In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Das Herz hat viele Dimensionen und birgt die tiefsten Geheimnisse unserer Existenz. Eine Reise durch seine Bedeutungsebenen. „Zu welchem Ufer willst du gelangen, mein Herz? Es gibt keinen Weg und niemanden, der dir vorangeht. Was heißt schon Kommen und Gehen? An jenem Ufer kein Boot und kein Fährmann, das Boot zu verankern. Da gibt es weder Himmel noch Erde, weder Zeit noch irgendein Ding, kein Ufer und keine Küste. Bedenke es wohl, mein Herz! Gehe nicht anderswohin.“ Diese Worte stammen vom indischen Mystiker Kabir. Er hatte die Fähigkeit, Bhakti, Vedanta und Sufismus auf poetische Weise miteinander zu verbinden. „Herz“ als Begriff und Symbol beinhaltet unendlich viele Facetten. Es ist in allen Kulturen, Religionen und Traditionen ein wichtiger – wenn nicht sogar der wesentliche – Bestandteil. Weil unsere Lebensumstände zunehmend gedankenvoller und herzloser werden, gewinnt der Herz-Aspekt immer mehr an Bedeutung: Sei es als inflationäres Konsumprodukt oder als unbegreifliches Phänomen. Herzenssymbolik und Wortspielereien kommen in erotischem und romantischem Kontext vor, bei einfältigen Werbeslogans und in berührender Poesie, in religiöser Darstellung, in psychologischen und spirituellen Zusammenhängen, als Ausdruck der Orientierung im Leben und als höchstes Ziel und Essenz unserer Existenz. „Folge deinem Herzen!“ wird in der Esoterik- und Yoga-Szene manchmal bis zum Überdruss als Allheilmittel angeboten. Sebastian Gronbach kritisiert die „esoterische Herzens-Bullshit“-Version, und jene des „spirituellen Materialismus“ und die des „Goldenen Kalbes“: „Wir sagen tausend Mal am Tag ‚Folge deinem Herzen!‘ und denken, alles ist gut. Aber was ist eigentlich wirklich damit gemeint? Bedeutet es, seinen Emotionen zu folgen? Bedeutet es, den kurzen Impulsen zu folgen, die heute in die Richtung und morgen in jene Richtung gehen? Gibt es vielleicht eine Perspektive, dass es immer nur zum höchsten Heil und zur tiefsten Heiligkeit führt? Und gibt es auch eine Perspektive, wo das Folgen des Herzens nur zum größten Unheil und zum größten Leid führt?“1 […]

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