Parivrtta bedeutet gedreht, umgekehrt, nach rückwärts gewendet. Trikonasana bedeutet Dreieck. Parivrtta Trikonasana ist also das gedrehte Dreieck. Durch das Üben von Parsvottanasana (Heft 17)  und Virabhadrasana I (Heft 18) haben sie die korrekte Fuß – und  Beinarbeit sowie die Ausrichtung des Beckens gelernt

Aus der Stabilität der Füße, der Beine und des Beckens heraus  kann nun die Drehung das „Parivrtta“ geübt werden. Die Haltung ist mit ihren vielen Übungsanteilen komplex. Um alle Aspekte erfassen und üben zu können, ist es von großer Bedeutung, den Atem fließen zu lassen und damit das Gesicht, die Sinne und das Gehirn zu entspannen. Das schafft Bewusstseinsfreiheit für die Koordination aller Aspekte.

Wirkung des Asana

  • Kräftigt die Beine, insbesondere die Beinmuskeln, sowie die Sehnen der Fuß- und  Kniegelenke
  • Fördert die Durchblutung des unteren Rumpfes und kräftigt die Bauchorgane
  • Belebt die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur
  • Lindert und vermindert Rückenschmerzen sowie rheumatische Beschwerden
  • Ist hilfreich bei verschobenen Bandscheiben
  • Stärkt die Hüftmuskulatur
  • Löst Verspannungen und Steifheit im Schulter- und Nackenbereich
  • Entwickelt die Balance in den Füßen und den Gleichgewichtssinn
  • Entwickelt Bewußtsein für die Ausrichtung von Füßen – Becken – Wirbelsäule – Kopf
  • Entwickelt die Stützkraft der Wirbelsäulenmuskulatur
  • Tonisiert die Nieren, Leber und Milz
  • Hilft bei Verstopfung und Übersäuerung
  • Weitet die Brust und belebt Herz und Lungen
  • Ist keine Haltung für Schwangere, da sie den Bauch zustark einengt

Erster Schritt
Stehen Sie in Tadasana, der Berghaltung. Spreizen Sie die Beine etwas weiter als 1 Meter, die Außenkanten ihrer Füße zeigen gerade nach vorne, weiten  und strecken Sie die Arme aus den Schultern zur Seite.

Zweiter Schritt
Drehen Sie den linken Fuß ca. 60° nach innen und das rechte Bein 90° nach außen, so dass die inneren Fersen in einer Linie stehen (kleines Bild 5). Verankern Sie den linken Fuß mithilfe der großen Zehe und dem Zehenballen in der Außenkante und Ferse fest am Boden, halten Sie den Innenknöchel gehoben, heben Sie den linken Oberschenkelmuskel an und strecken ihn zusammen mit dem linken Innenbein zurück. Rollen Sie die linke äußere Hüfte nach vorne. Die Außenkante des rechten Fußes fest am Boden halten, mit dem Widerstand in der Außenkante die Ferse, die Innenferse sowie den großen Zehenballen und die große Zehe fest zum Boden drücken. Einatmen, mit der Ausatmung den Rumpf zum rechten Bein drehen, den Steiß senken. Das Becken steht jetzt parallel.

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Dritter Schritt
Auf  Schulterhöhe den linken Arm nach vorne und den rechten Arm nach hinten strecken. Die rechte Beinaußenseite an den Knochen ziehen, die rechte Hüfte und die rechte Leiste zurückstrecken. Den linken Oberschenkel zurückdrücken, das Becken parallel halten. Beide Leisten, beide Oberschenkel, beide Knie und beide Schienbeine nach hinten strecken, den Rumpf und die Wirbelsäule nach vorne Richtung Kopf strecken. Der Kopf streckt nach vorne Richtung Fuß und bleibt auch bei der Drehung auf der Längsachse der Wirbelsäule.

