Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan – macht happy, healthy und holy
Im ursprünglichen Sinne bezeichnet Kundalini Yoga denjenigen Yogazweig, der diverse Techniken der Kundalini-Erweckung umfasst und als solcher in verschiedenen Yogatraditionen Anwendung findet. Häufig bezieht sich diese Bezeichnung jedoch speziell auf die von Yogi Bhajan in den Westen gebrachte Yogarichtung, wie sie die von ihm ins Leben gerufene Organisation 3HO, die „Happy-Healthy-Holy-Organization“, lehrt und praktiziert.

Hierbei werden im Prinzip sämtliche Hauptkomponenten des Yoga – Haltungen und Bewegung, Konzentration, Atempraktiken und Meditation sowie eine gesunde Lebensführung – zur Sensibilitätsschulung und Selbstkenntnis und zugunsten der Balance von Körper, Geist und Seele eingesetzt. Als typische Elemente dieses Kundalini Yoga nennt die 3HO dynamische oder fließende Übungsfolgen, wobei es sich hier weniger um körperlich anspruchsvolle als um leichte Asanas handelt, sowie aber auch ruhige Halteübungen und rhythmische Mantra-Meditationen. Kennzeichnend für den Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan ist, dass er nicht nur unter anderem, sondern im Speziellen bzw. sogar geradezu ausschließlich für diejenigen Menschen gedacht ist, die sozusagen „mitten Im Leben stehen“, also nicht den Weg des weltabgewandten Einsiedler gewählt haben, sondern ein von Familie und Berufsalltag geprägtes Leben führen. Gerade in einer solchen Lebensweise, so ist man in der 3HO überzeugt, kann der Mensch die göttliche Erfüllung finden, und abgesehen davon, dass der Kundalini Yoga auf  diese Erfüllung ausgerichtet ist, zielt er auch darauf ab, den Menschen für die stressigen Alltagsanforderungen zu stärken und ihm die nötige Entspannung zu ermöglichen. Kundalini Yoga, manchmal auch als Yoga der Bewusstheit bezeichnet, hilft beispielsweise, vermehrte Urteilsfähigkeit und Intuition zu entwickeln und das Einfühlungsvermögen zu erhöhen und er wirkt kräftigend und belebend. Man hat es dabei mit einem sehr positiven und freudvollen Yoga zu tun und ohne anderen Yogarichtungen diese Komponente absprechen zu wollen, fällt doch insbesondere beim Kundalini Yoga auf, dass er sehr lebensbejahend ist. Seinem Adressatenkreis und Anliegen gerecht werdend ist der Kundalini Yoga sehr alltagskompatibel. Die Haltungen und Übungsreihen verbinden einen dynamischen Aspekt mit einem meditativen Aspekt. So werden auch Meditationen oft mit Bewegung kombiniert. Einen besonderen Schwerpunkt bilden Atemtechniken (z.B. der Feueratem); zusätzlich sind Bandhas, Konzentrationspunkte und Mudras von Bedeutung und zur Beruhigung und Lenkung der Gedanken wird auch vielfach von Mantren Gebrauch gemacht.

Anders als in den anderen Yogatradi­tionen handelt es sich hierbei nicht um die Sanskrit-Mantren aus dem Hinduismus (und seiner brahmanistischen Vorstufe), sondern sie entstammen aus der Tradition des Sikh Dharma. Wenngleich Teile dieses Dharma in den Kundalini Yoga integriert sind und Yogi Bhajan von Haus aus Sikh war, bedeutet dies nicht, dass man selbst gläubiger Sikh sein muss, um Kundalini Yoga auszuüben. Der Anteil der ihn in Deutschland Praktizierenden, die sich als Sikhs verstehen, wird auf nur etwa drei Prozent geschätzt und wie auch die anderen Yoga Pfade ist der Kundalini Yoga religionsungebunden. Nichtsdestrotrotz soll der Sikhismus wegen seines spirituellen Einflusses auf den Kundalini Yoga mit ein paar Worten kurz dargestellt werden:

