Die Krise hat uns alle kalt erwischt. Sie hat uns mit unseren Ängsten und Verletzlichkeiten konfrontiert. Wie aber sind Yogalehrer damit umgegangen. Von ihnen wird gerne eine „weisere“ oder „yogischere“ Umgehensweise erwartet. Kann sein, muss aber nicht sein. Schließlich sind Yogalehrer auch „nur“ Menschen. Wir wollten von einigen Yogalehrern wissen, ob sie während der Krise Ängste hatten und wie sie damit umgegangen sind.

Sriram

Yogalehrer, derzeit in Indien

(c) Irene Niessen

Anjali und ich stecken fest in unserem Urwaldprojekt The BASE in Indien, ich kann meinen in drei Wochen ablaufenden Pass nicht verlängern, weil die Behörden noch geschlossen sind, und es gibt keinen Rückflug. Die Ungewissheit ist ärgerlich, von Angst kann ich nicht sprechen. Ich habe mich dem Thema Ungewissheit gewidmet. Die Ungewissheit macht nervös. Ich bemühe mich, sie anzunehmen, und widme mich den alltäglichen Gewissheiten. So kann ich dem Ärger und der potenziellen Angst Einhalt gebieten. Außerdem nehme ich wahr, dass die Ungewissheit der Zukunft schnell zu einer Verminderung der Aufmerksamkeit in der Gegenwart führt. Wir können uns hier gar nicht beklagen, da wir in einer Gegend sind, die nicht nur von Corona geschützt zu sein scheint, sie fördert geradezu die Verbundenheit mit der Natur und die innere Stille.

Mein Blick in die Zukunft? Ich werde wütend, wenn Politiker und Medien an den Begriffen Verzicht und Entbehrung vorbei gehen wollen. Es gibt für den Menschen keine Zukunft ohne diese beiden Werte. Zum Glück werden sie uns durch die Krise aufgezwungen. Und diejenigen, für die sie keine Werte sind, sondern Alltag, weil sie so arm sind, – sie sind die eigentlichen Verlierer der Krise. Ich hoffe, die Natur wird den Menschen auch zu mehr Gerechtigkeit zwingen. Ohne mehr Kontrolle über die konventionellen Wissenschaften und Politiker, die von der Geldlobby gelenkt sind, wird dies aber nicht passieren. Diese beiden Werte (Tapas und Apraigraha, jeweils ein Yama und ein Niyama des Yoga) mir bewusster zu machen, ist sicher Teil meines weiteren Yogaweges.
www.sriram.de

Tobias Holzinger

YOGA13, Stuttgart

Anzeige
(c) Christine Joos

Es gab ehrlich gesagt nicht die eine große Sorge, die dominiert hat. Das Ganze war eher ein Wechselbad der Gefühle bei mir. Am Anfang war es sogar ein bisschen erleichternd, in eine Zwangspause zu gehen, da auch das Yoga-Business und die Leitung eines Studios ein Fulltime-Job ist, bei dem man auch mal schnell in das sogenannte Hamsterrad gerät. Über die Zeit habe ich mir dann aber schon Sorgen gemacht, als man gemerkt hat, dass der Lockdown wohl doch eine längere Angelegenheit wird. Obwohl ich generell ein positiv gestimmter Mensch bin, ist ab und an die Angst in mir hochgestiegen, ob ich wollte oder nicht. Was mich in der Tat schon etwas beängstigt hat, war die Spaltung in der Gesellschaft, die durch die Pandemie stattgefunden hat. Es gab schnell viele unterschiedliche Theorien und Meinungen hierzu, was mich oft verwirrt hat, sodass ich irgendwann selbst nicht mehr so recht wusste, was richtig und was falsch ist. Es klingt jetzt vielleicht wie so ein abgedroschener Yogalehrer-Spruch, aber ich hatte trotz einiger Tiefs immer ein gewisses Grundvertrauen und habe versucht, die Situation so anzunehmen, wie sie ist, mit dem Gedanken, dass am Ende alles wieder gut wird. Ich bin der Meinung, dass nichts ohne Grund passiert und alles einen tieferen Sinn hat. Ich schaue positiv auf die Zukunft, denn jede Veränderung ist auch eine Chance, um Neues entstehen zu lassen.
www.yoga13.de

Christine Ranzinger

Yogalehrerin. Sie war während des gesamten Lockdowns in Indien.