Vierter Schritt
Stützen Sie die linke Hand auf Fingerspitzen neben der Außenseite des rechten Fußes auf den Boden, strecken Sie den rechten Arm in Verlängerung des linken Armes hoch zur Decke. Drücken Sie das linke Schulterblatt in den Rücken, heben Sie das Brustbein Richtung Kinn; heben Sie das Kinn etwas weg vom Brustbein, die rechte Leiste und den linken Oberschenkel zurückstrecken, den Kopf hochdrehen und den Daumen der rechten Hand anschauen. Der Atem fließt.

Entspannen
Das Ende der Haltung. Mit der Einatmung den Oberkörper wieder anheben, die Füße gerade nach vorne drehen und in Tadasana schließen. Den Atem fließen lassen.

Wichtige Details
Innenfersen in einer Linie. Gleiche Erdung im vorderen und hinteren Fuß. Gerade Ausrichtung von Füßen – Becken – Wirbelsäule – Kopf. Drehung erfolgt von der unteren Taille. Schulterblätter in den Rücken bringen. Brustbein heben und die Brust weiten. Kopf über Fuß, Kinn wegheben vom Brustbein. Gerade Ausrichtung der Armachse. Gerade Ausrichtung der Beckenachse. Beide Oberschenkel, beide Knie und beide Leisten hochziehen und zurückstrecken. Aus dem vorderen Fuß das Sitzbein heben. Steiß gesenkt halten und die Wirbelsäule nach vorne ausdehnen.

Timing
Beginnen Sie mit 20 – 30 Sekunden pro Seite. Wiederholen Sie 2 – 3 mal.

Fortgeschrittene Arbeit
Die Haltung nicht nur „ausprobieren“, sondern im Üben sich der korrekten Haltung annähern, sie verstehen lernen und „eins“ mit ihr und ihrer energetischen Struktur werden. Dann üben, um die Haltung auf der rechten wie auf der linken Seite ausführen zu können; mit demselben Gleichmut und derselben Atmung auf beiden Seiten.

Bei Erschöpfung und Problemen

  • Sie kommen mit der Hand nicht auf den Boden. Arbeiten Sie mit einer Erhöhung oder einem Klotz entweder an der Außenseite des Fußes oder an der Innenseite, wenn die Balance oder die Drehung noch schwierig ist
  • Das vordere Bein kann aus verschiedenen Gründen die vorgegebenen Punkte nicht umsetzen (z.B. Knieschmerzen). Erhöhen Sie den vorderen Fuß im Zehenballenbereich.
  • Lernen Sie mit dieser Hilfe, den vorderen Fuß exakt einzusetzen, das gesamte vordere Bein exakt zu strecken und das Sitzbein anzuheben.
  • Der hintere Fuß bekommt keine Bodenhaftung. Erhöhen Sie die hintere Ferse. Lernen Sie mit dieser Hilfe, den hinteren Fuß so zu erden, dass das hintere Bein die gleiche Kraft und die gleiche Intelligenz  entwickeln kann wie das vordere Bein.

Gleichgewichtsstörungen und Erschöpfung
Wenn Sie unter Gleichgewichtsstörungen oder Erschöpfung leiden, nutzen Sie nach Bedarf die Hilfsmittel wie vorher beschrieben und eine Wand.

Zwischenstufe für mehr Bewusstsein

  • Üben Sie parallel zur Wand, mit der Hand am Boden oder auf einer Erhöhung. Mit der Wand als Lehrer, üben Sie die richtige Ausrichtung des Körpers und zwar von den Füßen über die Beine, das Becken, die Wirbelsäule, die Schultern, das Brustbein und den Kopf. Lernen Sie mit dem Widerstand der Wand, den Bauch gleichzeitig zum Brustbein zu heben und ihn zu drehen. Die Wand zeigt ihnen darüber hinaus wie viel Drehung möglich ist.
  • Üben Sie im Wechsel mit und ohne Wand. Transportieren Sie das gewonnene Bewusstsein von der Wand in den freien Stand usw.
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