Ein Fokus auf Bija-Mantras, die Keimsilben der Shakti, mit praxisbezogener Erläuterung der wichtigsten Beispiele
Der Begriff „Mantra” wird heute in den Medien in einem sehr weiten Sinne verwendet, so etwa für Schlüsselsätze oder Worte mit Macht und Einfluss. Jede Gruppe hat ihre speziellen Mantras, die ihre sozialen Ansichten, ihre Orientierung und Ziele widerspiegeln, ob es sich nun um ein Unternehmen, eine Partei oder eine religiöse Gruppierung handelt. Knappe und klare Aussagen erhalten oft den Vorzug gegenüber umständlichen Erklärungen und langen Argumentationen. Unsere Kommunikation mittels Computern, Power-Point-Präsentationen und SMS nimmt immer kondensiertere Formen an, oder, wie man auch sagen könnte, mehr und mehr mantrische Form. In der Yoga-Tradition umfasst Mantra die Verwendung heiliger Laute und die Absicht, die mentale Energie auf positive Weise zu transformieren. Mantra ist die wahrscheinlich mächtigste und verbreitetste alle yogischen Meditationsmethoden. Alle Hauptwege des Yoga – ob Jnana-, Bhakti- oder Karma-Yoga, ob Hatha-, Raja- oder Kundalini-Yoga – haben ihre Schlüssel-Mantras. Mantras können auch eingesetzt werden, um uns bei der Konzentration, bei der Arbeit oder beim Umgang mit Emotionen zu helfen, und sie können für Gesundheit, Wachstum oder allgemeines Wohlbefinden angewendet werden.

Mantras sind vielfältiger Natur. Einige stellen längere Gebete oder Anrufungen dar, wie etwa das berühmte vedische Gayatri-Mantra an die Sonnengottheit. Andere bestehen aus der Wiederholung göttlicher Namen, wie z.B. das bekannte Mantra „aum namah shivaya“. Die möglicherweise machtvollsten, in jedem Fall aber einfachsten Mantras sind einzelne Silben, die man als „Bija“-Mantras, d.h. Keim-Mantras, bezeichnet und zu denen auch aum zählt. Sie können zur Meditation, zur Verehrung von Gottheiten, zur Energetisierung und für Heilungszwecke verwendet werden, also für alle Aspekte der Mantrapraxis. Die Haupt-Bija-Mantras werden auch „Shakti-Mantras” genannt, da es üblich ist, sie für die Göttinnenverehrung zu verwenden, denn die Göttin selbst ist die Macht von Klang und Mantra.

Shakti-Bija-Mantras tragen die großen Kräfte der Natur in sich, beispielsweise die Energien von Sonne und Mond oder Elektrizität und Magnetismus, und zwar nicht bloß als äußere Faktoren, sondern als innere Potenziale von göttlichem Licht, Liebe und Weisheit. Shakti-Mantras schwingen mit der Kundalini-Energie und übertragen diese höhere Evolutionskraft des Bewusstseins. In diesem Artikel werden wir uns auf die acht primären Shakti-Bija-Mantras, ihre Energien sowie ihre Verwendung für Yoga, Gesundheit und Verbesserung des Karmas konzentrieren.

Shakti-Mantras sind mit den ursprünglichen Erscheinungsformen der Göttin oder göttlichen Mutter verbunden. Es gibt für jede große Göttin spezielle Shakti-Mantras, durch die man sich mit ihr und ihrer Anmut und Gnade verbinden kann. Shakti-Mantras sind die maßgeblichen Mantras des tantrischen Yoga, in dem sie auf verschiedene Arten kombiniert werden, um jeweils unterschiedliche Resultate hervorzubringen. Sie haben eine immense transformative Kapazität, die bis zu den tiefsten Ebenen unseres Bewusstseins und unseres Prana reichen können. Sie sollten wie das Lebensblut der Göttin behandelt werden, also mit Respekt und Ehrerbietung. Die meisten Shakti-Mantras beinhalten den Vokal des langen i, den vibrierenden Originalklang der Shakti. Die meisten enthalten auch den Konsonanten r, der als Same des Feuers, des Himmels, des Lichtes, der Ordnung und des Dharma gilt und einen stimulierenden und energetisierenden Effekt hat. In manchen kommt der Laut l vor, der Same der Erde, des Wassers, der Freude und der Glückseligkeit, der eine beruhigende und stabilisierende Wirkung hat. Viele beginnen entweder mit dem Buchstaben h, der für Prana, Licht und die Sonne steht, oder den Lauten s oder sh, die den Mond, das Mentale und Wasser anzeigen.

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