Gitesh Ahuja designt spirituelle Schmuckstücke im Familienunternehmen und führt damit die Mission seines Großvaters fort: das Bewusstsein für die heilende Kraft von Edelsteinen und Malas weltweit zu verbreiten.

(c) Arthur Shakh-Nazarov

Im Gespräch mit YOGA AKTUELL erzählt er, wie vedische Astrologie hilft, den richtigen Stein zu finden und warum Gebetsketten nicht zwingend etwas mit Religion zu tun haben.

Nachdem Gitesh Ahuja am Gemological Institute of America in Kalifornien gelernt hat, teuren diamantenbesetzten Schmuck zu designen, besinnt er sich im familiengeführten Unternehmen im Norden Indiens auf die Tradition seines Großvaters zurück. Als Chefdesigner kreiert er vedische Edelsteinringe und yogische Meditationshilfen. Im Interview erzählt er von der gottgegebenen Gabe seines Großvaters, erklärt, warum Shiva Anhänger die Samen des Rudraksha-Baumes um den Hals tragen und gibt Tipps, wie man die perfekte Mala für sich findet.

Interview

YOGA AKTUELL: Om Prakash & Sons ist der älteste Großhändler von Malas und Edelsteinen und du gehörst zur dritten Generation im familiengeführten Unternehmen. Wie hat alles angefangen?

Gitesh Ahuja: Mein Großvater, Shri Om Prakash Ahuja, war seit seiner Kindheit fasziniert von der spirituellen Facette des indischen Lebensstils. Er verbrachte viel Zeit in Gesellschaft von Yogis und studierte die alten vedischen Schriften im Sivananda Ashram in Rishikesh. Zusammen mit Sadhus reiste er durch die Himalayas, hörte ihren Geschichten zu und hatte in Nepal Einblick in Bücher, die heute nur noch im Museum zu finden sind. Alles, was er dabei über Edelsteine und Rudraksha, die Perlen traditioneller Malas, lernte, hielt er in seinen Tagebüchern fest. Mit 16 Jahren hatte er ein immenses Wissen angesammelt, das zu dieser Zeit Sadhus und Astrologen vorbehalten war. In der heiligen Pilgerstadt Haridwar war Om Prakash dafür bekannt, einen Stein für Menschen auszuwählen, der ihnen in schwierigen Lebensphasen half und sie in ihren Zielen unterstützte – einfach, indem er die Person sah und ihre Energie spürte. Seine Gabe war ein Geschenk von Gott, könnte man sagen. Anfangs sammelte mein Großvater einfache farbige Steine aus dem Ganga, sogenannte Achate, die überall auf der Welt zu finden sind. Später handelte er neben Halbedelsteinen auch mit Edelsteinen und Rudraksha. 1973 gründete er das Unternehmen, das heute von meinem Vater und seinen drei Brüdern geführt wird. Mittlerweile sind auch mein Bruder Nitish und ich Teil des Familienbetriebs.

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Der Slogan des Unternehmens lautet „We believe the wonderful powers of malas, rudrakshas and gemstones belong to everybody“ („Wir glauben, dass die wunderbaren Kräfte von Malas, Rudraksha und Edelsteinen jedem gehören“). Was bedeutet das für dich?
Mein Großvater wuchs zu einer Zeit auf, in der Informationen zu Astrologie und spirituellen Wissenschaften unter Verschluss gehalten wurden. Nur eine Handvoll von Menschen hatte Zugang zu Literatur. Das machte es für gewöhnliche Menschen äußerst schwierig, sich der Kraft von Edelsteinen und Rudraksha bewusst zu werden und ihre Vorteile für das eigene Leben zu erkennen. Om Prakash war der Überzeugung, dass diese Kraftobjekte für alle Menschen bestimmt sind und das Wissen darüber nicht auf bestimmte Blutlinien oder Gemeinschaften beschränkt werden dürfte. Er glaubte, dass Edelsteine und Rudraksha in vergangenen Zeiten Teil unseres Lebens waren und die Welt ein friedlicher Ort werden würde, wenn jeder Zugang zu diesen Geschenken der Natur hätte. Und genau das legte den Grundstein für unsere Mission: das Wissen über die Kraft von Edelsteinen, Rudraksha und Malas verbreiten. Für mich bedeutet das heute nicht nur Menschen in Indien, sondern auf der ganzen Welt zu erreichen. Dank Social Media und unseres Onlineshops ist das so einfach wie noch nie. Am liebsten treffe ich meine Kunden aber immer noch persönlich. Seit einigen Jahren sind wir deshalb verstärkt auf Yoga Festivals zu finden, letztes Jahr zum Beispiel auf der OM Yoga Show in London und dem International Yoga Festival in Rishikesh. Außerdem haben wir mittlerweile ein großes Netzwerk an Partnern aufgebaut. Dazu gehören Yoga Studios, für die wir individuelle Designs anfertigen und die unseren spirituellen Schmuck in vielen Ländern anbieten, auch in Deutschland.

