In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Welche Erfahrungen machen Praktizierende mit Restorative Yoga? Wir haben einige Yogis und Yoginis gefragt

Stress, Hektik, ein voller Terminkalender und Leistungsdruck warten tagtäglich auf uns. Wie schön, dass es Yogastile gibt, in denen man keine athletischen Anforderungen erfüllen muss, sondern sich vollkommen der Schwerkraft hingeben kann. Manchen Yogapraktizierenden ist Restorative Yoga oder Moonlight-Yoga noch vollkommen unbekannt, für andere hingegen ist diese Art des Übens das beste Mittel, um sich mal vollkommen hinzugeben. Yogapraktizierende erzählen, warum Restorative Yoga sie so begeistert.

Interview

Wo hast du Restorative Yoga kennengelernt?

Christina M.: Ich habe mir Restorative Yoga mehr oder weniger selbst angeeignet, auch wenn ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht wusste, dass diese Art Yoga, die ich zu Hause für mich praktiziere, so genannt wird.
Als ich anfing, viel alleine zu Hause zu üben, habe ich mich zuerst an dem orientiert, was ich bei meiner Lehrerin gelernt habe. Mit der Zeit habe ich das dann selbst so verändert, dass es für mich und meine jeweilige Lebenssituation individuell passender wurde. Besonders als es mir vor einigen Monaten körperlich nicht gutging, ich mich ziemlich schwach fühlte und auch psychisch sehr angeschlagen war, begann ich, meine Yogapraxis weiter zu verändern und noch mehr auf meine Bedürfnisse zuzuschneiden. Alles wurde ruhiger, ich konnte mich damit besser auf mich besinnen.

Michaela: Eine meiner Freundinnen unterrichtet in einem Fitnesstudio Yoga. Dort hält sie extra für Fitnesstrainer Restorative-Yoga-Stunden, an denen ich teilnehmen darf, und darüber freue ich mich sehr.

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Julie: Ich habe mal einen Workshop gemacht, um mit den Gurten, Bolstern etc. vertraut zu werden, mit denen ich im Power-Yoga gar nicht arbeite, und seitdem praktiziere ich Restorative Yoga nach Bedarf bei mir zu Hause.

Kirsten: Ich habe Restorative Yoga im Yogaloft in Köln kennengelernt. Das war vor ca. 6 Jahren. Dann habe ich einige Jahre später Yin-Yoga – der eine spezielle Art des Restorative Yoga ist – kennengelernt und einige Workshops bei Sarah Powers besucht. Nun versuche ich, regelmäßig zu Devamayas Stunden im Soboco-Yoga-Institut zu gehen, da sie ihren ganz eigenen Stil und ihre ganz eigenen Sequenzen hat, die sehr effektiv sind und für mich die perfekte Möglichkeit darstellen, meinen Körper und meinen Geist zu entspannen und die Energien auszugleichen.

Christina H.: Ich habe Restorative Yoga im Internet eher zufällig gefunden und war sehr gespannt auf die dort angepriesene Art der Entspannung.

Julie, 39, aus Hamburg arbeitet im Im- und Export und macht eine Ausbildung zur Yoga-lehrerin

Kirsten, 48, aus Köln arbeitet als Redakteurin und Yogalehrerin

Christina M., 35, aus Dortmund arbeitet als Englisch-, Kunst- und  Yogalehrerin

Michaela, 25, aus München studiert Wirtschaftspädagogik

Christina H., 41, aus Ettlingen arbeitet als Finanzwirtin in einer Steuerkanzlei

Was erwartest du vom Restorative Yoga?

Christina M.: Ich erwarte vom Yoga prinzipiell nichts. Also erwarte ich auch vom Restorative Yoga nicht, dass es irgendetwas für mich oder mit mir anstellt oder dass ich dadurch irgendwelche Veränderungen oder Fortschritte erziele. Aber es ist schon so, dass ich merke, wie dieser Yoga mir guttut, wie er mir hilft, loszulassen und zu mir zu kommen. Also gehe ich doch mit einer gewissen Zuversicht an die Praxis heran, dass Restorative Yoga in dieser Beziehung gut für mich ist.

Michaela: Ich hoffe jedesmal, durch Restorative Yoga in eine tiefere Entspannung zu kommen und besser und leichter loslassen zu können. Das gelingt mir natürlich mal besser und mal weniger gut.

Julie: Dass es mir die totale Entspannung gibt, das komplette „Loslassen“, das ich an bestimmten Tagen benötige.

Kirsten: Ich erwarte, dass ich meinen Körper und meinen Geist entspannen kann, die Energien ausgleichen kann und dass diese Praxis ein gutes Gegengewicht zu meiner regelmäßigen, dynamisch-kraftvollen Vinyasapraxis ist.

Christina H.: Mich schneller auch mal zwischendurch und ohne großen Aufwand effektiv und nachhaltig entspannen zu können.

Inwiefern genau profitierst du davon?

Christina M.: Restorative Yoga bringt mir Ruhe und hilft mir, mich zu entspannen. Ich achte dabei viel mehr auf mich und meine Bedürfnisse und Befindlichkeiten als im fließenden Yoga. Ich „peitsche“ mich nicht durch Asana-Abfolgen, sondern kümmere mich stärker um mich und tue, was mir im Moment guttut. Beim Restorative Yoga gebe ich mir viel mehr die Chance dazu.
Besonders die Unterstützung durch Bolster, Kissen und Decken hilft mir, loszulassen und mich zu entspannen. Auf irgendeine Weise fühlt es sich auch sehr gut an, wenn die Hilfsmittel sich noch zusätzlich um den Körper kümmern. Dieses „Drumkümmern“ tut gleichzeitig aber auch irgendwie der Seele gut, die über den Weg des Körpers und des physischen Fühlens mit „betüdelt“ wird. Restorative Yoga ist also quasi Körper- und Seelenstreicheln.

Michaela: Diese Art von Yoga sehe ich als sehr guten Gegenpol zu meinem doch sehr anstrengenden Alltag. Bei dem ganzen Stress und der Hektik ist es nicht leicht, immer entspannt und ruhig zu bleiben, vor allem, weil ich zwischen Arbeit, Uni und meinem Zuhause hin und her pendele und entsprechend viel unterwegs bin. Dann tut es mir besonders gut, wenn ich mich beim Restorative Yoga einfach nur fallen lassen kann und nichts denken und tun muss.

Kirsten: Meine Gelenke werden auf eine ganz andere Weise mobilisiert, meine Muskeln gedehnt, und mögliche Verhärtungen werden abgebaut. Ich kann richtig spüren, wie durch die lang gehaltenen Asanas Spannungen im Körper nach oben blubbern und ich diese oftmals einfach „ausatmen“ kann.

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.