Tri Yoga ist ein dynamischer Ansatz, der versucht, den spontanen Prana-Fluss zu erwecken, indem Yoga-Haltungen, Atmung und Bewegung in einem fortwährenden meditativen Tanz verschmelzen

An einem Abend in den frühen achtziger Jahren lag Kali Ray zusammen mit einigen ihrer Freunde auf dem Wohnzimmerboden, als sie an der Basis ihrer Wirbelsäule plötzlich ein weißes Licht zu visualisieren begann, das langsam emporstieg.

Ray hatte zuvor nie übermäßig viel Asana-Haltungen praktiziert. Ihre Jahre intensiver Yoga-Praxis (wie z.B. mit dem Meister Baba Hari Das) widmete sie hauptsächlich der Praxis der Meditation, des Pranayama und dem Studium metaphysischer Schriften. Hatha-Yoga übte sie gerade nur soviel, dass sie einigermaßen bequem längere Zeit in Meditationshaltung verbringen konnte. Deshalb war sie natürlich sehr erschrocken, als an jenem Abend bereits nach kurzer Zeit der Meditation eine Woge der Energie durch ihren Körper schoß, welche wie von Zauberhand ihr Beine empor schnellen ließ und sie von alleine in den Schulterstand drehte, um sie kurze Zeit später elegant in die Fisch-Haltung (Matsyasana) zurückzurollen. Binnen der darauffolgenden Stunden wurde sie von einer geheimnisvollen Macht, die Kundalini-Shakti genannt wird, durch eine fließende Serie von ungewöhnlichen Körperstellungen getrieben, während ihre Freunde staunend daneben standen. Ihr Atem verlief rhythmisch und tief; ihre Hände bildeten spontan eine Vielzahl von Mudras und sie fühlte sich, als ob sie in einem Meer der Glückseligkeit schwimmen würde.

In den weiterfolgenden Jahren tauchte sie immer tiefer in diese Erfahrung ein, die im Sanskrit als Kriyavati bekannt ist, der spontanen Bewegung von Prana oder Energie. Auf das Drängen ihrer Schüler hin, begann sie schließlich diese fließenden meditativen Bewegungen zu lehren und erschuf ein umfassendes System, dem sie den  Namen “Tri Yoga” gab.

Eva-Maria Beck, selbst Schülerin von Kali Ray, sprach für Yoga Aktuell mit der ungewöhnlichen Yoga-Meisterin im sonnigen Malibu in Kalifornien.

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Yoga Aktuell: Wer ist Kali Ray?

Kali Ray: Es ist der Name, unter dem Kaliji bekannt ist.

Yoga Aktuell: Und wer ist Kaliji?

Kali Ray: Kaliji ist eine Kurzform des vollständigen Namens, der von Sri Ganapathi Sachchidananda Swamiji gegeben wurde… Kali Lakshmi Deviji.

Yoga Aktuell: Am 5. Januar 2000 feierten Sie den 20. Jahrestag von Kali-Ray-Triyoga. Bitte erzählen Sie uns, was vor 20 Jahren geschah.

Kali Ray: Am 5. Januar 1980 teilte Kaliji mit Freunden eine Meditations- Methode, in der man sich auf die Bewegung der Kundalini von der Basis der Wirbelsäule hinauf zum Scheitel konzentriert. Gleich nachdem sie sich die Energie vorgestellt hatte, begannen sich ihre Hände, geführt durch die Kraft der Kundalini, spontan durch eine Reihe von Hand-Mudras zu bewegen. Die Hände tanzten mit der Energie, die aus ihnen herausfloss. Das Göttliche hatte von ihnen Besitz ergriffen, dann von ihrem Atem und schließlich von dem ganzen Körper. Für einige Stunden floss der Körper fehlerlos durch schwierige Muster von Yoga-Körperstellungen. Einige sind der Welt des Hatha-Yoga bekannt, andere nicht.

Von diesem Tag an hat diese innere Kraft Kaliji bislang durch 108 Serien geführt. Durch Hunderte von Mudras, Atemsequenzen, Konzentrations- und Meditationspraktiken. Dieses glückselige Wissen ist nun das Herz der Triyoga- Philosophie.