Du selbst trägst mehrere Edelstein-Ringe. Was für eine Bedeutung haben Edelsteine und was sind ihre positiven Effekte?
Edelsteine haben mich schon immer fasziniert. Am Gemological Institute of America habe ich die Mineralien studiert und gelernt, wie man daraus teuren Schmuck designt. Ich habe gemerkt: Edelsteine sind für viele Menschen im Westen in erster Linie seltene und kostbare Steine mit hoher Ästhetik. In Indien haben die Steine einen anderen Wert: Die vedische Astrologie besagt, dass es neun Planeten gibt, die eine Auswirkung auf den Menschen haben. Für jeden dieser Planeten gibt es einen vedischen Edelstein – Rubin für die Sonne, Perle für den Mond, Smaragd für Merkur, Diamant für Venus und so weiter. Das Horoskop eines Menschen – also die Konstellation der Planeten zum Zeitpunkt der Geburt basierend auf Datum, Uhrzeit und Ort, – gibt Auskunft über zukünftige Lebensereignisse und Chancen. Edelsteine sind das primäre Heilmittel für schwierige Lebensphasen und Herausforderungen: Indem sie die Strahlen und Schwingungen der Planeten absorbieren und reflektieren, stärken sie den jeweiligen Planeten und seinen Einfluss auf unser Leben. Aus diesem Grund sollte man nicht einfach irgendeinen Edelstein tragen, sondern den Stein auswählen, der dem Planeten mit einem positiven Stellenwert im Horoskop entspricht. Schließlich wollen wir unsere Freunde stärken, nicht unsere Feinde. Wer nicht weiß, welche der Planeten die persönlichen Glücksbringer sind, sollte sein Geburtshoroskop von einem qualifizierten vedischen Astrologen bestimmen lassen. Ich trage Perle, Rubin und gelben Saphir für Mond, Sonne und Jupiter, meine vorteilhaftesten Planeten. Neben der Wirkung auf die Planeten haben Edelsteine weitere metaphysische Effekte, die ihnen eine heilende Kraft geben. Trägt man beispielsweise einen Smaragd, stärkt man damit nicht nur Merkur, sondern auch Buddhi, den Intellekt und die innere Weisheit. Der Stein verhilft zu Klarheit, erleichtert es, Entscheidungen zu treffen, und hilft unter anderem bei Schlaflosigkeit. Halbedelsteinen wie Amethyst, Rosenquarz oder Türkis werden ebenfalls spezifische Heilkräfte zugeschrieben. Und das Gute ist: Diese Steine kann jeder tragen, anders als bei den neun vedischen Edelsteinen kann man hier nichts falsch machen.

Wie trägt man vedische Edelsteine und was gibt es dabei zu beachten?
Nachdem man den richtigen Edelstein anhand des Geburtshoroskops bestimmt hat, sollte man einen möglichst klaren und transparenten Stein auswählen. Je mehr Sonnenlicht er einfangen kann, desto stärker ist seine Wirkung. Der Edelstein sollte mindestens 3,12 Karat wiegen, so steht es in den vedischen Schriften. Je nach Stein kann das natürlich einiges kosten. Deshalb schlage ich Kunden bei Bedarf alternative Halbedelsteine vor, zum Beispiel weißer Opal anstelle eines Diamanten. Vedische Edelsteine werden klassischerweise als Ring getragen, jedem Stein ist ein bestimmter Finger zugeordnet. Am wichtigsten ist aber, dass der Stein in Kontakt mit der Haut ist, egal ob als Ring oder Kettenanhänger. Nur so kann er seine Wirkung entfalten. Ich empfehle, eine Intention zu setzen, den Stein das erste Mal mit einem positiven Mindset zu tragen und ihn 40 Tage lang nicht abzulegen.

Neben Edelstein-Schmuck designst du hauptsächlich Malas. Was macht die Perlenketten aus?
Eine Mala besteht aus 108 einzelnen Perlen und einer zusätzlichen 109. Perle, die als „Guru-Perle“ bezeichnet wird. In dieser Perle läuft das Band der Kette zusammen; häufig ist daran eine Quaste angebracht. Die Guru-Perle kann entweder mit einer bestimmten Intention bedacht oder dem Guru oder einer Gottheit gewidmet werden. Die Quaste repräsentiert Wissen und Weisheit. Warum es genau 108 Perlen sind, dafür gibt es verschiedene Interpretationen. Eine davon besagt, dass die einzelnen Ziffern 1, 0 und 8 eine Sache, nichts und alles repräsentieren. 108 steht also für die ultimative Realität des Universums, das gleichzeitig Eins, Leere und Unendlichkeit ist. Eine andere Begründung hängt mit den Chakras zusammen: Der Weg zur Selbsterkenntnis führt über 108 Energielinien, die im Herzchakra zusammenlaufen.

