hier kannst du überprüfen, ob du mit deinem Herzen verbunden bist. An diesem Ort kannst du Sympathie, Wohlwollen, Zuneigung und Freundschaft erfahren.

Spirituelle Ebene: Auf der spirituellen Ebene geht es um die Entfaltung von Liebe. Das Herzchakra wird der Farbe Grün und dem Mantra Yam zugeordnet.

Kehlraum

Physische Ebene: Nimm deine Speiseröhre sowie deine Luftröhre einfach nur wahr. Atemzug für Atemzug. Ist es warm oder kalt? Eng oder weit? Wie fühlt es sich an, wenn du schluckst? Bleibe mit deiner ganzen Aufmerksamkeit hier in diesem Bereich.

Mentale Ebene: Hier spiegelt sich deine Fähigkeit zur Kommunikation wieder. Wie nimmst du dich in diesem Bereich wahr? Ist es eng oder weit? Der Kehlraum ist auch der Erfahrungsraum für jede Art von Schwingung. Wie erlebst du dich hier?

Spirituelle Ebene: Das Kehlkopfchakra bezieht sich auf den gesamten Halsbereich. Ihm ist die Farbe Blau zugeordnet und das Mantra „Ham“ zugeordnet. Hier geht es um klare, reine Kommunikation.

Kopfraum

Physische Ebene: Hier sind deine Sinne angebracht. Ohren, Nase, Zunge, Augen. Sie sind deine Tore zur Welt. Der Kopf hat eine viel höhere Schwingung als die anderen Räume des Körpers. Kannst du das wahrnehmen? Ist es ruhig in deinem Kopf? Warm? Eng? Weit? Nimm alles einfach nur wertfrei wahr.

Mentale Ebene: Es geht darum, in diesem Raum Ruhe einkehren zu lassen. Der Kopfraum unterteilt sich energetisch in Gesichtsschädel und den Hirnschädel. Beide Bereiche brauchen die Erfahrung von Weite, Offenheit und Ruhe, aber auch von Durchlässigkeit. Hier treten wir über unsere Sinne mit der Welt in Verbindung.

Spirituelle Ebene: Auf der spirituellen Ebene geht es um die Erlangung von Weisheit. Das Stirnchakra ist dem Mantra “ KSHAM“ sowie dem siebten Sinn und der übersinnlichen Wahrnehmung zugeordnet.

Scheitelraum

Dieser Raum wird im Yoga als Tor zu Brahman bezeichnet. Die Energien in diesem Raum sind der Gegenpol zur Ruhe, Stabilität und Formhaftigkeit der Erde. Idealerweise stehen diese beiden Räume in Beziehung und gleichen sich mit ihren Energien aus. Der Raum des Scheitels ist das Tor, über das wir in die Transzendenz gelangen, die unser materielles, irdisches Sein immer mehr durchdringt.

Mentale und spirituelle Ebene verschmelzen: Hier geht es um die Erlangung der Erleuchtung. Das Kronenchakra wird dem Planeten Neptun, aber keinem Element mehr zugeordnet, seine Farbe ist Violett, Weiß und Gold, es wird dem Mantra “OM“ und keiner Sinneswahrnehmung zugeordnet.

Nachdem du in jedem dieser Räume mehrere Minuten in Stille verweilt bist, wandere dann mit einer Ausatmung an der Rückseite deines Körpers ganz langsam den Hinterkopf entlang und die ganze Wirbelsäule hinunter bis zum Steißbein und dann mit dem Einatmen an der Vorderseite deines Körpers wieder hoch zum Scheitelpunkt. Führe deine Aufmerksamkeit so einige Male an der Außenseite deines Körpers entlang und komme dann abschließend wieder zurück zu deinem Gesäß. Verweile hier noch einige Atemzüge und beende die Meditation.

Mach dir bewusst, dass alle Räume zusammengehören und keiner besser oder schlechter ist als ein anderer. Sie zu erfahren und miteinander zu verbinden, braucht Übung, Geduld und Selbstliebe. Aber du wirst sehen, wie gut es dir tut, wenn du diese Meditation mit in deine Praxis einbeziehst. Wenn du geübt bist, dann kannst du sie auch in deinem Alltag immer wieder als Mini-Body-Check integrieren. Das empfiehlt sich besonders in herausfordernden Momenten oder in stressigen Situationen.

 

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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