(c) Nicolas Olonetzky

Ich bin unglaublich dankbar, dass ich diese Zeit hier am Long Beach in Gokarna verbringen durfte, und meine Energien auf mein neues Buch fokussieren konnte. Ich hatte hier Zeit, diesen Corona-Film zu betrachten und zu evaluieren, wo meine Position ist. Ich musste manchmal die Informationsflut aus dem Internet drosseln, damit ich mich nicht durch meine Gedanken vom Wesentlichen ablenke, oder nervös werde. Wesentlich war und ist für mich meine Praxis und den Raum für Kreativität zu „er-leben“ und in enger Verbindung mit der Natur zu sein. Ich fühle mich Zuhause. Ich muss nicht immer alles wissen, oder unmittelbar verstehen, was im Außen passiert. Ich denke mir einfach, dass schon alles seinen Sinn haben wird, einfach, weil es ist, wie es ist. Auf die Zukunft blicke ich entspannt. Was ist, ist. Ich versuche, im Augenblick präsent zu sein, freundliche Gedanken für meine Mitmenschen und mich selbst zu kultivieren und dabei ehrlich zu bleiben. Ich glaube, dass wir uns durch solch eine Ausrichtung den Grundstein für ein freundliches Miteinander legen, das unsere Zukunft kreiert. Diese Krise hat uns allesamt in einen Raum des Nichtwissens katapultiert, der manchmal schwer auszuhalten ist und uns Demut lehren kann. Den linearen Prozess der Reise betreffend sehe ich unendlich viele Möglichkeiten. Ich fokussiere mich lieber auf die Präsenz im Augenblick, auf die Reise nach innen. Mir geht es darum, das Leben zu empfangen und meine Wünsche in Gottes Hand zu legen bzw. mich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen, was für mich das Gleiche bedeutet. Ich bin gespannt, wie es sein wird, wenn ich nach dieser langen Zeit wieder in Deutschland bin. Ich möchte das Leben weiter als Abenteuer „er-leben“ und nehme die Ereignisse im Außen als Hinweis, wo ich noch Emotionen „durchlichten“ darf, die mich von meiner unmittelbaren Gegenwärtigkeit trennen. Ich möchte das Leben stets als Wunder empfangen und dankbar sein für jeden Atemzug.
www.yogashakti.de

Anastasia Shevchenko

Yogalehrerin und Veranstalterin der Berlin Yoga Conference

(c) Koko Yoga www.kokoyoga.de

Es gab eine Reihe von Ängsten, die vom Individuum und der Familie bis hin zu arbeits- und gemeinschaftsbezogenen Ängsten reichten. Auf individueller Ebene entschied ich, bevor wir durch wissenschaftliche Forschung [und es gab eine Menge Spekulationen und falsche Nachrichten] etwas über Covid-19 wussten, dass es für mich ok sein würde, selbst zu sterben, aber den Verlust eines geliebten Menschen zu erleben, wäre unerträglich gewesen. Meine größten Ängste galten meinen Kindern, da sie gerade erst diese Reise ins Leben angetreten hatten (mein Junge ist 5 und mein Mädchen 2 Jahre alt), und so war ich sehr erleichtert zu erfahren, dass sie nicht so sehr gefährdet waren. Natürlich denkt man dann an die älteren Mitglieder seiner Familie und dehnt diese Sorge auf die weitere Gemeinschaft anderer Familien in seiner Umgebung aus, man beginnt wirklich zu verstehen, wie wichtig es ist, das Gemeinwohl zu finden und soziale Verantwortung zu praktizieren. Was die Arbeit betrifft, so waren sowohl ich als auch mein Mann schwer betroffen. Beide Freiberufler, ich – die Yogalehrerin und Veranstalterin, er – der klassische Musiker und Leiter von Kunstfestivals, sahen wir uns einer großen Unsicherheit und einem erheblichen finanziellen Verlust gegenüber, der mit einer ganzen Reihe von Existenzängsten einhergeht. Wenn einem etwas so Mächtiges über die Füße streift, beginnt man sich außerdem zu fragen, welche Rolle man in einer Gesellschaft spielt und ob die Arbeit, die man leistet, wichtig für das Gemeinwohl ist und dem beabsichtigten Zweck dient. Um ganz ehrlich zu sein, haben wir beide unsere Berufswahl während des Lockdowns einige Male hinterfragt und sogar in Betracht gezogen, unsere Berufe zu wechseln und in Form einer sicheren Beschäftigung etwas mit mehr wahrgenommener Stabilität zu machen. 

