In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Ein Workshop zum Hineinschnuppern in den Thai Yoga und seine heilsame Tradition: Wie man durch die Kraft der Berührung Tiefenentspannung schenken und die Selbstheilungskräfte des Empfangenden aktivieren kann

 

Sich entspannt und gedehnt wie nach einer Yogastunde fühlen, ohne sich dafür anzustrengen – das macht Thai Yoga möglich. Dabei kann der Empfänger Yoga passiv genießen und sich voll und ganz auf das Loslassen konzentrieren. Und das Beste dabei: Auch für den Gebenden ist die Anwendung durch eine geschickte Körpermechanik mit keinerlei körperlicher Anstrengung verbunden.

Die Kraft der Berührung

Auf Thailändisch heißt Thai-Yoga-Massage „Nuad Phaen Boran“. Das bedeutet übersetzt „uralte heilsame Berührung“. Der Legende nach wurde Thai-Massage 500 Jahre vor Christus von dem Leibarzt von Buddha, Dr. Shivago Komarpaja, begründet und ist eine Mischung der drei Heildisziplinen Yoga, Ayurveda und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Dabei wirkt Thai Yoga auf unterschiedlichen Ebenen: Nahezu alle Gelenke werden passiv bewegt und mobilisiert. Atmung, Lymphsystem und Durchblutung werden positiv beeinflusst. Der Empfänger wird in eine Tiefenentspannung gebracht, die die Selbstheilungskräfte aktiviert und dazu führt, dass das vegetative Nervensystem vom sympathischen Modus (Handlungszustand) in den parasympathischen Modus (Ruhezustand) schaltet.

Yoga der Achtsamkeit

Persönlich mag ich den Begriff „Thai Yoga“ lieber als Thai-Massage, und das aus zwei Gründen: Zum Einen deutet er auf die Verwandtschaft von Yoga und Thai-Massage hin. Viele der klassischen Asanas, die wir aus dem Hatha-Yoga kennen, finden sich auch im Thai Yoga wieder. Und das System der Energielinien, im Yoga Nadis genannt, findet sich in ähnlicher Form auch bei den sogenannten Sen-Linien wieder, die während einer Thai-Yoga-Bodywork-Session bearbeitet werden. Zum Anderen soll der Begriff „Thai Yoga“ deutlich machen, dass es sich um eine spirituelle Praxis der Achtsamkeit handelt. So hat Thai-Massage bei vielen Menschen (leider) den Ruf, schmerzhaft und unachtsam zu sein. Mir selbst ist es in Thailand häufiger passiert, dass meine Thai-Masseurin während einer Behandlung Handyanrufe entgegennahm oder sich mit ihren Kollegen unterhielt. Es fehlte die Achtsamkeit. Diese ist jedoch sehr wichtig, damit der Empfänger vertrauen und loslassen kann.

 

WORKSHOP

Zur Einstimmung

Zur Einstimmung

Schließ die Augen und nimm dir einen Moment Zeit, um bei dir selbst anzukommen. Alle Übungen werden langsam und bewusst ausgeführt. Steigere die Druck- oder Stretchintensität schrittweise. Wenn du nicht sicher bist, frag lieber nach. Nutze dein Körpergewicht, nicht deine Muskelkraft! Für eine optimale Kraftübertragung sind die Arme bei den allermeisten Techniken gestreckt.

1. Handballendruck auf Füße

1. Handballendruck auf Füße

Lass deine Hände langsam auf die Füße des Empfängers sinken. Nimm dir ruhig einen Moment Zeit, um mit deinem Partner in Kontakt zu kommen. Von hier aus beginnst du, dich abwechselnd von links nach rechts zu lehnen. Jedes Mal, wenn das Gewicht in einer Hand ist, kannst du die jeweils andere Hand umsetzen und so bis zum Fußballen wandern und zurück. Wirkungen: Öffnet die Hüfte sanft nach außen. Beruhigt und erdet.

