Die Magie der Kanaren erleben: Gomera weist mit ihrer einzigartigen Natur immer wieder auf das Wesentliche hin und bietet viele Möglichkeiten, Yoga und Meditation zu praktizieren

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Kaum habe ich meinen Fuß von der Fähre gesetzt, da überkommt mich das Gefühl, dass ich hier gerne länger bleiben würde. Gerne würde ich hier mein Ich neu erleben, losgelöst von beruflichen Verpflichtungen, kollektiven Ängsten und gesellschaftlichem Druck. Kaum habe ich im Taxi das Hafengelände verlassen, da beginnt dieser Wunsch Gestalt anzunehmen. So, als hätte eine Wesenheit der Insel einen Schalter in mir umgelegt, fange ich unmittelbar an, mich auf das Wesentliche zu besinnen: auf mich selbst und die einzigartige Natur. In den nächsten zwei Wochen werde ich immer wieder Momente tiefer Faszination erleben, weil die wildromantischen Landschaften, die einzigartige Flora und die malerischen Ortschaften der grünen Insel mich zutiefst in meinem Herzen berühren.

Meine Unterkunft befindet sich in Playa de Santiago, im Süden von La Gomera. Dieses kleine Städtchen hat etwas Verschlafenes. Hier ist der rechte Ort, um Raum und Zeit hinter sich zu lassen und in die innere Stille einzutauchen, zu der man auf dieser Insel besonders leicht Zugang findet. Wer hier in Playa Santiago auf wilde Partys hofft, könnte enttäuscht werden. Wer aber auf den angrenzenden Hochebenen danach Ausschau hält, könnte fündig werden. Zumindest erzählt mir dies eine junge Frau. Hippies, Yogis und Naturliebhaber entfliehen dem kalten Winter und verbringen die kältesten Monate des Jahres hier zeltend an einem der nahegelegenen Strände. Was das Zelten betrifft, tut man jedoch gut daran, sich vorab zu informieren, wo es erlaubt ist und wo nicht. Denn die Strafen für Letzteres sind sehr hoch. Hier und dort wird es aber toleriert, wenn man niemanden stört. Fragen kosten nichts, und dies ist eine gute Gelegenheit, mit den Einheimischen der Insel in Kontakt zu kommen, die alle sehr freundlich und zuvorkommend wirken. Streng verboten ist das Zelten offiziell im Garajonay-Nationalpark und im Tal von Valle Gran Rey.

Gomera geizt nicht mit Schönheit, sondern überschüttet seine Besucher immer wieder mit fulminanten Ausblicken. Je mehr ich die Insel abseits der Touristenzentren erforsche, desto bewusster wird mir, dass diese Insel einzigartig ist. Ob ich an einem Strand faul in der Sonne liege, anstrengende Wanderungen durch unberührte Landstriche mache oder mit dem Auto eine Inselrundfahrt unternehme, immer wieder passiert es, dass ich innehalte und über Schluchten staune, die ins Meer hineinzustürzen scheinen, über Täler, die mit Dattelpalmen übersät sind, über einsame Strände mit schwarzem Sand und kristallklarem Wasser, sprudelnde Quellen, die mich rufen, bei ihnen zu verweilen.

Ich bedaure ein wenig, dass ich keine Biologin oder Ornithologin bin, denn es heißt, dass die 369,8-Quadratkilometer-Insel heute noch Arten beherbergt, die im Rest der Welt schon längst verschwunden sind. Aber auch ohne die Namen und Gattungen dieser sichtbaren und unsichtbaren Wesenheiten zu kennen, bin ich immer wieder entzückt und berührt bei ihrem Anblick und der Begegnung mit ihnen. Und immer wieder denke ich mir: Wer von einer solchen Einzigartigkeit und Schönheit unberührt bleibt, und wen kein inniges Glück überkommt, wenn er diese imposante Landschaft erlebt, der hat seine Seele längst in den virtuellen Welten verloren.

Laien wie ich können ihr Wissen übrigens erweitern, und zwar im luxuriös ausgestatteten Centro de Visitantes, das ganz in der Nähe des Parque Nacional de Garajonay liegt. Hier finden Wissbegierige einen großen, klar gegliederten botanischen Garten, Informationskarten und farbige Schautafeln zu Geologie, Klima, Flora und Fauna der Kanarischen Inseln.

Ein mystischer Wald aus Lorbeer

Etwas ganz Besonderes ist auch ein Besuch im tausendjährigen Lorbeerwald, der ein weltweit einzigartiges Ökosystem darstellt. Er gehört zum Garajonay-Nationalpark und konnte sich dank des gemäßigten Klimas der Insel über Jahrmillionen erhalten. Häufig erwartet die Besucher hier oben dichter Nebel. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt und auf einem der zahlreichen Wanderwege wandelt, der wird den unvergleichlich frischen Duft der Eukalyptusbäume und des wilden Lavendels erleben. Man sollte sich aber immer auf Regen und Kälte einstellen, denn das Wetter kann ganz plötzlich umschlagen. Und noch etwas: Auf den Wegen zu bleiben und einen Kompass bei sich zu tragen, wird allen ans Herz gelegt, denn immer wieder verirren sich Touristen in dem dichten Grün des Lorbeerwaldes. Kenner der Insel raten deshalb gerne zu geführten Wanderungen, die einen entweder für einige Stunden oder für mehrere Tage durch das ursprüngliche Eiland führen.