Yoga Aktuell: Was haben Sie vor dieser Erfahrung gemacht?

Kali Ray: Vor welcher Erfahrung? Kaliji war schon immer ein Yogi. Vor diesem Erwachen der Kundalini hat Kaliji schon seit ihrer Kindheit meditiert und ihr Leben yogischen Praktiken gewidmet. Hatha-Yoga hatte sie weder praktiziert noch war sie daran interessiert. Nachdem jedoch diese Erfahrung begonnen hatte, tauchte ihre Liebe auf ganz natürliche Art und Weise zu dieser Form von Yoga auf.

Yoga Aktuell: Was bedeutet “Tri”?

Kali Ray: Dreieinheit. Die ganze Schöpfung ist ein Ausdruck der Dreieinheit. Die Yogis gebrauchen die Sanskrit-Worte Sat Cit Ananda, um die drei Qualitäten der Seele auszudrücken. Das sind Wahrheit, Wissen und Glückseligkeit. Die Dreieinheit manifestiert sich auch als die drei Körper, welche die Seele umgeben, und ebenso als die drei Energien des Geistes: Sattva (Gleichgewicht), Rajas (Aktivität) und Tamas (Stabilität). Dies sind nur ein paar Beispiele der Dreieinheit.

Yoga Aktuell: Was sind Triyoga-“Flows”?

Kali Ray: Triyoga-Flows stammen von Devi, der Göttlichen Mutter. Es ist eine systematische Methode, die das ganze Spektrum traditioneller Yoga-Praktiken einschließt. Triyoga’s Hatha-Yoga-Methode, Triyoga-Flow, ist die Vereinigung von Yoga-Stellungen, Atmung und Zielgerichtetheit, das sind Asanas, Pranayama bzw. Mudras.

Kaliji hat die “Flows” nach Schwierigkeitsgraden (Stufen) systematisiert, von grundlegend bis fortgeschritten. Diese Einteilung basiert auf diesen fortlaufenden Erfahrungen von spontanem Hatha-Yoga, in den yogischen Texten als Kriyavati bekannt: spontaner Hatha-Yoga aufgrund der erwachten Kundalini. Kriyavati, also die Manifestation der Kundalini auf der Ebene von Hatha-Yoga dauert bis zum heutigen Tag an, mit neuen Sequenzen und “Flows”, die während der Meditation auftauchen. Kriyavati ist übrigens nicht das gleiche wie ein intuitiver “Flow”, die manche pranathana nennen. Zu unterscheiden sind systematische Annäherung, intuitiver “Flow” und Kriyavati.

Jede Stufe und jede Serie bereiten den Übenden auf die nächste Stufe und die nächste Serie vor. Dabei nehmen Flexibilität, Stärke, Ausdauer und die Kenntnisse über die “Flows” zu.

Eine Serie ist eine vorgeschriebene Sequenz von fließenden und gehaltenen Körperstellungen. Jede Stufe beinhaltet fünf aufeinanderfolgende Serien, um alle Körperstellungen für diese Stufe zu unterrichten.

Man beginnt mit “Basics”, den Basis-Klassen. Danach wechselt man, sofern bereit, weiter zu Stufe 1, dann zu Stufe 2 und so weiter. Eine korrekte Einhaltung der Sequenzen bietet den maximalen Nutzen der Übungsreihe.

Hat man eine Serie ausgiebig studiert, indem man immer wieder zu den selben Abfolgen zurückkehrt, dann vertiefen sich die fühlbaren Ergebnisse.

Yoga Aktuell: Und die Serien sind in Frühling, Sommer, Herbst und Winter unterteilt?

Kali Ray: Ja, dies ist der systematische Weg, um in einem Triyoga-“Flow” voranzuschreiten. Der Frühling enthält sanfte Serien, um den Körper wach zu machen. Der Sommer bietet kräftigende und erhitzende Serien. Der Herbst steht für vertiefende Dehnungen, für das Ernten der Früchte. Der Winter enthält Serien, um die Aufmerksamkeit nach Innen zu vertiefen.

Yoga Aktuell: Worin liegt der Unterschied zu anderen Yoga-Methoden?