Hintergrund: Der Sikhismus
Begründet wurde der Sikhismus Anfang des 16. Jahrhundert von Guru Nanak, einem Panjabi, dem undogmatische, gelebte Weisheit sowie Gleichheit, Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen ein zentrales Anliegen waren. Die genaue Entwicklungsgeschichte der Sikh-Religion, in der man an Reinkarnation und vor allem an einen omnipräsenten Schöpfergott glaubt, ist schwer rekonstruierbar, jedoch wurden die Sikhs nicht nur zu einer religiösen sondern auch zu einer politischen Macht. Die spirituellen Lehren der Sikhs sind in der sehr poetischen und anschaulichen Schrift Guru Granth Sahib niedergelegt, Teile davon verfasst in einer eigenen Sprache, Gurmukhi. Die Guru Granth Sahib enthält auch mit dem Sikhismus vereinbare Texte aus anderen Religionen. Seitdem Guru Gobind Singh, der letzte der neun auf Guru Nanak folgenden großen Sikh-Lehrer, das Guru-Wesen im Sikhismus für beendet erklärt hatte, gilt sie quasi als religiöses Oberhaupt der Sikhs und hat damit eine ganz besondere Stellung. Sie darf von jedem öffentlich in den Gurdwaras rezitiert werden, den Versammlungsorten der Sikhs, an denen alle Besucher unabhängig von ihrem religiösen Hintergrund willkommen sind und anschließend in einem Nebengebäude kostenlose Speisungen empfangen können (die berühmteste Gebetsstätte der Sikhs ist sicherlich der Darbar Sahib in Amritsar, besser bekannt als Goldener Tempel). Die Sikhs werden oftmals als Kriegerkaste bezeichnet, was jedoch so nicht korrekt ist – Fakt ist, dass im Sikhismus das Kastenwesen und ähnliche Einteilungen und Kategorisierungen der Menschen  abgelehnt werden; die grundlegende Gleichheit aller drückt sich auch in der einheitlichen Namensgebung mit dem Beinamen „Kaur“ („Prinzessin“) für jede Frau bzw. Singh („Löwe“) für jeden Mann aus. Auch ist der Sikhismus stark auf Friedfertigkeit ausgerichtet.

Es gibt allerdings den Khalsa-Orden, eine Art Soldaten-Orden, deren Mitglieder ein Schwert tragen. Bei diesem Schwert, dem Kirpan, handelt es sich heute um ein zeremonielles Attribut, jedoch waren die Sikhs zur Gründungszeit des Ordens in zahlreiche Verteidigungsschlachten gegen die damaligen moslemischen Machthaber involviert. Die Khalsa-Sikhs haben insgesamt fünf äußerliche Erkennungsmerkmale, die alle mit K beginnen: Kesh – ungeschnittenes Haar, Kangha – ein hölzerner Kamm, katchera – spezielle Baumwoll-Unterwäsche und Kara – ein Armreif als Symbol für die Bindung an die Wahrheit allein. Einige ihrer Merkmale, vor allem das unter einem Turban verborgenes ungeschnittenes Haar und die ebenfalls üblichen langen Gewänder, gehören auch sehr häufig zum Erscheinungsbild von Sikhs, die nicht in dem Orden sind. Es gibt derzeit weltweit etwa 20 Millionen Sikhs, wovon die Mehrheit im Ursprungsgebiet, dem Punjab, lebt. Nichtzuletzt die im Kundalini Yoga zu findende Präferenz eines weltzu- anstatt – weltabgewandten Lebens ist an den Sikhismus angelehnt, in dem Erscheinungen wie Askese oder Zölibat in der Regel nicht zu finden sind.

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Guru Nanak Dev Jis Geburtsdatum war der 5.4. oder der 8.11.1469. Bitte, korrigiert das in dem Artikel! Dann: einzig und allein die Schrift, die von Guru Angad, dem 2. Meister entwickelt wurde, heißt Gurmukhi (aus dem Mund des Gurus). Diese Schrift hat mit der Sprache nichts zu tun, das ist Punjabi oder eine Vorstufe davon. Yogi Tee Klassik war das einzige Tee-Rezept, was original von Yogi Bhajan war, die anderen wurden entwickelt, soweit ich weiß. Weisses Tantra Yoga findet auch nicht mehr jedes Jahr in Hamburg statt, sondern nur noch jedes 2. im Wechsel mit Berlin, genauso wie sich im… Weiterlesen »