Mein Blick in die Zukunft: Diese Pandemie war auf vielen Ebenen extrem herausfordernd und zerstörerisch, aber sie hat auch viele Lernergebnisse gebracht: über den Wert von Familie und Freunden, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu unterstützen; darüber, wie instabil und sich ständig verändernd das Leben wirklich ist, und dass alles jederzeit passieren kann – wir müssen uns von der Illusion befreien, dass wir alles kontrollieren, und doch haben wir die Macht, eine Sache zu kontrollieren – unsere eigenen Reaktionen und die Schwankungen unseres Geistes; über das, was im Leben wirklich wichtig und bedeutsam ist – die Liebe und was wir persönlich tun können, um die Last des Daseins mit mehr Licht, Leichtigkeit, Freundlichkeit und Mitgefühl zu tragen; die Bedeutung von Ruhe und Nichtstun – auch wenn dies finanziell gesehen einen hohen Preis hat; und schließlich die ultimative Schönheit hinter den geheimnisvollen Lebensweisen, bei denen sich die Dinge nicht so herausstellen, wie sie scheinen, und dass sie sowohl negative als auch positive Auswirkungen haben, egal, wie schrecklich etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt erscheinen mag.
Instagram: anasheyoga

Gudrun Kromrey

Begründerin von Yoga for Future

(c) A. Birresborn/VOLX YOGA

Mitte März war meine größte Angst, dass jemand sich in meinem Yogastudio anstecken könnte. Ich habe das Studio dann auch schnell geschlossen, Soforthilfe erhalten und bin selber bisher gesund geblieben. Zum Glück hatte ich schon vor einem Jahr mit VOLX YOGA ONLINE begonnen und nun ein großes Archiv an Online-Yogastunden und Meditationen aufgebaut. Das habe ich sofort und kostenfrei zur Verfügung gestellt. Jede Woche erhielten meine Teilnehmer darüber hinaus neue passende Yogaübungen, Meditationen und Aufmunterungen online … und haben das auch intensiv genutzt! Die Arbeit an den Online-Videos und meine verstärkte eigene Praxis – endlich war wieder mehr Zeit dafür! – hat mich durch diese Zeit getragen. Welch heilsame Geschenke Yoga und ein Garten sind, wird in solchen Situationen besonders deutlich. Jetzt ist mein Studio wieder mit Abstands- und Hygieneregeln geöffnet. Finanziell lohnt sich das nicht! Hinsichtlich der Zukunft finde ich es erstaunlich, zu erleben, dass die Weltwirtschaft zusammenbricht, wenn wir ein paar Wochen lang nur noch das kaufen, was wir wirklich brauchen. Das sollte uns zu denken geben. Und wie schnell sich die Umwelt, die Natur erholt, wenn wir Menschen uns ein wenig zurückziehen. Mein Blick in die Zukunft? Ich hoffe, dass zukünftig systemrelevante Produkte wieder mehr im eigenen Land produziert werden, dass unterbezahlte Berufstätigkeiten (zumeist von Frauen) aufgewertet und besser bezahlt werden, Privatisierungen von gesellschaftlich wichtigen Institutionen, wie Kliniken werden nun hoffentlich länger diskutiert, die Digitalisierung fast aller gesellschaftlichen Bereiche wird sich verstärken. Unser kollektives Gedächtnis hat sich verändert. Insofern hat sich unsere Welt schon jetzt sehr verwandelt.
www.yoga-for-future.de 