Kali Ray: Triyoga steht in der Tradition der ältesten Form von Yoga. Schließlich ist er durch den inneren Fluss der Kundalini oder universellen Lebensenergie inspiriert. Somit bringt er die Eingebung des Yoga aus alter Zeit ins 21. Jahrhundert. Wie bereits gesagt, es ist eine systematische Methode, die das breite Spektrum traditioneller Yoga-Praktiken einschließt. Einzigartig sind die wellenartigen Bewegungen mit der Wirbelsäule und die fließenden Übergänge von einer Stellung zur nächsten. Da die “Flows” nach Stufen systematisiert sind, kann die Übung so sanft oder so herausfordernd wie gewünscht sein.

Wie bereits erwähnt, die Triyoga-“Flows” sind eine vollständige Hatha-Yoga-Methode. Es ist die Vereinigung von Körperstellungen, Atmung und Zielgerichtetheit – das heißt Asanas, Pranayama bzw. Mudras. Die Übenden schreiten systematisch von grundlegend bis fortgeschritten weiter, da sich ihre Flexibilität, Kraft, Ausdauer und Kenntnisse vergrößern.
Der Übende ist sich stets aller Aspekte der Triyoga-Praktik bewusst, und so taucht der innere Fluss auf natürliche Weise auf. Diese Praktik der Dreieinheit ist vom Wesen seiner Entwicklung her zutiefst meditativ und transformierend. Sie fördert die Gesundheit und Weisheit, die Entspannung und den inneren Frieden. Sie bringt Reichtum auf der physischen, mentalen und spirituellen Ebene.

Yoga Aktuell: Und was bedeutet “im Fluss sein”?

Kali Ray: Man muss den richtigen Handlungen folgen, zu denen uns das innere Selbst, bekannt als kosmische Energie, führt.
Die “Flows” werden begleitet von heilender Musik, komponiert von Mercury Max. Was ist so besonders an seiner Meditationsmusik, und was bedeutet es, dass diese Musik speziell für die “Flows” komponiert wird?

Mercury Max ist Meistervokalist, Musiker und Komponist. Sein Leben ist der Musik gewidmet, und seine magische Musik begleitet Triyoga und hilft, Körper und Geist zu entspannen. Mercury ist ein wahrer Nada-Yogi, einer, der durch seine Meisterschaft, was Klangvibrationen angeht, erbaut und die Inspiration für alles, was gut ist, heraufbeschwört. Von altertümlichen Gesängen, über Kirtan, dem gemeinsamen Rezitieren, Singen und Tanzen zu Ehren Gottes bis hin zu seiner genialen westlichen Musik – die Alchemie von Musik und Yoga weckt in dem Suchenden das Bewusstsein von höheren Sphären ewigen glückseligen Wissens: Sat Cit Ananda.

Yoga Aktuell: Jeden Samstagabend bieten Sie Satsanga in Malibu an, und Satsanga ist auch Bestandteil Ihrer Workshops. Was ist daran so wichtig?

Kali Ray: Satsanga beinhaltet Singen, Philosophie und Meditation. Satsanga kommt ebenfalls aus dem Sanskrit und bedeutet: mit solchen zusammenzusein, die einen positiven Lebensstil suchen. Es ist inspirierend, Zeit zusammen zu verbringen und auf Yoga konzentriert zu sein. Alle spirituellen Wege sind von diesem Konzept durchdrungen.

Yoga Aktuell: Gibt es einen kreativen und therapeutischen Aspekt im Triyoga?

Kali Ray: Wie schon gesagt, ist Triyoga unmittelbar inspiriert von der kreativen Energie, bekannt als Kundalini. Wenn man Triyoga systematisch praktiziert, hat er auch therapeutische Wirkung.

Yoga Aktuell: Der traditionelle Hatha-Yoga betont sehr die Entspannungsphase zwischen den einzelnen Asanas. Oft wird ihr eine größere Bedeutung beigemessen als den Haltungen selbst. Dem Blutkreislauf wird dadurch Gelegenheit gegeben, ausgelöste Gift- und Abfallprodukte abzutransportieren. Wann findet diese Phase im Triyoga statt?