Mala-Hersteller bei der Arbeit, (c) Svenja Schnüll

Malas werden auch als Gebetsketten bezeichnet. Muss man religiös sein, um eine Mala zu nutzen?
Die Mala ist ein Hilfsmittel, das man in das eigene Leben und die tägliche Praxis integrieren kann, um sich zu zentrieren und ausgeglichener zu werden. Mit Religion muss das nichts zu tun haben, es geht in erster Linie um die persönliche innere Reise auf dem Weg zur Selbsterkenntnis. Yogis nutzen Malas seit jeher für die Japa Meditation, das Aufsagen von Mantras. Zu diesem Zweck stellen wir Malas für alle großen Yoga-Organisationen und Ashrams her, wie beispielsweise Ammas Amritapuri Ashram im Süden Indiens, Moojis Ashram in Portugal und die Sivananda Yoga Vedanta Zentren weltweit. Bei der Japa Meditation wird je eine einzelne Perle zwischen Daumen und Mittelfinger gehalten – der Zeigefinger steht für das Ego und wird nicht benutzt. Von der Guru-Perle aus lässt man die Perlen der Mala eine nach der anderen durch die Finger gleiten und wiederholt dabei in Gedanken oder laut ein Mantra. Nach 108 Mal erreichen die Finger wieder die Guru-Perle. Um eine weitere Runde zu meditieren, wird einfach die Richtung geändert und von vorne angefangen, – ohne die Guru-Perle zu überschreiten. Diese simple Übung nimmt nur ein paar Minuten des Tages in Anspruch und hat trotzdem große Effekte: Sie steigert die Konzentration, bereitet den Kopf auf die stille Meditation vor und ist ein Mittel, um sich zu erden. Meditation ist natürlich kein Muss. Auch das Tragen von Malas wirkt sich positiv aus, beruhigt den Geist und schafft inneren Frieden. Die Mala kann als Kette um den Hals getragen oder um das Handgelenk gewickelt werden.

Welche Materialien nutzt du für deine Mala-Kreationen?
Klassische Malas bestehen aus Rudraksha. Der Name bezeichnet die Samen, die aus der Frucht des Rudraksha-Baumes gewonnen werden. Der Geschichte nach war Rudra eine frühe Form Shivas. Nach jahrelanger Askese überkam ihn ein starkes Mitgefühl für die menschliche Verfassung. Er öffnete seine Augen und Tränen der Empathie fielen auf die Erde, aus denen der Rudraksha-Baum spross. Die Samen der blauen Früchte werden seitdem als Segen Shivas von seinen Anhängern um den Hals getragen. Rudraksha ist einer der teuersten Fruchtsamen der Welt – je nach Alter und Qualität kann ein Samen von ein oder zwei Cent bis hin zu 20.000 Euro kosten. Für meine Kunden designe ich sowohl teure Rudraksha-Malas in Gold als auch einfache Varianten für fünf oder zehn Euro. Traditionell nutzen unterschiedliche Gemeinschaften unterschiedliche Materialien als Mala-Perlen: Vishnu Anhänger gebrauchen Perlen aus Tulsiholz, Buddhisten bevorzugen Sandelholz. Je nach Inspiration oder Kundenwunsch mixe ich gerne traditionelle Hölzer oder Samen wie Rosenholz, Rudraksha oder Lotussamen mit Halbedelsteinen. Mittlerweile habe ich rund 4000 Malas designt, die sich auf eins der sieben Chakras beziehen, bestimmten Göttinnen und Göttern gewidmet sind oder einen der vedischen Planeten stärken… Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt! Meine Vision ist es, jedes Jahr neue Edel- und Halbedelsteine in unser Portfolio aufzunehmen. Zurzeit stehen uns 80 verschiedene Steine für die Kreation von Malas zur Verfügung – wenn es 108 sind, stelle ich eine Mala mit 108 verschiedenen Steinen her.

Wie findet man bei all den Steinen und Designs die perfekte Mala?
Am wichtigsten ist es, auf die eigene Intuition zu hören. Wer die Malas mit offenem Herzen und Geist betrachtet, findet schnell heraus, was resoniert. Unser Motto lautet: Lass die Mala dich aussuchen! Und häufig ist es tatsächlich so, dass Menschen sich ohne ersichtlichen Grund zu einer bestimmten Kette hingezogen fühlen. Wenn sie dann die Beschreibung der Eigenschaften und Heilkräfte lesen, sagen sie oft: Genau das habe ich gesucht!

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Gitesh Ahujas handgeknüpfte Mala-Kreationen und vedischer Edelstein-Schmuck sind im Geschäft in Haridwar in Nordindien zu finden sowie im Onlineshop. Über aktuelle Designs und kommende Events und Yoga Festivals wird regelmäßig auf Facebook und Instagram informiert.

www.omprakashandsons.com / @omprakashandsons

 

 

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Svenja Schnüll
Svenja Schnüll interviewt als freie Journalistin Menschen, die ihre Herzensprojekte verwirklichen und sich leidenschaftlich für ihre Vision einsetzen. Ihren Hintergrund in International Business Management, Journalismus und Kommunikation verbindet sie mit ihrer Begeisterung für Yoga, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit.
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