Sukadev Betz

Yogalehrer und Begründer von Yoga Vidya

(c) Yoga Vidya

Für mich persönlich hatte ich keine Ängste – allerdings große Sorgen für Yoga Vidya: Alle unsere Yoga-Vidya-Ashrams und -Zentren waren geschlossen. Fast 300 Gemeinschaftsmitglieder sowie Hunderte von Honorarkräften waren ohne Einnahmen. Insbesondere in unserem Ashram in Bad Meinberg mit 220 Gemeinschaftsmitgliedern war es eine große Herausforderung, wie wir Corona-gerecht leben können. Ich selbst und andere Gemeinschaftsmitglieder haben sich das Coronavirus eingefangen, nachdem der Ashram geschlossen war. Der Ashram stand unter Quarantäne. Viele Gemeinschaftsmitglieder waren in Zimmerquarantäne und mussten auf ihrem Zimmer versorgt werden. Die regelmäßigen Versammlungen, die täglichen gemeinsamen Satsangs, gemeinsame Rituale, jegliches physische Meeting, alles konnte nicht stattfinden. Wir waren eine spirituelle Gemeinschaft ohne physisches Gemeinschaftsleben. Und natürlich gab es die Sorge um die Gesundheit. Glücklicherweise sind seit Mitte April alle Corona-Infizierten wieder gesund und munter. Ich bin überzeugt: In jeder Krise liegt eine Chance. Zum einen haben alle Gemeinschaftsmitglieder sich gegenseitig unterstützt. Es war inspirierend zu sehen, wie alle sich umeinander gekümmert haben, wie Absprachen per E-Mail, Telefon, WhatsApp, Zoom etc. getroffen wurde. Zum Zweiten haben wir ein großes Programm von Live-Online-Seminaren und Workshops auf die Beine gestellt. Zum Dritten haben wir Spendenaufrufe gestartet, viele Zeitschriften haben diese veröffentlicht. Wir waren überwältigt von dem Zuspruch, den wir bekommen haben. Über 5000 Menschen haben gespendet und uns so geholfen, weitermachen zu können. Ich kann diesen Spendern gar nicht genug danken. Ich habe großes Gottvertrauen in die Zukunft: Irgendwie werden wir von einer höheren Kraft geführt. Sie wird uns auch weiter führen. Und Schritt für Schritt werden wir erfahren, was wir durch diese Corona-Zeit gelernt haben – und noch lernen werden.
www.yoga-vidya.de

Andrea Kubasch

Yogalehrerin und Gründerin der Power Yoga Institute Studios in Hamburg

(c) Marco Grundt Fotografie

Die größten Ängste sind natürlich neben der Krankheit, wirtschaftlicher Natur. Wir sind selbstständige Unternehmer, für die es im Grunde keine Absicherung gibt. Wenn ich meine Angst benennen kann, verliert sie ihre Macht über mich. Und das verändert dann auch etwas in meinem Gehirn: Im Kampf-Flucht-Erstarrungsreflex, der aus einer großen Angst entsteht, hat unser limbisches System uns voll in der Hand. Dadurch verlieren wir den Kontakt zu unserem präfrontalen Kortex, dem sich zuletzt entwickelndem Teil unseres Gehirns. Dieser hilft mir dabei, die Verantwortung für mich selbst und die Situation zu übernehmen und sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Was die Zukunft betrifft, so stelle ich fest, dass viele gerade Angst vor ihrer Sterblichkeit haben. Hier im Westen reden wir nur ungern und nicht viel darüber. Ich wurde im April neben Corona auch noch mit der Sterblichkeit meines geliebten Vaters direkt an meinem Geburtstag konfrontiert. Egal ob im Mikro- oder Makrokosmos: In diesen Zeiten ist es wichtig, das Thema Sterblichkeit, Trauer und Verlust in sich selbst zur Sprache zu bringen. Wenn Gewohntes und scheinbar Feststehendes zusammenbricht, ist es für jeden von uns eine intensive Zeit, weil Leid entsteht. Andererseits ist es aber auch eine Gelegenheit, das Herz aufzuwecken. Das ultimative Geschenk der Meditation und Yogapraxis ist, dass es mir hilft, in einen Raum der Präsenz zurückzukehren, der groß genug für alles ist, was mir begegnet. Und aus diesem Raum heraus kann ich so leben, wie ich am liebsten leben möchte.
www.poweryogainstitute.de