Kali Ray: Im Triyoga geschehen Atmung und Bewegung synchron. Mit jeder Ausatmung werden Giftstoffe freigesetzt. Mit jeder Einatmung wird Sauerstoff in die Zellen gebracht. Die wellenartigen Bewegungen mit der Wirbelsäule, die den “Flows” eigen sind, stimulieren diesen kraftvollen und verjüngenden Tanz. Es ist Entspannung in Aktion. Die Bewegung ist perfekt im Paar der Gegensätze ausgewogen, einerlei, ob es sich um Flexibilität und Kraft, Asanas und Kriya, oder “Flow” und Yoga-Nidra handelt.

Yoga Aktuell: Sie haben 108 Serien kreiert. Was ist so wichtig an der Zahl 108?

Kali Ray: Zuerst einmal müssen Sie verstehen, dass die Kriyavati-Erfahrungen die 108 Serien kreierten. Kaliji ist eine Zeugin dieser Manifestation. 108 symbolisiert die Zahl der Vollkommenheit. 1 plus 8 ergibt 9. Die Zahl neun hat schon immer die spirituelle Schwingung in der Nummerologie repräsentiert. Im Yoga hat die Zahl 108 viele Darstellungen. Ursprünglich gab es 54 Töne im Alphabet des Sanskrit. Addiert man 54 zweimal, so ergibt sich die Zahl 108, genau soviel, wie wir an der Mala (Rosenkranz) zählen, die 108 Perlen hat. Pranayama-Yogis haben auch gesagt, wenn ein Yogi nur 108 Atemzüge am Tag macht, erweckt dies das Bewusstsein.

Yoga Aktuell: Sie führten Hunderte von Hand-Mudras in 3 Tagen aus. Wie werden die Mudras in die “Flows” integriert?

Kali Ray: Im Jahr 1980 begann die Anmut der Kundalini, Kaliji’s Hände durch Hasta-Mudras (Handgesten) zu bewegen. Und dann, vor drei Jahren während einer Meditation, wurden ihre Hände erneut von der Kundalini durch Hunderte von Handgesten über einen Zeitraum von drei Tagen geführt. Glücklicherweise wurden Fotos gemacht, während dies geschah, insgesamt 800 Fotos! Es war wie ein Wunder zu beobachten, Hunderte von Hand-Mudras erschienen innerhalb dieser drei Tage, und es gab nicht eine Wiederholung! Hasta-Mudras sind sehr mächtig und einzigartig. Sie repräsentieren das Sri Cakra. Jedes Mudra arbeitet mit speziellen Nadis, Leitbahnen von Prana. Hasta-Mudras erlauben einem, mit dem Göttlichen zu kommunizieren.
Während der “Flows” sind die Hände auch in einer speziellen Ausrichtung. Genauso wie der ganze Körper die natürliche Ausrichtung in der Yoga-Stellung einnimmt, tun es die Hände. Eine Stellung ist nur vollständig mit dem vorgeschriebenen Hasta-Mudra.

Yoga Aktuell: Was ist das Sri Cakra?

Kali Ray: Es wird auch Sri Vidya genannt, das Cakra des höchsten Wissens. Es ist eine geometrische Form, um die kosmische Energie darzustellen, bekannt als DEVI. So wie OM das kraftvollste Mantra ist, ist Sri Cakra das kraftvollste Yantra.
Yoga Aktuell: Warum nennen Sie das Jnana-Mudra OM-Mudra?

Kali Ray: In Triyoga wird es sowohl Jnana-Mudra als auch OM-Mudra genannt. Jnana bedeutet Wissen, wirkliches Wissen. Jemand erhält Vidya, das höchste Wissen, wenn die Dreieinheit ausbalanciert ist. Jnana-Mudra ist, wenn sich die Fingerspitzen des ersten Fingers (Daumen) und des zweiten Fingers (Zeigefinger) berühren und die anderen drei Finger entspannt nach vorne gerichtet und auseinander sind. Der Daumen repräsentiert das höhere Selbst und der Zeigefinger das individuelle Selbst. Wenn das individuelle Selbst sich mit dem höheren Selbst verbindet, dann wird höheres Wissen erzielt. Das Mantra AUM repräsentiert ebenfalls diese Verbindung. Deshalb der Name “OM-Mudra”.

