Jede Yoga-Übung ist der Ausdruck einer Bildgestalt. Über die Symbolik und Bedeutung der Asanas. Kurmasana – die Schildkröte

Die Ausführung eines Asana sollte auf allen Ebenen von Körper, Seele und Geist ungestört, ruhig und gelassen sein. Doch wie gelingt das?
Hier ein paar Tipps.

• Versuchen Sie, die Asanas mit jeder Zelle Ihres Körpers zu sehen und zu korrigieren, so als könnten Sie von innen heraus sehen

• Dehnen Sie sich immer aus der Mitte Ihres Seins in die Stellungen hinein

• Konzentrieren Sie sich auf das Entspannen, während Sie die Dehnung halten

• Führen Sie ein Asana immer vom Herzen her aus, nicht vom Kopf her

Anzeige

• Finden Sie Leichtigkeit in allen Posen

• Spüren Sie in jedem Asana die Basis und die Verbindung mit der Erde

• Bleiben Sie leicht und froh, auch wenn es schwierig wird

• Freuen Sie sich über jede kleine Verbesserung

• Füllen Sie jeden Millimeter eines Asanas mit ihrem ganzen Sein aus

Kurmasana – die Schildkröte
Kurma bedeutet Schildkröte. Kurmasana ist der Schildkröten-Inkarnation von Vishnu, dem Erhalter des Weltalls, gewidmet. Eine Legende besagt, dass Vishnu als Schildkröte im Kampf gegen die Götter den Berg Mandara mit dem Rücken abgestützt hat. Die Schildkröte hat einen starken Panzer und besitzt Standhaftigkeit. Sie ist sowohl mit der Erde als auch mit den Kräften des Universums verbunden. Ihr Panzer besteht aus zwei Teilen – dem Bauchpanzer, der die irdische Welt verkörpert, und dem Rückenpanzer, der dem Bogen eines Himmelsgewölbes gleicht. Die Muster des Universums, der Sterne und Planeten spiegeln sich auf ihrem Rücken. Schildkröten zählen zu den intelligentesten Tieren und können sehr alt werden. Sie haben ausgeprägte Sinnesorgane und sind zu besonderen Wahrnehmungsleistungen fähig. Im alten China gab es Zeremonien, bei denen die Schildkröte aufgrund ihrer Kenntnisse über zukünftige Ereignisse einen besonderen Platz erhielt.

Der indische Yogi Vivekananda gebrauchte das Symbol der Schildkröte, um darauf hinzuweisen, wie notwendig die Überwindung von Hindernissen ist. Auch bei Gefahr zieht die Schildkröte ihre Glieder in ihren Panzer zurück und verweilt dort, selbst wenn man sie ins Feuer wirft und verbrennt. Für den Schüler ist es eine große Herausforderung, so viel innere Stärke zu entwickeln, dass er allen äußeren Stürmen gegenüber standhält und mit seiner inneren Kraft verbunden bleibt. Bevor man sich mit Kurmasana beschäftigen kann und der Körper so weich und zugleich widerstandsfähig ist wie der einer Schildkröte, sind viele vorbereitende Übungen erforderlich. Das ist ein Beispiel dafür, dass es wichtig ist, alle Asanas langsam zu entwickeln, wenn sie bis in die Tiefe wirken sollen. Kurmasana ist ein langsames und feinstoffliches Asana, das Geduld erfordert und den Schüler in die Tiefe führt.

Der Weise Nagasena beantwortete die Frage von König Milinda, welche Eigenschaften der Schildkröte der Schüler annehmen solle, wie folgt: „Im Wohlwollen mit alle Lebewesen soll der Schüler verweilen und die ganze Welt liebevoll durchstrahlen. Bei Gefahr oder Versuchung soll der Schüler sich in das ‚Meer der Meditation’ versenken, so wie die Schildkröte ins Wasser taucht. Wie die Schildkröte die Sonne braucht, so braucht der Schüler das Licht der Weisheit. Der Schüler soll sich an einen ruhigen Ort zur Meditation zurückziehen, so wie die Schildkröte sich in den Boden vergräbt, wenn sie ruhen will. In der Bhagavad-Gita heißt es: „Wie die Schildkröten die Glieder einziehen, so zieht der Seher seine Sinne ein. Ihn nenne ich erleuchtet.“
Wenn es gelingt, die Schildkrötenstellung ohne Mühe einzunehmen, erinnern Sie sich an die große Schildkröte Kurma, die den Berg Mandara auf ihrem Rücken trug.

Anzeige