2. Beinstreckung

2. Beinstreckung

Komm zum Stehen und halte die Füße des Empfängers. Die eigenen Arme dürfen dabei ganz entspannt und locker nach unten hängen. Mit der Ausatmung lehnst du dich mit dem Körpergewicht zurück und bringst damit die Beine des Partners in die Streckung, mit der Einatmung verlagerst du dein Gewicht zurück zur Mitte. Drei- bis viermal wiederholen. Wirkungen: Streckt Beine und Wirbelsäule. Der Partner wird mittig in seiner Körperachse ausgerichtet.

3. Schmetterlingsdehnung

3. Schmetterlingsdehnung

Grätsche die Beine des Empfängers und stell deine Füße an seinen Rumpf. Heb das Becken des Partners durch Zug an den Füßen an und beuge seine Knie, so dass seine Fußsohlen zueinander kommen. Mit der Ausatmung des Empfangenden verlagerst du vorsichtig dein Gewicht nach unten und dehnst damit die Füße hinter den Kopf (oder in diese Richtung). Mit der Einatmung hältst du die Dehnung, mit der Ausatmung vertiefst du sie. Der Empfänger entscheidet, wie intensiv die Dehnung maximal sein darf. Drei- bis viermal wiederholen. Wirkungen: Dehnt die Oberschenkelinnenseiten und den großen Gesäßmuskel. Öffnet die Hüft nach außen. Aktiviert die Verdauung und stimuliert die inneren Organe.

4. Busfahrer

4. Busfahrer

Halte weiterhin die Füße des Empfängers, tritt einen Schritt zurück und beuge die Knie des Partners nach außen. In dieser Position schwingst du mit dem eigenen Becken nach links und rechts und lockerst dadurch die Hüften deines Partners. Wirkungen: Mobilisiert und lockert die Hüftgelenke. Gegenposition zur Schmetterlingsdehnung.

5. Pflug

5. Pflug

Der Empfänger befindet sich in Rückenlage. Bring die Beine geschlossen in einem 90-Grad-Winkel nach oben. Die Arme liegen seitlich neben dem Körper. Deine rechte Hand hält unterhalb der Knie und sorgt dafür, dass in der Vorwärtsbewegung die Beine gestreckt bleiben. Mit der Ausatmung führt deine linke Hand die gestreckten Beine nach hinten. Um die Dehnung nicht zu intensiv zu gestalten, senke die Füße nicht komplett zu Boden, sondern maximal bis auf Hüfthöhe. Wirkungen: Dehnt die Nackenmuskulatur. Fördert die Durchblutung. Tonisiert die Schilddrüse. Regt die inneren Organe an. Wichtig: Diese Übung darf nicht bei Problemen in der Halswirbelsäule und nicht während der Schwangerschaft ausführt werden.

6. Handballendruck auf Schultern

6. Handballendruck auf Schultern

Wechsel auf die Kopfseite des Empfängers, der in Rückenlage liegt. Platziere deine Hände links und rechts auf den Schultern. Verlagere nun das Gewicht langsam abwechselnd von der einen in die andere Hand (ähnlich wie bei Technik 1, Handballendruck auf Fuß) und massiere und dehne so den großen Nackenmuskel des Empfängers. Wirkung: Dehnt die Nackenmuskulatur.

7. Kopfmassage

7. Kopfmassage

Gib deinem Partner zum Abschluss eine Kopfmassage. Vielleicht möchtest du mit den Fingern kleine Kreise auf der Kopfhaut beschreiben oder hast andere Ideen, dem Empfänger etwas Gutes zu tun. Vertrau deinen Händen und deiner Intuition. Am Ende ist es schön, den Kopf des Partners einfach nur zu halten. Wirkung: Bringt tiefe Entspannung.

 

Der Autor

Tobias Frank ist Thai-Yoga-Praktizierender und Lehrer für Thai-Yoga-Bodywork. Er bietet Thai-Yoga-Workshops und -Ausbildungen in ganz Deutschland an. Mehr Informationen und den kostenlosen Thai-Yoga-Video-Kurs „Magie der Berührung“ gibt es auf www.thaiyoga.de .

Anzeige

Fotos: Nicole Wahl

 

Anzeige