Yoga Aktuell: Folgen die Namen der Asanas im Triyoga den traditionellen Namen, oder kreieren Sie neue?

Kali Ray: Kaliji hat nie von irgend jemandem Hatha-Yoga gelernt. Alles ist während Kriyavati zum Vorschein gekommen. Als die Stellungen durch diesen Körper flossen, wurde es offensichtlich klar, dass Kaliji dies mit anderen teilen sollte. Die Freunde und Schüler, die damals Zeuge dieses Erwachens waren, hatten Kaliji gebeten, ihnen diese “Flows” zu lehren. So begann Kaliji ihre Triyoga-“Flows” zu unterrichten. Um das zu tun, mussten den Stellungen und Bewegungen natürlich Namen gegeben werden. Wenn es möglich ist, werden die Originalbezeichnungen verwandt. Aber es gibt darart viele zusätzliche Bewegungen in dieser Methode, so dass neue Namen für sie geschaffen werden mussten.

Yoga Aktuell: Sie haben ein Buch über Prana-Vidya geschrieben …

Kali Ray: Ja, Kaliji hat ein Handbuch für Lehrer über Prana-Vidya, das Wissen vom Prana, geschrieben. Es besteht aus systematisierter Atmung, Konzentrations- und Meditationspraktiken des Triyoga. Pranayama ist die Ausdehnung der Lebensenergie. Ohne die Ausdehnung von Prana kann Yoga nicht erfolgen. Deshalb ist es eine wesentliche Praktik im Triyoga.

Yoga Aktuell: Könnten Sie dies bitte etwas genauer erklären?

Kali Ray: Pranayama ist ein Wort aus dem Sanskrit, zusammengesetzt aus prana und yama (= kontrollieren) oder ayama (= ausdehnen). Es kann von beiden Richtungen her betrachtet werden, da Pranayama die Kontrolle und Ausdehnung von Prana ist.

Prana ist von zwei Wurzeln abgeleitet: pra bedeutet “kontinuierlich”, und ma bedeutet “Bewegung”. Prana bedeutet Lebensenergie. Die Natur von Prana ist es, unaufhörlich zu fließen. Atemübungen helfen als ein kraftvolles Werkzeug, die Lebensenergie zu kontrollieren und auszudehnen. Die Lebensenergie kann unmittelbar durch rhythmische Atemübungen kontrolliert werden. Letztendlich wird Prana jedoch durch Meditation kontrolliert.

Pranayama-Atemtechniken sind Jahrtausende lang praktiziert worden. Sie sind sicher, wenn sie beständig ausgeführt werden. Es fühlt sich gut an, mit der Zwerchfell-Atmung, der Grundlage aller Atemtechniken, im Fluss zu sein. Der Körper entspannt sich, und der Geist wird konzentriert und ruhig.

Der Nutzen der Zwerchfell-Atmung unterstützt alle Systeme des Körpers. Sie ist eine gute Massage für das Herz und die inneren Organe. Richtiges Atmen stimuliert den Kreislauf, und der wiederum unterstützt eine gute Nahrungsaufnahme, Verdauung und Ausscheidung.

Neurologen haben herausgefunden, dass der Mensch nur einen kleinen Teil des Gehirns nutzt. Da das Gehirn der größte Verbraucher von Sauerstoff ist, ist es wichtig, eine hervorragende Versorgung mit Sauerstoff zu gewährleisten. Das hilft, neue Bereiche im Gehirn zu aktivieren. Die Zwerchfell-Atmung versorgt den Körper mit dem erforderlichen Sauerstoff und setzt Kohlendioxyd frei. Pranayama liefert zusätzlichen Sauerstoff und Prana, um ein besseres Funktionieren des Gehirns zu entfalten. Das gewährleistet die Entwicklung größerer mentaler Fähigkeiten durch die Ausdehnung der Lebensenergie.

