R. Sriram, geb. 1954 in Mayuram, Indien, ist Schüler von Sri T. K. V. Desikachar und unterrichtete mehrere Jahre am Krishnamacharya Yoga Mandiram in Madras. Seit 1987 lebt er in Deutschland und leitet ein Yogazentrum in der Nähe von Heidelberg. Er hat die Yogalehrervereinigung „Yogaweg“ gegründet, ist Referent beim Berufsverband Deutscher Yogalehrer und leitet seit Jahren Aus- und Weiterbildungen für Yogalehrer und Fortbildungen zur therapeutischen Anwendung von Yoga bei Kindern und Erwachsenen. Kürzlich erschien das neue Buch von ihm und seiner Frau: Heilende Klänge des Veda. Mantras zur Entspannung und Meditation, Theseus Verlag.
Internet: www.sriram.de
Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Höre mehr zu, als du sprichst. Um meinen Beruf auszuüben, ist das ein wichtiger Grundsatz, aber vor allem, um im Leben etwas mehr Mitempfinden zu entwickeln.

Auf welche Ihrer Eigenschaften werden Sie lieber nicht angesprochen?
Ich bin zu träge, um über sie zu sprechen!

Welchem Menschen würden Sie gerne begegnen? Er kann auch bereits verstorben sein.
In Indien dem großen Mystiker Sri Ramakrishna und in Europa dem Dichter Rilke.

Wenn Sie auf eine einsame Insel müssten, welche drei Bücher würden Sie mitnehmen?
Kommt darauf an, wann ich dahin müsste. Zurzeit sind es der Kommentar von Sri Ramanuja zur Bhagavad-Gita, „Freiheit statt Kapitalismus“ von Sahra Wagenknecht und „Die philosophische Hintertreppe“ von Prof. Wilhelm Weischedel.

Yoga bedeutet für Sie persönlich was?
Es ist eine sinnvolle Beschäftigung, die mich gesund hält. Es hilft mir, meine Daseinsfragen im Bewusstsein zu behalten. Zudem pflege ich durch das Üben des Yoga eine jahrtausendealte Tradition.

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Was ist Ihr persönliches Lieblings-Asana, und warum?
Sitzen, weil es im wahrsten Sinn ein Asana ist. Weil hier die Wirbelsäule, das Zentrum des Körpers und seiner wichtigsten Punkte, am besten spürbar ist. Weil ich das zweimal übe, am Anfang und am Ende jeder Übungseinheit.

Welches Asana mögen Sie überhaupt nicht, und warum?
Die Asanas, die ich üben kann, mag ich alle. Über die, die ich nicht ausführen kann, weil sie körperlich zu komplex sind, kann ich nichts sagen.

Ist Meditation für Sie wichtig? Wenn ja, warum?
Jawohl. Das Meditieren ist das Wesentliche am spirituellen Weg. Allein die Meditation schafft nachhaltigen Abstand zum ratiogesteuerten Dasein. Allein beim Meditieren spüre ich wirklich, was es bedeutet, Empfänger zu sein und nicht Besteller.

Was geht Ihnen in der spirituellen Szene so richtig gegen den Strich?
Die Szene gibt sich esoterisch und spricht gegen Materialismus. Sie scheint aber genau zu wissen, wie es geht, materiell gewinnbringend zu sein. Darin liegt etwas sehr Paradoxes. Die spirituelle Szene sucht Verstärkung durch rationale Antworten für Wahrheiten, die nicht in der Ratio begründet sind, Neurowissenschaften sollen die Prozesse der spirituellen Erfahrung erklären: ein wirklich großes Paradoxon.

Warum sind Sie hier auf der Welt?
Das frage ich mich täglich. Ich habe dazu keine Antwort. Ich erwarte es aber auch nicht, hierzu eine Antwort zu bekommen.

Wem oder was können Sie nicht widerstehen?
Guter Musik. Guten Nachspeisen. Räumen mit schöner Schwing­ung.

Wer ist Ihr persönliches Vorbild?
Tiere und Bäume. All das, was dem Menschen fehlt, um erleuchtet zu werden, kann er in der Tierwelt und in den Bäumen wiederfinden.

Was braucht die Yogaszene in Europa Ihrer Meinung nach?
Erstens mehr Konsequenz aus den Erfahrungen des Yoga. Zweitens die Bereitschaft zum Verzicht. Drittens die Anbindung an den Ursprung des Yoga.

Wenn Sie bestimmen könnten, wie oder wo Sie wiedergeboren werden, was würden Sie wählen?
Als Mensch, Tier oder Baum: in den hohen Bergen, am einsamen Ufer eines großen Flusses oder in der Wüste.

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