Yogimobil – das sind Kim Kassandra Schmid und Mark Schmid. Sie sind nicht nur Eltern einer Tochter, eines Border Collies namens Loki und von Yoda der Katze, sondern sie lieben auch Yoga und ihren kreativen Geist. 2016 haben die beiden Yogalehrenden einen alten, verrosteten VW-Bus gekauft und mit viel Liebe zum Detail restauriert. Dies war die Geburtsstunde von Yogimobil. Seither sind die beiden regelmäßig mit ihrem VW-Bus auf Tour und bringen Yoga so in die Welt. 2020 sind sie erstmalig eingeladen, auf der Yoga Conference Germany ihre Praxis vorzustellen. Ein schöner Anlass, die beiden zum Gespräch zu treffen.

Interview

Doris Iding: Was genau fasziniert euch so am Yoga?

Kim: Die fernöstliche Philosophie hat bereits früh in meinem Leben ihren Platz eingenommen. Nach dem Abitur habe ich einige Zeit in einem buddhistischen Kloster in Thailand verbracht, um mehr über Meditation und Philosophie zu lernen. Ich habe mich direkt angekommen und beschenkt gefühlt. Seit ich Yoga für mich entdeckt habe, transformieren diese Lehren mein Leben auf eine wundervolle Weise. Ich bin ausgeglichener, zufriedener und kreativer. Meine Yogapraxis ist mir heilig, sie ist meine Energiequelle und das Licht, welches meinen Weg erhellt.

Kim am Gong

Mark: Meine Yogapraxis bringt mich in Kontakt mit meinem wahren Wesenskern. Aus dieser intensiven Selbstreflexion gehen für mich immer wieder aufs Neue wichtige Erkenntnisse hervor. Yoga verhilft mir dazu, im Moment zu sein und das Leben in vollen Zügen zu genießen. Außerdem verbindet mich mein Yoga mit den Menschen. In unserer Yogimobil-Community fühle ich mich Zuhause.

Marc, was verstehst du unter „deinem wahren Wesenskern“?
Wir neigen dazu, uns zu sehr mit unseren alltäglichen Rollen zu identifizieren, und sind dadurch fremdbestimmt. In meinem Fall: Papa, Ehemann, Unternehmer, Sohn, Bruder etc. Unser Ego meldet sich und fordert uns auf, jedem und allem gerecht werden zu müssen – egal ob beruflich oder privat. Und das am besten: schneller, höher, weiter, perfekter. Durch meine Yogapraxis komme ich noch mal mehr in Kontakt mit meinen ganz eigenen intrinsischen Wünschen und Ideen. Verstrickungen, die durch das vorlaute Ego entstanden sind, können gelöst werden. So kann ich dem Alltag und meinen Aufgaben viel ausgeglichener entgegentreten.

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Was war für dich / euch eine tiefe innere Erfahrung, die euch das Gefühl vermittelt hat, dass ihr nicht nur Yoga praktizieren wollt, sondern es auch anderen Menschen vermitteln möchtet? 

Kim: Die Yogapraxis und vor allem das Studium der Schriften hat mir in einer Zeit der Trauer sehr geholfen. Mein Yoga hat mich gehalten und mich wieder Zuversicht finden lassen. Bei meinen Yogis ist der Wunsch entstanden sich den Yoga-Lehren in einem gemeinsamen Rahmen intensiver zu widmen. So wurde ich immer öfters darauf angesprochen, ob ich eine Yogalehrer-Ausbildung anbieten könnte. Durch die Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens, die mir mein Studium der Geschichte bereitgestellt hat, war es für mich gut umsetzbar die notwendigen Informationen für meine Schüler zusammenzustellen. Ich war überzeugt davon, dass wir durch gemeinsames Lernen alle von einer Ausbildung profitieren würden. So ist aus dem Wunsch meiner Schüler heraus das Yogimobil Teacher Training entstanden, eine Intensivausbildung, die ich als „Yoga-Infusion“ bezeichne. Transformierende Tage, die mich auch in meiner persönlichen Praxis jedes Mal unglaublich weiterbringen. Meine Schüler sind meine besten Lehrer.

Wie ist die Verbindung zum Klang entstanden, bzw. wo und wie hat der Klang euch besonders berührt?