Gleichgültig ob Atemübungen gewählt werden, um Stress abzubauen, die Atemorgane zu stärken, Energie zu erhöhen oder das Bewusstsein zu erweitern, es gibt eine Fülle von Vorteilen. Die Wohltaten, die sich durch die transformative Kraft von Pranayama erklären, sind zu zahlreich, um hier aufgezählt werden zu können. In nur kurzer Übungszeit kann man jedoch schon die unmittelbare Erfahrung machen, im Fluss zu sein. Wenn die Atmung fließt, wird auch der Geist den inneren Fluss spüren, und Meditation erfolgt spontan. Das Leben wird zu einem Atemzug frischer Luft.

Yoga Aktuell: Was ist denn eine mögliche Erfahrung, bei der Ausübung von Pranayama?

Kali Ray: Durch die Qualität der Atmung wird mehr Prana aus der Luft absorbiert. Wenn man länger ausatmet, wird mehr Sauerstoff absorbiert und Kohlendioxyd effektiver frei gesetzt. Auf natürliche Weise fühlt man sich besser. Korrektes Atmen stimuliert alle physiologischen Funktionen. Es steigert die Blutzufuhr zum Gehirn. Da das Gehirn am meisten Blut verbraucht, ist dies höchst vorteilhaft.

Wenn die Atmung rhythmisch ist, wird der Geist ruhig. Wenn der Geist ruhelos ist, spiegelt sich das in der Atmung wider, sie wird unrhythmisch! Hat jemand Angst, wird diese Person unbewusst aufgrund der mentalen Anspannung den Atem anhalten. Wenn die Atmung, wie in Pranayama unter Kontrolle gebracht wird, ist der Geist auch unter Kontrolle. Die Atmung und der Geist sind voneinander abhängig. Aufgrund dieses mächtigen Effekts, den Pranayama über den Geist hat, wurde es lange Zeit eine der bedeutendsten und härtesten Praktiken unter den Yogapraktiken genannt.

Yoga Aktuell: Kann es für sich praktiziert werden, oder muss es Teil der ganzen Yoga-Praktik sein?

Kali Ray: Pranayama ist ideal als Teil der Trinity-Praxis, welche Yoga-Stellungen, Atempraktiken und Meditation umfasst. Es ist gut, mit Yoga-Stellungen zu beginnen, um Spannung abzubauen und den Körper auszurichten. Ist der Körper einmal entspannt und eine gute Haltung gewährleistet, werden Atemübungen gemacht. Aufgrund des beruhigenden Effekts der Atemübungen ist es nur natürlich, zu meditieren, um die innere Ruhe zu erfahren. Die Trinity-Praxis harmonisiert Körper, Geist und Seele, wenn sie zusammen praktiziert wird. Aber jede dieser drei Praktiken kann auch getrennt durchgeführt werden.
Wenn jemand die Fähigkeit erreicht, den Fluss der Lebensenergie zu harmonisieren und zu steigern, kann er eine strahlende Gesundheit und Ruhe und einen zielgerichteten Geist erreichen. Prana wird mit jedem Atemzug in unseren Körper aufgenommen. Deshalb erhöhen Atemübungen unmittelbar das Prana.

Prana wird ebenfalls mit der Nahrung, die wir zu uns nehmen, und dem Wasser, das wir trinken, aufgenommen. Je reiner die Nahrung und das Wasser, desto mehr Prana nehmen wir auf.
Wenn Prana verringert wird, durch übermäßigen Sinnesgenuss und mentalen Stress, entsteht Krankheit. Durch Atemübungen werden Körper und Geist wiederbelebt, und es werden bessere Entscheidungen getroffen. Es ist einfacher, richtige Handlungen auszuführen. Unnötige Wünsche und Gedanken fallen weg. Man fühlt sich zuversichtlicher, mitfühlender und kreativer. Höheres Wissen und Glückseligkeit erfüllen den Geist. Das ist die Macht von Pranayama.

Yoga Aktuell: Können Sie ein Beispiel geben, wie dies gemacht wird?

Kali Ray: Zuerst lernt man die Atmung mit dem Zwerchfell. Wenn das Zwerchfell, die Rippenmuskeln und die Bauchmuskeln harmonisch zusammenarbeiten, wird die Atmung effizienter. Wenn diese Muskeln schwach sind, ist die Tendenz zu flacher Atmung gegeben. Die Muskeln der Atmungsorgane werden durch korrekte Atmung und Bewegung gestärkt.

Yoga Aktuell: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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