In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Ein offenes Ohr und ein weites Herz für alle Wesen

Trotz seiner politischen Niederlagen wird der Dalai Lama nicht müde, sich für das Wohl aller Wesen auf dieser Welt einzusetzen, und hier insbesondere für die Förderung von Harmonie und Verständnis unter den großen Weltreligionen. Während seines jetzigen Besuches in Klagenfurt betonte er, dass es zwar Unterschiede zwischen den Religionen bezüglich der philosophischen Grundlagen gibt, aber seiner Ansicht nach haben alle Religionen das Potenzial, das Gute im Menschen zu fördern. Aus diesem Grund sollten sich die religiösen Traditionen nach Ansicht des Dalai Lama untereinander mit Respekt und Wertschätzung begegnen und den Wert der jeweils anderen Überlieferung anerkennen. Innerhalb einer Religion, auf individueller Ebene, ist es für den Dalai Lama relevant, nur einer Wahrheit zu folgen. Auf der kollektiven Ebene aber gäbe es mehrere Wahrheiten und seien auch mehrere Religionen notwendig. Gleichzeitig aber scheut er auch nicht davor zurück, seine Meinung offen zu äußern, wie auch in Klagenfurt, und spricht sich dabei offen gegen die inflationäre Entwicklung auf dem spirituellen Sektor aus: „Mit den Religionen ist es wie in einem Supermarkt: Da gibt es heute für jeden etwas. Da soll auch jeder lange genug suchen, bis er das für ihn Passende findet. Dann aber soll er dabei bleiben und nicht mehr wechseln.“

Wird eine Religion hingegen ernsthaft betrieben, begegnet er jeder mit tiefem Respekt, wie auch auf der gerade erschienen Hör-CD „Das Herz der Religionen“. Hier sucht er differenziert und mit Mitgefühl und Achtung das Verbindende zwischen allem und begegnet aber auch mit großem Respekt den Unterschieden, zum Beispiel zwischen dem Hinduismus und dem Buddhismus. Liberal, tolerant und dialogbereit zeigt er sich dabei auch gegenüber anderen Glaubensrichtungen wie dem Islam. Durch sein unentwegtes Engagement für ein friedvolles Miteinander wurde er zu einer übergreifenden Integrationsfigur nicht nur für die Buddhisten, sondern auch für Christen, Hindus und Nichtgläubige. Kein Wunder, dass sich bei seinen Belehrungen und Vorträgen in Österreich eine bunte Mischung von Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und spirituellen Traditionen traf und ein Gefühl der tiefen Verbundenheit und Friedens spürbar war. Für viele Menschen auf der Welt ist der Dalai Lama zum Symbol der Menschlichkeit und der interreligiösen Verständigung auf der Grundlage der buddhistischen Weisheit geworden. Letztere vermittelt er in einfachen Worten, so dass jeder ihn verstehen kann. Auf seinen zahlreichen Reisen in über 62 Länder und bei zahlreichen Begegnungen mit religiösen Führern und Politikern verkündete der buddhistische Religionsführer im Sinne Buddhas die Botschaft von Liebe, Frieden und Toleranz. In diesem wohlwollenden Geist trifft er zahlreiche Präsidenten, verschiedenste Premierminister und königliche Oberhäupter wichtiger Nationen, um sich für eine gemeinsame Friedenspolitik einzusetzen. Dabei tritt er fortwährend für eine Politik der Gewaltlosigkeit ein, sogar im Angesicht extremer Aggression. Auch hier wird er nie müde, sich für die Förderung grundlegender menschlicher Werte einzusetzen: Mitgefühl, Vergebung, Toleranz, Zufriedenheit und Selbstdisziplin.

