Manchmal stellen uns das Wetter oder auch andere äußere Umstände vor eine ganz schöne Herausforderung, nicht in eine leichte Depression zu verfallen. Aber zum Glück gibt es Yoga! Hier findest du eine kleine Sequenz, die dir aus dem Tief raushelfen kann. Und das übrigens nicht nur an Regentagen.

Der Arzt Eckhart von Hirschhausen, bekannt für seinen ausgezeichneten Humor hat einmal behauptet, dass die Deutschen keinen Präfrontallappen hätten, also jenen Teil im Präfrontalkortex, der uns dazu befähigt, uns nicht mit allen Stimmungen zu identifizieren, sondern einen Jammerlappen.

Recht hat er. Haben wir Deutschen doch die Tendenz, gerne und schnell zu jammern und zu klagen. Zum Beispiel nicht selten über das Wetter. Gleichzeitig können wir eine solche Schlechtwetterperiode auch als unseren „Guru“ betrachten. Ja, der graue Himmel zeigt uns, wie abhängig wir von Äußerlichkeiten sind. Wenn es nicht das Wetter ist, das unsere Laune vermiest, dann ist es der exzentrische Noch- oder Expartner, der geizige Chef, die nervige Kollegin oder das pubertierende Kind.

Allerdings können wir die Perspektive auch verändern und zum Beispiel schlechtes Wetter als eine Chance betrachten, uns endlich frei zu machen von den sich ewig ändernden Bedingungen im Außen.

Yoga gegen dunkle Tage

Passend zum Thema fiel mir letztens das Buch von Karo Wagner in die Hände, die eine Vielzahl von schönen Übungen gegen innere Krisen bereithält. Sie orientiert sich an der Yogaphilosophie, die uns ermutigen will, die Erfahrungen, die wir hier im Laufe unserer vielen Wiedergeburten machen, wertfrei einfach nur als Lektionen zu betrachten. Schließlich gibt es von außen betrachtet zunächst kein Richtig oder Falsch, kein Gut oder Schlecht. Eine Erfahrung ist eine Erfahrung.

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Unser Leben besteht nun einmal aus Gegensätzen. Die Unterteilungen passieren im Geist, dessen Aufgabe es ist, alles zu analysieren, zu klassifizieren und zu bewerten. Wir leben in einer dualistischen Welt. Diese Gegensätze von Kalt und Heiß, Dunkel und Hell,

Gut und Schlecht brauchen wir, um überhaupt unterscheiden zu können, was richtig und falsch ist.

Karo Wagner beschreibt es in ihren Worten passend:

„Wir brauchen die unterschiedlichen Erfahrungen der Gegensätze, um das Schöne, Leichte und Kraftvolle überhaupt wahrnehmen zu können. So können wir auch eine depressive Krise im Nachhinein als wichtige und wertvolle Erfahrung erkennen. Denn erst wenn man die dunklen Tage und Nächte kennengelernt hat, kann man die Tage, an denen die Sonne wieder kraftvoll scheint, umso intensiver genießen: Man nimmt sie deutlich stärker wahr.“

Übernimm die Verantwortung für dein Leben – auch an dunklen Tagen

Unsere Aufgabe besteht darin, die volle Verantwortung für unsere sämtlichen Gedanken und Handlungen zu übernehmen. Wir können das Wetter nicht ändern, aber immerhin unseren Blick auf das Wetter und unseren Umgang mit der Laune, die daraus resultiert.

Sobald wir unsere innere Abwehr in eine Akzeptanz verwandeln und das Leben so annehmen, wie es gerade ist, kann sich der Blick weiten und dann wirst du vielleicht auch die Schönheit des Regens erkennen und sehen, dass keine Wolke einer anderen gleicht.

Natürlich stellt Karo Wagner in „Yoga gegen dunkle Tage“ auch spezifische Übungen vor. Zwei davon möchte ich euch im Folgenden gerne vorstellen. Diese beiden kleinen Sequenzen helfen dir, einmal sitzend und einmal stehend, deine Energie wieder in Schwung zu bringen. Ich mag solche Bewegungsabläufe besonders gerne in solchen Momenten, wenn ich „festhänge“ in den sich ewig wiederholenden Gedankenschleifen.

