In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Der Tantralehrer Saleem Matthias Riek gründete im vergangenen Jahr die „Schule des Seins“, nachdem er bereits 15 Jahre im Rahmen des „The Art of Being“-Instituts Seminare und Trainings rund um die Themen Liebe, Erotik, Partnerschaft und Tantra geleitet hat.

Er ist auch Autor mehrerer Bücher zu diesem Themenkreis. Derzeit sind weitere Buchprojekte in Arbeit. In seinen Seminaren liebt Saleem Riek es, einen offenen Raum zu schaffen, in dem auch Unvorhergesehenes geschehen kann und sich das Leben als unser wahrer Lehrmeister erweist. Internet:  www.art-of-being.de, www.herzensfeuer.info

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Sein mit dem, was ist, heißt, es zu lieben. Wir sind hier, um lieben zu lernen. Und um uns immer wieder daran zu erinnern, wenn wir glauben, anderes sei wichtiger.

Auf welche Ihrer Eigenschaften werden Sie lieber nicht angesprochen?
Ich tue mich nicht so leicht, spontan auf fremde Menschen zuzugehen. In meiner Tätigkeit als Seminarleiter können sich manche das nicht vorstellen und halten mich daher für unnahbar. Das höre ich nicht so gern. Aber eigentlich werde ich doch gerne direkt darauf angesprochen, weil es sich dann ja schon verändert.

Welchem Menschen würden Sie gerne begegnen?
Maria Magdalena. Ich würde zu gerne erfahren, wie sie Jesus erlebt hat und wie ihrer Ansicht nach ein Christentum aussähe, das auch von weiblicher Spiritualität durchdrungen wäre und in dem Sinnlichkeit und Sexualität keine religiösen Tabus wären.

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Was bedeutet Yoga für Sie persönlich?
Ich habe Yoga lange für einen Gegenpol zum Tantra gehalten, eher diszipliniert, weniger sinnenfroh. Inzwischen entdecke ich die gemeinsamen Wurzeln und schätze die yogische Klarheit und Konzentration auf das Wesentliche.

Was war Ihre tiefste Erfahrung während einer Yogastunde?
Wenn das Denken aussetzt und ich nur noch im momentanen Wahrnehmen bin. Das geschieht manchmal, ist aber nicht so spektakulär, dass ich eine einzelne Erfahrung herausheben könnte. Und wenn ich darüber nachdenke, ist es ja schon vorbei.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsasana?
Adhomukha-Shvanasana, der nach unten schauende Hund: Er stellt immer wieder auf wohltuende Weise meine Welt auf den Kopf.

Welches Asana mögen Sie überhaupt nicht?

Den Handstand (Adhomukha-Vrkshasana), weil ich ihn noch nie im Leben geschafft habe und auch wohl nicht mehr schaffen werde.

saleem-orange-seitlich-6-2010Ist Meditation für Sie wichtig?
Früher hielt ich Meditation eher für die Praxis, stillzusitzen. Diese Praxis wird weniger wichtig für mich. Meditation wird immer mehr zu meinem Gewahrsein inmitten aller Betriebsamkeit des Lebens, und dieses ist mir enorm wichtig.

Was geht Ihnen in der spirituellen Szene so richtig gegen den Strich?
Das Ausblenden der grundlegenden Polaritäten des Lebens wie Licht und Schatten. Unheilvolle Heilsversprechen, Patentrezepte, Personenkulte und plumpe Wünsch-dir-was-Spiritualität. Ich staune oft, dass immer noch viele Menschen bereitwillig die Verantwortung für ihre innere Entwicklung an einen Lehrer oder Meister abgeben.

Warum sind Sie hier auf der Welt?
Ich bin hier, um lieben zu lernen und andere dazu zu ermutigen, sich ebenfalls auf dieses Abenteuer einzulassen. Es geht nicht ohne Schmerz, aber es lohnt sich.

Wem oder was können Sie nicht widerstehen?
Italienischem Eis vom Feinsten. Kirsch-Schoko-Nusskuchen mit einer großen Portion Sahne. Einer üppigen Saunalandschaft mit Dampfbad. Sonntag-Abend-Tatort. Von meiner Partnerin mit allen Raffinessen verführt zu werden und allem, was darauf folgt.

Wer ist Ihr persönliches Vorbild?
Da bin ich immer noch auf der Suche und mir nicht sicher, ob es mir an Hingabe fehlt oder ich doch schon erwachsen genug bin, keinen Idolen mehr hinterherlaufen zu müssen.

Was braucht die Yogaszene in Europa Ihrer Meinung nach?
Als Tantriker fände ich es klasse, wenn Yoga und Tantra noch mehr zusammenfänden und Yoga noch sinnenfroher würde.

Wenn Sie bestimmen könnten, wie oder wo Sie wiedergeboren werden, was würden Sie wählen?
Ich las kürzlich ein Buch über den Staat Bhutan, der vom tantrischen Buddhismus inspiriert ist. Das wäre eine Option. Oder vielleicht doch lieber auf einer noch weitgehend unzivilisierten Insel in der Südsee? Ich bin selbst überrascht über die große Sehnsucht nach dem einfachen, unkomplizierten Leben, die darin zum Ausdruck kommt.

 

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