„Alle Menschen sind gleich. Wir alle wünschen uns Glück und kein Leiden“, zeigte er in Klagenfurt, Wien und Salzburg auf seinen Vorträgen und Belehrungen immer wieder auf, wie die Menschen den Weg in Richtung Zufriedenheit finden können. Dabei spielen Werte wie Mitgefühl, Dankbarkeit und Achtsamkeit eine große Rolle. Und dass er selbst sie verinnerlicht hat, wird deutlich, wenn man ihn in seiner äußerst wachen, achtsamen und humorvollen Art erlebt. Wie präsent er ist, wurde mir bewusst, als er nach der Pressekonferenz an der Reihe der Journalisten vorbeiging, die sich hinter einer Absperrung aufgestellt hatten, um ihm persönlich in die Augen schauen zu können oder von ihm berührt zu werden. Ich hatte es den anderen gleichgetan, wurde aber von einem korpulenten Österreicher rüde in die zweite Reihe gedrängt und hatte keine Lust, mich auf eine Rangelei einzulassen. Der Dalai Lama, der dies aus dem Augenwinkel mitbekommen hatte und bereits an uns vorbeigegangen war, ging daraufhin ein paar Schritte zurück, schaute mir in die Augen und reichte mir die Hand. Diese kurze Begegnung verdeutlichte mir noch einmal persönlich, wie aufmerksam er ist. Und was Dankbarkeit betrifft, so eilten ihm auch hier diverse Geschichten voraus, u.a. dass er sich zum Beispiel während eines Besuches in San Francisco beim ganzen Hotelpersonal bedanken wollte – vom Manager bis zum Tellerwäscher. Auch in Klagenfurt war er nicht geizig mit Dank. Mir wurde erzählt, dass er sich persönlich bei jedem Polizisten bedankt hatte, der ihn in der Eskorte von der Messehalle zum Hotel begleitet hatte. Und das waren gefühlte Hundertschaften!

Somit ist der Dalai Lama, eine der prominentesten spirituellen Leitfiguren der Gegenwart, für mich ein lebendiger Beweis dafür, dass wirklich spirituell reife Menschen sich nicht durch ihre Erscheinung in den Vordergrund spielen oder mit ihrem Wissen kokettieren müssen. Es geht auf dem spirituellen Weg zur Erleuchtung – um mit den Worten des deutschen Mystikers Willigis Jäger zu sprechen – vielmehr darum, mehr und mehr Mensch zu sein. Und zwar ein ganz einfacher, so wie seine Heiligkeit, der vielleicht letzte Dalai Lama Tibets.

Literatur- und Hörtipps zu Veröffentlichungen des Dalai Lama

Das Herz der Religionen. Gemeinsamkeiten entdecken und verstehen, Hörbuch, Der Audioverlag 2012
Differenziert, intelligent und voller Mitgefühl setzt der Dalai Lama sich auf dieser Hör-CD mit den großen und kleinen Religionen der Welt auseinander. Wer das religiöse Oberhaupt Tibets kennt, weiß um seine Dialogbereitschaft und den Versuch, ein Bündnis der Religionen herzustellen. Viele Menschen wissen jedoch gar nicht, was genau den Islam, das Christentum, den Buddhismus etc. auszeichnet, was die Religionen voneinander unterscheidet und wo sie Gemeinsamkeiten aufweisen. Aus diesem Grund ist diese Hör-CD eine hilfreiche und gleichermaßen sehr differenzierte Einführung in die Weltreligionen. Es gelingt dem Dalai Lama, die Kerngedanken der verschiedenen Religionen herauszuarbeiten, und gleichzeitig stellt er die Gemeinsamkeiten dar, denn nur wer diese kennt, kann den Unterschieden mit dem Respekt begegnen, der für eine harmonische Koexistenz und einen dauerhaften Weltfrieden unabdingbar ist. Dieses Hörbuch des Friedensnobelpreisträgers dringt über die Grenzen der einzelnen Glaubensrichtungen hinweg in das Herz der Religionen vor.

