In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Max Strom ist der Begründer von „Sacred Movement Yoga“ in Los Angeles. Heute unterrichtet er weltweit Workshops und Fortbildungen und leitet Teacher Trainings.
 Er hat zahlreiche DVDs veröffentlicht, u.a. „Learn to breathe, to heal yourself
and your relationships“.

Max Stroms Unterricht wird bereichert durch seine Studien verschiedener asiatischer Weisheiten und seine Erfahrung im Umgang mit körperlichen Einschränkungen. Pranayama und Meditation sind wichtige Bestandteile seiner Workshops.
Internet: www.maxstrom.com Buchtipp: Max Strom: Das Herz des Yoga. Körper, Geist, Gefühle. Die drei Säulen der Transformation, Kailash 2011

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Der Titel würde wohl lauten: „Freude ist die Königsdisziplin!“ Früher habe ich spirituelles Wissen gesucht, dann habe ich persönlichen Ausdruck und Freude gesucht. Aber dann ist mir die Lebensfreude abhanden gekommen. Als ich Yoga entdeckt habe, floss Freude in mein Herz. Es schien mir, dass die Freude aber erst kam, als ich in der Lage war, die Vergangenheit und alle Erwartungen an die Zukunft loszulassen. Die Freude zu pflegen, erfordert ein gewisses Maß an bewusster Arbeit, um das Herz dafür zu öffnen und sich dafür zu entscheiden, das innere Licht auszugraben und scheinen zu lassen.

Auf welche Ihrer Eigenschaften werden Sie lieber nicht angesprochen?
Wann immer ich Gott vergesse und von den Machenschaften der Welt abgelenkt werde, verfalle ich in niedere Emotionen wie Ärger oder Angst. Dann wird es mir bewusst, und ich schäme mich dafür. Ich merke plötzlich, dass mir das passiert, atme tief durch und kehre zur Quelle zurück. Es passiert jedem, aber mir wäre es lieber, wenn es nicht so wäre.

Wem würden Sie gerne begegnen? Er oder sie kann auch schon tot sein …
Es sind so viele. Schwierig, mich für einen zu entscheiden. Ich würde jeden gern treffen, den wir als Meister, Messias oder Erleuchteten bezeichnen. Aber wenn ich mich nur für einen Einzelnen entscheiden müsste, dann wäre es Hazrat Inayat Khan (1882–1927). Er war ein Musterbeispiel eines Sufimeisters und hat im Jahre 1914 im Westen den Sufi-Orden gegründet. Die Art und Weise, wie er seine Botschaft von Einheit und Liebe verkündet hat, habe ich noch nie zuvor – und auch nie wieder danach – gehört. Seine Teachings handelten von Liebe, Harmonie und Schönheit und waren in einer Sprache formuliert, die außergewöhnlich war. Darüber hinaus war er verheiratet und kein Mönch! Dadurch waren seine Teachings auch für Menschen gedacht, die ein ganz normales Leben führen.

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Ist die formale Meditation wichtig für Sie?
Nein. Am Anfang hat Formalität ihren guten Zweck. Aber sobald man in einem Prozess fortschreitet, entdeckt man jeden Tag neue Feinheiten und passt sich den Anforderungen an den jeweiligen Moment an. Wenn man sich zu sehr an Formalitäten festhält, dann gefriert der Prozess, und dann ist er nicht mehr lebendig.

Gibt es etwas oder jemanden, dem Sie nicht widerstehen können?
Unsere 16 Jahre alten Katze Sadie. Wenn sie sich auf meinem Schoss in die Stellung der Glückseligkeit dreht, dann störe ich sie solange nicht, bis ich eine Verabredung habe und aufstehen muss – selbst dann nicht, wenn meine Füße einschlafen. Und das kann Stunden dauern. Sie hat Macht über meine Frau und mich.

Was bedeutet Yoga persönlich für Sie?
Es gibt eine alte Yogageschichte, die den Zweck unserer Arbeit erklärt. Ein Mensch ist wie eine brennende Kerze, die durch einen Korb bedeckt ist. Wir alle sind mit der gleichen Menge an Licht geboren, aber die anderen können nur ein flackerndes Licht durch den Korb sehen. Die Arbeit des Yoga besteht darin, den Korb Stück für Stück wegzunehmen, um unser Licht zu zeigen und zu helfen, die Welt zu erleuchten. Es ist das Gegenteil von Konsumverhalten; es geht um Rückzug und Sich-Zurücknehmen, nicht darum, etwas anzusammeln.

Was ist Ihr Lieblingsasana?
Der Königliche Tänzer, der auch Natarajasana genannt wird. Allerdings mit einem Gurt. Ich halte das Band mit beiden Händen über dem Kopf, bis ich mein angehobenes Bein berühre. Das andere Ende des Gurtes wickelt sich um meinen Fuß. Ich liebe diese Haltung, weil ich mich dadurch vollkommen fühle. Dadurch passiert so viel, nicht zuletzt eine große Herzöffnung, weil man die ganze Zeit in Balance stehenbleiben muss. Außerdem gefällt mir auch diese Metapher.

Gibt es auch ein Asana, das Sie überhaupt nicht mögen? Wenn ja, welches?
Als ich anfing, Yoga zu praktizieren, missfielen mir die meisten. Sie waren alle in vielerlei Hinsicht so anspruchsvoll.  Heute gibt es keins mehr, das ich nicht mag, weil ich weiß, dass besonders die schwierigsten Stellungen die meisten Früchte bringen. Sie beinhalten die größte Heilung. Der Schlüssel ist, freundlich und geduldig in den schwierigen Haltungen zu sein und sich nicht daran zu stören, dass sie schwierig sind. Wieder einmal ist die Metapher offensichtlich.

 

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