Die positive Bilanz einer bekannten Optimistin mit Tiefgang, die mentales Glück allen Zynikern zum Trotz zu ihrer Lebenshaltung gemacht hat
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Nina Ruge gehört zu den bekanntesten Moderatoren Deutschlands. Im Laufe ihrer TV-Karriere moderierte sie zahlreiche verschiedene Sendungen, einem Millionenpublikum ist sie spätestens seit ihrer Co-Moderation beim „heute-journal“ und der Nachrichtenpräsentation bei „heute Nacht“ bekannt. Seit 1997 war Nina Ruge im ZDF mit dem Gesellschaftsmagazin „leute heute“ zu sehen. Die UNICEF-Repräsentantin ist auch auf dem sozialen Parkett sehr engagiert und hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter auch Kinderbücher.

YOGA AKTUELL:
Wann sind Sie das erste Mal mit Yoga/ Meditation in Kontakt gekommen?

Nina Ruge: Als Studentin! Ich habe an der TU Braunschweig im dritten Semester einen Yoga-Kurs des Hochschulsports belegt… und bin dabei geblieben.

Haben Sie einen bestimmten Lehrer bzw. eine bestimme Richtung, die Sie vorziehen?

N.R.: Nein. Ich hatte hier in München eine hervorragende Privatlehrerin, die mir ein Übungsprogramm zusammengestellt hat – das ich sehr brav bis zu meinem zweiten Bandscheibenvorfall durchgezogen habe. Seitdem musste ich allerdings sämtliche Übungen, die starke Drehungen der Wirbelsäule erfordern, streichen.

Praktizieren Sie regelmäßig?

N.R.: Nur noch das Sonnengebet – das aber jeden Morgen. Irgendwann schaffe ich es bestimmt, wieder mit einem umfangreicheren Programm ‚Fuß zu fassen‘ – dazu brauche ich aber einen Profi, der sich mit Bandscheibenvorfällen auskennt.

Wenn Sie regelmäßig praktizieren, wie wirkt sich Yoga auf Ihr Leben aus?

N.R.: Das Gefühl, meinen Körper gegen sämtliche Verspannungs- und Verkürzungsprozesse zu dehnen, hat mir als Büromensch besonders gut getan. Dazu kommt die bewusste und harmonisierende Atmung, die im Alltag ja fast nie Raum findet. Und obendrein hat mich die Kombination von Balance und körperlicher Kraft immer wieder fasziniert.

Haben Sie spirituelle Vorbilder?

N.R.: Ich lese relativ viel Literatur zu spirituellen Themen der verschiedensten Couleur – und picke mir das heraus, was zum Zeitpunkt der Lektüre gerade der beste Humus fürs Seelenwachstum ist.

Vorbilder aus Ihrem Leben?

N.R.: Es gibt einige wenige Menschen, von denen ich in dieser Hinsicht lernen kann – keine bekannte Namen. Großartige Persönlichkeiten.

Welches Buch hat Sie in den letzten Jahren am meisten berührt?

N.R.: Da gab es etliche. Von Ken Wilber »Eros, Kosmos, Logos« über »Gespräche mit Gott« und »Im Auge des Orkans« bis hin zum LOLA-Prinzip. Und jetzt habe ich bestimmt wichtige Bücher übersehen…

Welche Begegnung hat Sie am meisten inspiriert?

N.R.: Vielleicht die mit einem koreanischen Maschinenbauprofessor. Ich durfte als 19-Jährige meinen Vater auf eine Vorlesungsreise nach Korea begleiten – und sein dortiger Kollege, Prof. Lee, war ein heiterer, lebensbejahender und herzlicher Buddhist, der mir – die ich keine Ahnung vom Buddhismus hatte – diese Philosophie so authentisch und eindrücklich vorlebte, dass ich mich von dem Zeitpunkt an immer wieder mit östlichen Philosophien beschäftigt habe. Niemals werde ich vergessen, wie ich mit Prof. Lee einen Tempel in einer Höhle des Küstengebirges besucht habe.

Sie sind sehr viel unterwegs, wirken aber fit und entspannt. Wie halten Sie sich fit?

N.R.: Gesund essen, täglich Joggen, Stretchen, Muskeln trainieren – und mental glücklich sein. Mit dieser Haltung biete ich Angriffsfläche für Zyniker, aber das ist mir egal: Happiness is a daily decision.

Sie haben in München den Dalai Lama getroffen. Was hat Sie besonders an ihm beeindruckt?

N.R.: Er lebt das, was wir alle anstreben: Im Hier und Jetzt, und das auch noch auf eine ansteckende Weise heiter. Er ist außergewöhnlich umfassend gebildet – UND er wird nicht müde, uns daran zu erinnern, dass wir KEINE fernen Philosophien anderer Kulturkreise brauchen, um den richtigen Weg zu finden. Es ist alles da. Überall. Zu jeder Zeit. Ich muss nur bereit sein, es wahrzunehmen.

Bekannt geworden sind Sie durch den Spruch „Alles wird gut“. Wie kam dieser Satz in Ihr Leben?

N.R.: …offen gesagt: In der S-Bahn. Ich hatte schon länger darüber nachgedacht, wie ich mich denn in meiner neuen Sendung von den Zuschauern verabschieden könnte, schließlich würde ich ja ein bisschen mehr ‚persönlichen‘ Spielraum haben, da es sich nicht um eine harte Nachrichtensendung handelte. Mein Wunsch war, etwas Mutmachendes, Positives an den Schluss zu setzen, zugleich der Gefahr des zu Floskelhaften, auch des Kitsches zu entrinnen… und dann standen sie plötzlich da, an mich gelehnt: Diese drei Worte: ‚Alles wird gut‘. Ich wusste sofort: Das ist es.

Gab es eine Situation in Ihrem Leben, in der Sie das Gefühl hatten, dass nicht alles gut wird?

N.R.: Zunächst erstmal natürlich in politischem Sinne…. ist völlig selbstverständlich, dass nicht alles gut wird. Es wäre zynisch, naiv und verwerflich, diesen Satz außerhalb von persönlichen Belangen zu verwenden. Für mich selbst wurde, wenn ich zurückschaue, immer alles gut. Auch schmerzhafte Verluste, wie zerbrochene Ehen, hatten ihren Sinn – es war alles richtig und gut, wie es gekommen ist. In Frieden Abschied von meiner Mutter zu nehmen und dankbar zu sein für die Zeit, die wir miteinander hatten – das war vielleicht die größte Herausforderung.

Eine letzte Frage: Wenn Sie drei Wünschen hätten, welche wären das?

N.R.: Ich wünsche mir – sagen wir, dass sämtliche Sendemasten der Welt plötzlich und dauerhaft aufs Feinste entarten. Wie extrem starke Magneten wirken sie nun, die unsere tiefen Sehnsüchte umpolen. Ja, diese Magneten drehen, schwupps! die Richtung unserer Wünsche um: Anstatt immer und ständig ans Haben, Wollen, Kriegen zu denken, gerade auch, was die Währung Liebe angeht… beginnen wir, uns danach zu sehnen, geben zu dürfen, Freude und Heiterkeit zu verteilen, das Glück des Helfens zu erleben. Wow! Jetzt sagen Sie bloß nicht, das sei naiv. Wünschen darf man doch wohl noch, ohne gleich einen auf die Finger zu kriegen, oder? Außerdem denke ich: Das ist genug Stoff für drei Wünsche, oder?

Vielen Dank für das Interview.

Mehr Info: www.nina-ruge.de

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