Die Kluft zwischen dem, was viele für Hatha-Yoga halten und was er in Wirklichkeit ist, wird immer grösser. Was ist Hatha-Yoga wirklich? Und wie wurde er vor 1000 Jahren gelehrt?Die Art von Hatha-Yoga, die in den meisten westlichen Yogaschulen gelehrt wird, zeigt wenig Ähnlichkeit mit dem traditionellen Yoga, wie wir es aus den Sanskrit-Schriften kennen und wie es immer noch in wenigen Ashrams in Indien gelehrt wird. Die zeitgenössische westliche Yoga-Praxis fokussiert fast ausschließlich auf Haltungen (asanas) und lässt dabei im Großen und Ganzen die moralischen Disziplinen, die traditionellen Reinigungstechniken, Meditation und die Yoga-Philosophie aus. Eine Unkenntnis der philosophischen Grundlagen des Hatha-Yoga ist besonders bedauerlich, weil sie die Praktizierenden daran hindert, die ursprünglichen Ziele des Yoga zu verstehen. Diese Ziele hängen mit der Transzendenz des Ego zusammen, mit dem vollen Wissen über die Körper-Geist-Beziehung (einschließlich der subtilen Hülle oder sukshma-sharira), Erleuchtung und der Transformation des Körpers in das, was die Tradition den „diamantenen Körper“ (vajra-deha) oder „göttlichen Körper“ (divya-deha) nennt. Um den traditionellen Hatha-Yoga und seine Ziele zu verstehen, müssen wir verstehen, dass dieser Zweig des uralten Baumes des Yoga ein integraler Bestandteil des tantrischen Erbes ist. Tantra tauchte ca. 300 – 400 n. Chr. auf, mehr oder weniger gleichzeitig im Hinduismus und im Buddhismus. Die Tantra-Meister, die Siddhas, führten ihre Lehre als eine neue Offenbarung für das Dunkle Zeitalter (kali-yuga) ein, die die früheren Lehren der Vedas (im Hinduismus) und des Pali Kanons (im Buddhismus) ergänzten oder – gemäß einer radikaleren Sichtweise – ersetzten. Diese Meister fühlten, dass die alten Herangehensweisen nicht mehr wirkten, weil die Menschheit eine Phase des moralischen und spirituellen Abstiegs begonnen hatte. Sie erfanden neue Meditationstechniken, Rituale, Mantras usw. Tantra favorisierte besonders eine neue Wertschätzung der physischen Welt und des menschlichen Körpers und sah beide nicht als Feinde des Geistes, sondern als seinen Ausdruck an. […]

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