Ein königliches Tal für Alt-Hippies und Yogis

Die meisten Urlauber zieht es ins legendäre Tal des großen Königs, das Valle Gran Rey. Hier zaubern zahllose Palmen, farbenfrohe Gärten, malerische Badestrände und zahlreiche Terrassenfelder ein einzigartiges Flair. Diese besondere Komposition lockt jene Urlauber an, die es lieber alternativ oder spirituell haben. Früher galt das „Valle“ als Aussteigerparadies. Zahlreiche Deutsche haben sich hier niedergelassen und Pensionen, Restaurants und Cafés eröffnet. Manche davon halten sich schon seit über 20 Jahren. Besonders beliebt ist die Finca Argayall, was in der Sprache der Guanchen, der Ureinwohner der Kanaren, so viel bedeutet wie „Platz des Lichts“. In einer abgeschiedenen wilden Bucht am Ende des Valle finden hier auf einer 1,4 Hektar großen Farm verschiedenste Yoga- und Meditations-Retreats statt. Gegründet wurde Argayall im Jahr 1986 mit der Absicht, eine alternative, experimentelle und erfahrungsorientierte Lebensgemeinschaft zu schaffen. Heute leben hier rund 25 ambitionierte Menschen. Eine Alternative zur Finca bietet die Casa Blanca, das nur 5 Minuten vom Meer entfernt ist. Hier gibt es ebenfalls Meditationen, Qigong und Reiki-Sitzungen. Wer Augen und Ohren offen hält, der kann sich im Valle aber auch Einzelyogastunden nehmen, an kleinen Meditationsgruppen teilnehmen oder bei Vollmond tanzend zu sich finden. Schwarze Bretter mit zahlreichen Angeboten gibt es in verschiedenen Cafés und Restaurants. Wer diese nicht findet, braucht nur einen Touristen anzusprechen, der mit einer Yogamatte beladen entspannt durch den Ort flaniert.
Im Laufe der zwei Wochen erlebe ich viel mehr als anfangs gewünscht: Zwischendurch habe ich mein Ich sogar verloren, konnte sehen, wie es sich auflöste zwischen den Nebelschwaden des Lorbeerwaldes, sich als Tropfen mit dem Meer vereinte. Als ich den Fuß bei der Abfahrt wieder auf die Fähre setzte, war ich zwar einen Moment lang traurig, weil ich noch viel länger hätte hier bleiben wollen. Aber gleichzeitig war mir bewusst, dass ein Teil niemals von der Insel fortgegangen ist. Von hier nicht, und von keinem anderen Ort der Welt.

Tipps:

Yoga und Meditation
Besonders viele Yoga- und Meditationsretreats finden im Valle Gran Rey statt. Unbedingt ist hier die Finca Argayall zu nennen (www.argayall.com). Die Casa Blanca hält auch zahlreiche Angebote bereit. Zahlreiche Yogalehrer bieten saisonbedingt Yogaferien oder Einzelunterricht auf Gomera an. Hier empfiehlt es sich, vor der geplanten Reise im Internet nach aktuellen Angeboten Ausschau zu halten.

Wandern und wohnen
Auf Gomera gibt es so viele Wanderwege wie Unterbringungsmöglichkeiten. Ob einfache Spaziergänge oder mehrtägige Wanderungen, für jeden Anspruch finden sich zahlreiche Möglichkeiten. Ähnlich verhält es sich mit Schlafmöglichkeiten, die man dem eigenen Geldbeutel entsprechend anpassen kann: Ob Privatzimmer oder Biohotel, ob einfach oder luxuriös – für jeden ist etwas dabei. Die Website www.gomeralive.de bietet eine große Auswahl an Unterkünften, zeigt aber auch verschiedene geführte Wanderungen auf, die besonders zu empfehlen sind.

Wale und Delphine
Wer sich in der Tiefe seines Herzens berühren lassen möchte, der sollte eine Whale-Watching-Tour vor der Küste Gomeras auf keinen Fall verpassen. Immer wieder sind die Gäste zutiefst berührt, wenn die Tümmler aus dem dunklen Nass auftauchen. Sie scheinen sich unmittelbar in das Herz der Urlauber zu begeben. www.oceano-gomera.com/de

Vegetarisches und Veganes
Der vegan-vegetarische Trend ist mittlerweile auch auf Gomera angekommen, so dass es zahlreiche Restaurants, Cafés und Läden gibt, die diesen Trend bedienen. Besonders empfehlenswert ist die Tienda Naturalista Raiz im Valle Gran Rey, La Playa. Ein paar Meter weiter gibt es in der Tienda Ansiria verschiedene Gerichte mit Tofu.

Stille und Abgeschiedenheit
Wem es an der Küste zu laut und zu deutsch ist, der findet im Jardín Las Hayas einen wundervollen Ort der Stille und Einkehr. Die meisten Touristen, vornehmlich Wanderer, kommen hier vorbei, um sich mit einfacher, aber köstlicher einheimischer Kost zu stärken. Am Nachmittag wird es dann ruhig, und wer die Stille liebt, kommt hier auf seine Kosten. Die einzelnen Zimmer des kleinen Hotels sind liebevoll und individuell gestaltet. http://efigenianatural.comAnzeige

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.