Sufikreise

Kreisende und schaukelnde Bewegungen beruhigen und schenken ein angenehmes Gefühl von Geborgenheit. Dies wirkt bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen.

  • Lege im Schneidersitz die Hände entspannt auf deinen Knien ab. Setze dich gerne auf eine gefaltete Decke, wenn du dich so wohler fühlst. Spüre den Kontakt deines Beckens und deiner Beine mit der Erde.
Die Ausgangsposition (c) Holger Münch, Trias Verlag
  • Beginne mit dem Oberkörper zu kreisen. Lasse deinen Atem fließen und die Kreise langsam immer größer werden.
  • Bewege dich in großen Kreisen und lasse diese Bewegung nach und nach langsamer werden.
    Kreise ziehen © Holger Münch, TRIAS Verlag
  • Beuge dich schließlich über einen Oberschenkel lang nach vorn. Strecke deine Arme dabei nach vorne aus und berühre mit den Fingerspitzen die Erde.
  • Lasse deinen Atem fließen und genieße die Dehnung in der Flanke, die nun entsteht. Bleibe 5–6 Atemzüge in diesem Stretch.
  • Richte dich wieder in den Schneidersitz auf. Beginne erneut mit den Sufikreisen. Kreise dieses Mal in die andere Richtung.
  • Wiederhole den Ablauf und dehne dich schließlich über deinen anderen Oberschenkel mit Genuss nach vorne in den Stretch. Der Atem fließt.
  • Komme anschließend zurück in den Schneidersitz

Kleine Kreisatmung

In dieser Übung verbinden sich Atem und Bewegung, was die Gedanken in die Ruhe führt. Der stabile Stand erdet und die Armbewegungen unterstützen dabei, den Atem zu vertiefen.

  • Stelle dich an den Anfang deiner Yogamatte in einen hüftbreiten Stand.
    die Ausgangsposition © Holger Münch, TRIAS Verlag
  • Lege deine Handflächen vor dem Herzen aneinander in Anjali Mudra. Atme bewusst ein und aus.
  • Mit dem nächsten Einatmen hebst du die Arme seitlich nach oben über den Kopf. Strecke dich lang und lege die Handflächen über dem Kopf aneinander.
    strecke dich nach oben © Holger Münch, TRIAS Verlag
  • Der Blick geht zu den Händen, sodass sich der Herzraum sanft weiten kann.
  • Mit dem Ausatmen lässt du die Hände zurück vor dein Herz sinken.
    bring die Arme zurück nach unten © Holger Münch, TRIAS Verlag
  • Atme kraftvoll und tief.
  • Wiederhole diesen Ablauf mehrere Male

Probier diese Übungen gleich aus und lass uns gerne wissen, wie sie dir gefallen bzw. wie du dich aus negativen Gedankenschleifen rausholst.

Karo Wagner: Yoga gegen dunkle Tage

© Holger Münch, TRIAS Verlag

In dem Buch „Yoga gegen dunkle Tage“ findest du noch viele weitere wirkungsvolle Übungen für Meditationen bei Kummer und Krisen. Erschienen ist das Buch im Trias Verlag.

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Doris Iding
Doris leitet Seminare, Fort- und Ausbildungen zum Thema Yoga, Meditation und Achtsamkeit. Nach dem Motto „Alles was ist, darf sein. Es gibt kein Richtig und Falsch, sondern immer nur die eigene subjektive Erfahrung des gegenwärtigen Moments“ ist es ihr sowohl in ihren Kursen als auch in ihren Artikeln und Büchern ein großes Anliegen, den Menschen zu vermitteln, dass es in der Praxis um Selbsterkenntnis geht, nicht aber um Selbstoptimierung. Begegnen wir uns also mit viel Selbstmitgefühl, Wohlwollen und Geduld, wird das Leben leichter und die Achtsamkeits- und Meditationspraxis erfüllender. 18 ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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