Das Buch der Freiheit. Die Autobiographie des Friedensnobelpreisträgers, Bastei Lübbe 2008 (17. Aufl.)
Dieses Buch ist eine packende Autobiographie des spirituellen und politischen Oberhaupts von Tibet: Der Dalai Lama beschreibt, wie ihn als kleiner Bauernsohn ein dramatisches Schicksal erwartet: zum Gottkönig von Tibet bestimmt zu werden und mit einem Mal alles aufgeben zu müssen, was man liebt: seine Freunde, seine Familie, seine Freiheit. Er beschreibt auch, wie er als Fünfzehnjähriger der Großmacht China die Stirn bieten musste und seit nunmehr über fünfzig Jahren im Exil für die Freiheit seines Volkes kämpft. Als Leser erhält man auch Einblick in seinen durch und durch strukturierten Alltag, seine Reisen und seine Meditationsklausuren. Sein Lebensbericht ist ein bewegendes Plädoyer für Gewaltlosigkeit und Völkerverständigung und die spirituelle Offenbarung eines wahrhaft Großen unserer Zeit.

Rückkehr zur Menschlichkeit: Neue Werte in einer globalisierten Welt, Bastei Lübbe 2011
Naturkatastrophen, Bankenkrisen, Bevölkerungswachstum, Überfischung der Meere, Terrorismus, Euro-Rettungsschirm etc. … Die Welt wird immer kleiner, und die Probleme, die die Weltgemeinschaft lösen muss, werden immer größer. Dass Egoismus und Gier uns nicht weitergebracht haben, ist offensichtlich. Deshalb ist es an der Zeit, ein neues Wertesystem zu finden, auf das sich alle Völker und Religionen dieser Erde einigen können. Denn erst dann, wenn wir verstehen, dass wir alle an einem Strang ziehen müssen, werden wir friedliche und erfolgreiche Lösungen finden. Der Dalai Lama entwirft ein Wertesystem, das über alle Religionen hinweg funktioniert und sich nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene, sondern auch von jedem von uns im Alltag umsetzen lässt.

Glücksregeln für eine verunsicherte Welt, Herder Verlag 2011
Der Dalai Lama ist ähnlich wie der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh in der Lage, die komplexe und umfassende Lehre Buddhas so einfach zu vermitteln, dass selbst Menschen einen Zugang dazu finden, die mit alten buddhistischen Texten nichts anfangen können. Wie kaum ein anderer ist er darüber hinaus in der Lage, die moderne Psychologie, die buddhistische alte Weisheit und den gesunden Menschenverstand zu verbinden und daraus Lösungen aktueller globaler und individueller Probleme anzubieten. Mit Geschichten, Meditationen und tiefgründigen Analysen lehrt der Dalai Lama, die kulturellen Einflüsse und Denkmuster zu erkennen, die zu persönlicher Unzufriedenheit und zur globalen Unzufriedenheit führen, und sie durch positive Impulse zu ersetzen.

Inneren Frieden finden, Hörbuch, Theseus Verlag 2011
Wir alle streben nach Glück. Jeder wünscht sich innere Zufriedenheit. Und obwohl es so viele sind, die dieses Verlangen in sich tragen, gibt es nur wenige Menschen, die eine Aura des inneren Friedens ausströmen. Der Dalai Lama gehört zweifelsohne zu ihnen. Was genau Zufriedenheit ist, wie wir selbst sie erfahren und langfristig kultivieren und halten können, vermittelt der Dalai Lama in diesem Hörbuch. Es ist ein Wegweiser zu Glück und innerer Vollendung, ein Hörbuch, das zum ständigen Wegbegleiter werden kann.

Infos

Das Tibetzentrum (I.I.H.T.S Internationales Institut für Höhere Tibetische Studien) ist ein gemeinnütziger Verein. Es steht unter der Schirmherrschaft Seiner Heiligkeit des XIV. Dalai Lama. Es bietet ein authentisches Lehrprogramm im Bereich Höhere Tibetische Studien in Form von Seminaren, Vorträgen, Workshops, ein- und mehrtägigen Lehrgängen, Kulturveranstaltungen und Ausstellungen an. Ziel ist die Förderung des geistigen und körperlichen Wohlbefindens der Menschen sowie die Entwicklung von Glück und Frieden in der Welt. Darüber hinaus fördert das I.I.H.T.S. die menschlichen Werte Mitgefühl, Toleranz und universelle Verantwortung und setzt sich für die Erhaltung des kostbaren tibetischen Kulturerbes ein. Internet: www.tibetcenter.at

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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