Kim: Nach einem großen Verlust erlebte ich sehr dunkle Tage und habe mich regelrecht in einem blinden Aktionismus verloren. Ich übte zwar jeden Tag Yoga – Vinyasa Power Yoga – je anstrengender umso besser, aber agierte eben nur oberflächlich – im Außen. Ich war nicht in meiner Mitte und weit entfernt von einem erfüllten Dasein. Dieses Verlorensein wurde mir mehr und mehr bewusst und ich habe nach Werkzeugen gesucht, die mich wieder mehr in mein Inneres führen. Ich begann die Vedanta Philosophie zu studieren und habe eine alte Klangschale gefunden. Ich meditierte mit dem Klang und wurde tief berührt. Der Klang hat es geschafft, die Brücke zu meiner wahren Essenz wiederherzustellen. Von da an wollte ich natürlich mehr über Nada Yoga allgemein und die Wirkung der Klangschalen erfahren. Ich besuchte einige Aus- und Fortbildungen unter anderem bei Emily und Peter Hess, den Pionieren der Klangarbeit in Deutschland und bin bis heute fasziniert. Der Klang ist ein wichtiger Bestandteil unserer Yogapraxis.

Mark: Ich bin gelernter Kunstschmied und habe mich sehr schnell für diese wertvollen, goldenen Schalen begeistert. Ich habe Kim auf einige Fortbildungen im In- und Ausland begleitet und der Klang ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Unser Leben schwingt viel freudvoller und harmonischer.

Mark spielt die Klangschale

Was ist für euch das Besondere an der Verbindung von Klang und Yoga?

Mark: Beim Klang Yoga werden die Haltungen mit Klängen von Klangschalen, Gongs und Windspielen und auch von der eigenen Stimme begleitet. Die heilsamen Klangschwingungen wirken auf unseren feinstofflichen Körper, berühren tief und erreichen feinste Schichten der Wahrnehmung. Ich empfinde Asanas, Entspannung und auch die Meditation intensiver. Oft fühlen wir uns im Alltag gehetzt und fremdbestimmt. Klang Yoga unterstützt uns dabei, ganz bei uns anzukommen, tief in uns hinein zu spüren und unsere ganz eigene Bewegungsgeschwindigkeit wiederzuentdecken.

Kim: Eine Yogapraxis begleitet von Klang und Schwingung ist sanft, weich und heilsam. Der Klang hüllt uns ein und gibt uns den Raum, um ganz bei uns anzukommen. Asanas können viel intensiver erlebt und erspürt werden. Für mich kann eine Yoga-Haltung erst durch die Begleitung von Klang ihre wahren Qualitäten offenbaren. Der Klang führt uns durch die äußerliche Form, hin zum meditativen Geist einer Asana.

Und nun kommen wir zum „Yogimobil“. Was genau ist die Vision, die dahintersteckt?

Kim: Wir möchten möglichst viele Menschen inspirieren, Yoga zu praktizieren, und das in einer liebevollen Gemeinschaft, fernab von Ellbogenmentalität. Wir möchten, dass sich unsere Yogis gegenseitig unterstützen, gemeinsam Lernen und Yoga in die Welt bringen. Unsere Vision ist, dass Yoga für noch mehr Menschen Teil des Alltags wird.

Mark: Wir möchten Yoga für möglichst viele Menschen zugänglich machen und daher Yoga in seiner Vielfalt zeigen. So ist ein buntes und vielseitiges Workshop- und Fortbildungsprogramm im Saarland entstanden. 2020 werden wir das Yogimobil Studio eröffnen – ein Zuhause für alle Sinnsucher und Herzensmenschen, ein Ort des Austauschs und des gemeinsamen Wachsens. Und natürlich werden wir auch weiterhin mit dem Yogimobil unterwegs sein, reisen und Yoga zu den Menschen bringen.

Vielen Dank für das Interview!

Weitere Infos unter: www.yogimobil.de

 

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Doris Iding
Doris Iding ist Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin. „Selbstbewusstsein statt Selbstoptimierung“ spielen für sie die zentrale Rolle. Sie vermittelt, wie wir spielerisch und mit einem Augenzwinkern zu uns selbst finden können, ohne uns dabei in Oberflächlichkeiten zu verlieren. 18 ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.
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