Florian Sprater

Yoga- und Kinderyogalehrer

(c) Privat

Ich bin Vollzeit-Yogalehrer aus München. Yoga ist meine Leidenschaft, meine Berufung aber auch die Tätigkeit, durch die ich meine Miete bezahlen kann. Durch meinen „Funktionieren-Modus“ konnte ich schnell kreative Ideen mit meinen Auftraggebern finden, um zumindest ein paar Einnahmen zu generieren, und es hat sich deutlich gezeigt, wer wirklich hinter mit steht und mich unterstützt. Oft hörte ich während des Lockdowns von Freunden und Bekannten: „Dir geht es in der Krise ja gut. Du machst ja viel – was ich so auf Facebook sehe!“. Aber meine Aktivitäten im „Funktionieren-Modus“ waren nur ein Teil der Geschichte. Der andere Teil hat mir als Perfektionist und Macher gar nicht gefallen: Ich hatte während des Shutdowns immer wieder Tage, an denen ich mich selbst nicht mochte. An denen ich starke Selbstzweifel an meinem Yoga@Work Onlinekurs, an meiner Art zu unterrichten hatte und auch Freundschaften infrage stellte. Ich fühlte mich nicht verstanden, nicht unterstützt und einfach allein. Aber dann merkte ich, dass es mir nicht zusteht, darüber zu urteilen, wie jemand in der Krise reagiert und mit der Krise umgeht. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich mich sehr über meinen Yogaunterricht und meine Yogaschüler definiere. Aber was fange ich mit dieser Erkenntnis an, und vor allem: Wie schaffe ich es, „gut genug“ zu sein? Ich habe einen tollen Tipp bekommen: Immer, wenn dieses Gefühl hochkommt, atme ich tief ein und aus und sage innerlich „ICH BIN GENUG“. Es ist erstaunlich, wie mein Körper auf dieses Mantra reagiert: Ich spüre, wie ich mich entspanne und Genugtuung in mir selbst finde. Rückblickend bin ich der Corona-Krise dafür dankbar, dass ich neue Gefühle entdecken und an ihnen wachsen durfte.
www.govinda.yoga

Mike Erler

Yogalehrer, Wilde Kerle Yoga

(c) Juice Media

Da es nur eine Viruswelle ist, hatte ich überhaupt keine Angst. Da ich in meinem Leben schon so einige Grippewellen miterlebt hatte, habe ich mir nicht viele Gedanken dazu gemacht. Als ich nach China geschaut habe, hatte ich allerdings ein ungutes Gefühl hinsichtlich ihrer Berichterstattung. Ich glaube, dass sie nur die Informationen herausgeben, die sie rausgeben wollen. Das ist aber meine ganz persönliche Sichtweise. Eigentlich sollte ich in Marokko ein Retreat leiten und war auch schon auf dem Weg dorthin, wurde aber nicht mehr durch den Check-in gelassen. Ich habe mir dann aber gedacht, dass es okay ist. Danach habe ich mehr recherchiert, konnte aber mit den Zahlen überhaupt nichts anfangen. Als dann der Lockdown kam, hatte ich das Gefühl, das mir Zeit geschenkt wird. Ich habe es als große Chance für mich selbst und auch für unsere Gesellschaft gesehen. Ich habe so viel Wunderschönes erfahren dürfen in dieser Zeit. „Meine“ Männer waren sehr solidarisch. Ich habe sie „live“ unterrichten können und das fand ich großartig. Ich habe auch die Zeit mit meiner Frau und in meinem Garten sehr genossen. Angst hatte ich nicht. Ganz im Gegenteil: Ich habe viel Liebe erfahren dürfen. Das war ein großes Geschenk. Gesellschaftlich betrachtet schaue ich mir in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten immer wieder die Veränderungen in der Gesellschaft an und habe das Gefühl, dass die Disbalance immer offensichtlicher wird. Ich trage einen Wunsch in mir, der sich durch die Krise noch einmal stärker ausformuliert hat: In meinen Augen hat es keinen Sinn, wenn wir uns gegenseitig als Aluhutträger bezeichnen. Wir haben es in der Hand, welchen Weg wir jetzt gehen wollen. Ob wir nur einigen wenigen dienen wollen, oder ob wir etwas Neues machen. Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft Schulter an Schulter zusammen in die Zukunft gehen und das Beste aus ihr machen.
www.mikeandmore.net

Anzeige
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments