Was ist ein Buddhafeld?
Die Stille öffnet sich am einfachsten im allabendlichen gemeinsamen Silent Sitting in der Osho-Hall, und wenn es denn in Pachamama eine verpflichtende spirituelle Regel gibt (eigentlich gibt es keine, zumindest nicht offiziell), dann die, sich jeden Abend um 18:30 Uhr zum gemeinsamen stillen Sitzen einzufinden. Dadurch entsteht etwas, das Tyoar in Anlehnung an seinen großen Lehrer „das Buddhafeld“ nennt. Ein Buddhafeld entsteht immer dann, wenn eine hinreichend große Anzahl Menschen – der Bibel zufolge mindestens drei – mit einem hinreichend klaren, also sich selbst bewussten Bewusstsein zusammenkommen. Dieses „Feld“, das natürlich kein Feld im physischen Sinne ist, öffnet sozusagen den Raum für die grundlegenden Qualitäten der Existenz, die vielen Menschen im geschäftigen Alltag nicht (mehr) zugänglich   sind – Liebe und Mitgefühl, Fülle und Leere, Gnade und Sinn –,  und erschafft so auch einen kraftvollen Raum, in dem Heilung geschehen kann. Je stärker das Feld, desto einfacher der Zugang zu entsprechenden Erfahrungen, könnte man verkürzt formulieren. Und in Pachamama, so registrierte ich bald, ist dieses Feld ziemlich stark. Was natürlich nicht bedeutet, dass dort nur nette und höchstbewusste Menschen leben – durchaus nicht. Doch reicht die Differenz zur normal-kranken Welt immerhin für einen tüchtigen Kulturschock zumindest bei Besuchern aus den westlichen Metropolen des Planeten, erst recht, wenn sie neben dem morgendlichen Yoga und dem abendlichen Silent Sitting auch noch das Reinigungs- und Entgiftungsprogramm durchführen. Aber sogar wenn man (wie ich) keine Lust auf Saftfasten und Einläufe hat, kann man die körperlichen Entgiftungseffekte kaum verhindern, denn die Küche liefert nur Vegetarisches, und das mit relativ wenig Kohlenhydraten. Stattdessen gibt es in rauen und rohen Mengen Obst und Gemüse. Und es gibt die neueste Geheimwaffe aller Gesundheitsbewussten: Rohkakao in allen möglichen Variationen. Unterstützt von der Hitze, der Natur und dem „Feld“, beginnen dann selbst die hartnäckigsten Wohlstandsbäuche schnell zu schrumpfen.

Transformation in Pachamama
Eigentlich aber geht es in Pachamama um mehr. Eigentlich geht es um Transformation, darum, die wahre Natur der menschlichen Existenz zu enthüllen, seine „Buddha-Natur“, wie es auch genannt wird. „Pachamama ist kein Platz, den du als der verlässt, als der du gekommen bist“, heißt es dazu programmatisch auf einer DVD.

Das Rezept dafür sind eine Reihe aufein­ander aufbauender Seminare und Kurse, die sich in jedem „Transformationszyklus“ mehr oder weniger wiederholen. Es beginnt mit dem schon erwähnten Cleansing- und Entgiftungskurs, gefolgt von einem Seminar, das sich den (meist) in der frühen Kindheit erlittenen Verwundungen widmet. Anschließend geht es mit der Frage „Who is in?“ tiefer in die Abgründe des Bewusstseins, um schließlich in einem mehrtätigen Schweige-Retreat ganz auf dessen Grund zu gelangen – der wir ja eigentlich sind. Dazu gibt es Satsang mit Tyoar. Das Gesamtpaket kostet rund 1500 US-Dollar; alternativ kann man auch nur an einzelnen Seminaren teilnehmen. Die so „aufgebaute“ Energie der Stille ist dann schließlich die Basis für den Celebration-Teil, der jeden Zyklus abschließt. Der war dieses Jahr besonders intensiv, denn es wurde das zehnjährige Jubiläum gefeiert – mit einer zehntägigen Party. Dazu zog die etwa 70-köpfige Community mit Sack und Pack und ungefähr 200 Gästen einen Kilometer hinunter an den Fluss, wo ein weitläufiges Festivalgelände zum Campen vorbereitet worden war, mit Tanzflächen und einer Dining Area, einem Kinderspielplatz mit Rutsche in den Fluss, und was sich kleine und große Kinder sonst noch so wünschen. Am Ende waren sich fast alle Teilnehmer sicher: Die Welt ist ein magischer Ort.

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