In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Wie hat sich dadurch, dass Sie durch Yoga viel über die eigene Anatomie erfahren haben, Ihr Verhältnis zu Ihrem Körper verändert?

Maren Brand: Das Wissen über Anatomie hilft mir, die Asanas an sich besser zu verstehen. Gleichzeitig hilft mir das anatomische Wissen auch im Alltag, mich bewusster und gesünder durch den Tag zu bewegen.

Margit Karmann: Ich spüre kleine Veränderungen, wie z.B. Verspannungen, viel früher und kann sie durch Yoga dann meistens auch ganz gezielt auflösen. Das ist super! Ich habe durch Yoga sehr gut gelernt, was genau meinem Körper, so wie er nun mal ist, leichtfällt und was nicht, und kann diese Grenzen nach vielen Jahren Yoga auch viel leichter respektieren als früher. Darüber hinaus habe ich aber durch Yoga gleichzeitig intensiv erfahren, dass der Mensch so viel mehr als nur Anatomie ist: welchen Einfluss zum Beispiel die innere Haltung und gute Gedanken auf das Körpergefühl und auch auf die Ausführung der Asanas haben. Die Anatomie ist nur eine der Grundlagen für Yoga.

Lukas Jenker: Auch nach sechs Jahren intensiver Praxis entdecke ich noch immer neue Ecken an und in meinem Körper. Ich bin dann immer ganz erstaunt, was mit stetigem Üben alles möglich ist. Am Anfang war ich mir sicher, niemals den Kopfstand hinzubekommen, nach vier Jahren hat es aber doch geklappt. Ich nehme meinen Körper viel bewusster wahr und habe vor allem gelernt, dass Haltungsfehler wie Rundrücken, hängende Schultern oder gesenkte Füße kein Schicksal sind, sondern korrigiert werden können.

Die verkörperte Anatomie des Body-Mind Centerings®

Body-Mind Centering ist eine aus den USA stammende Körper- und Bewegungsarbeit, die alle Körpersysteme – so neben Muskeln und Knochen z.B. auch Organe, Drüsen und Nervensystem – einbezieht (vgl. Artikel von Anna Trökes aus YOGA AKTUELL Heft 62). Body-Mind Centering wird auch als „embodied anatomy“ bezeichnet. BMC-Ausbilder Jens Johannsen, der langjährige Erfahrungen mit der interessanten Methode hat, beschreibt diese für unser Dossier kompakt und prägnant:

An der Wurzel der Erforschung des eigenen Seins durch den Leib liegt im BMC® die Erfahrung des zellulären Bewusstseins. Jede Zelle unseres Körpers hat ein Gewahrsein ihrer selbst. Dieses ist entwicklungsgeschichtlich die Grundlage des Bewusstseins des Nervensystems. Die Bewegungsentwicklung beginnt lange bevor es um Körperbewegung oder Fortbewegung geht.

Im Body-Mind Centering® erfahren wir unsere Gewebe, ihre Funktionen und ihren Werdegang, erschließen uns Stück für Stück die Einzelheiten dieses komplexen und kostbaren Tempels. Mit den Mitteln der Körperreisen, Bewegungserforschung, Berührung und des intellektuellen Austauschs bereisen wir immer kleinere Regionen, bis zu subzellulären Bausteinen. In feiner Körperarbeit werden die Gewebe differenziert und integriert. Unterschiedliche Bewegungsqualitäten von Knochen, Muskeln, Drüsen, Flüssigkeiten usw. werden erlebt. Prioritäten und Herausforderungen werden sichtbar und als Möglichkeiten erkennbar, die auch geändert werden können. Feinste physiologische Vorgänge werden mit raumgreifenden Bewegungen integriert. Bewegungsqualitäten werden unterscheidbar, persönliche Präferenzen sichtbar, Lösungen für Problemstellungen liegen im Gebrauch bereit. BMC® ist eine liebevolle Praxis bewussten Lebens, in deren Rahmen der wertvolle Menschenkörper in allen seinen Aspekten erschlossen wird und alle Stimmungen und Qualitäten der verschiedenen Zentren und Funktionsaspekte in das Gesamtbild integriert werden. BMC® ist therapeutische Arbeit, weil undurchlässige Strukturen und ihre Zusammenhänge für die Persönlichkeit integriert werden. Anwendungsfelder finden sich in allen Therapieformen, in Tanz, Theater, Yoga, Sport, in der Arbeit mit Entwicklungsstörungen und vielem mehr.

Body-Mind Centering® wurde von Bonnie Bainbridge Cohen seit den 1970er Jahren entwickelt. Die Entwicklung schreitet immer noch voran. In den letzten Jahren ist ein detailgenaues Erfahren der menschlichen Embryologie hinzugekommen. Die Metamorphose des Körpers und seiner Anteile birgt eine unvergleichliche Schönheit und Komplexität in sich.

Infos

Jens Johannsen, Tänzer und Bewegungstherapeut, ist seit 1989 Practitioner und seit 1992 Teacher und Ausbilder in dieser Arbeit. Er hat lange Jahre Fortbildungen geleitet. Seit 2003 ist er leitend an weltweiten Ausbildungen beteiligt.
Die BMC®-Ausbildungen in Deutschland werden von moveus organisiert. Im Juni und November finden in Potsdam die ersten Bausteine der neuen Ausbildung statt, die später in der Eifel weitergeführt wird. Eine Embodied-Anatomy- und Yoga-Ausbildung endet dieses Jahr in Potsdam, mit Seminaren im April / Mai und im Oktober. Weitere Informationen, Links zu anderen Zentren und zur BMC®-Assoziation finden Sie unter  www.moveus.de.

  • Andrea Arden, 51 Jahre, Versicherungsfachwirtin aus Geldern
  • Maren Brand, 31 Jahre, Verlagsmitarbeiterin aus Bielefeld
  • Lukas Jenker, 40 Jahre, Redakteur aus Stuttgart
  • Margit Karmann, 40 Jahre, Dipl.-Pflegepädagogin aus Augsburg
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Doris Iding
Doris Iding ist Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin. „Selbstbewusstsein statt Selbstoptimierung“ spielen für sie die zentrale Rolle. Sie vermittelt, wie wir spielerisch und mit einem Augenzwinkern zu uns selbst finden können, ohne uns dabei in Oberflächlichkeiten zu verlieren. 18 ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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