J.J.: Können Yoga und Schulmedizin sich verbinden?

E.P.J.: Eine solche Verbindung könnte vieles vereinfachen. Es gibt in Deutschland so viele chronische Krankheiten, die nur durch die Lebensweise der westlichen Welt entstanden sind. Ayurveda kann helfen zu erkennen, wie die Krankheiten entstehen. In der Schulmedizin gibt es für einige Krankheiten keine Medizin und es stehen keine anderen Möglichkeiten offen. Wenn ein Schulmediziner und ein ayurvedischer Arzt kooperieren, dann könnte der ayurvedische Arzt den Schulmediziner mit seiner Diagnose unterstützen. In Kerala wird diese Zusammenarbeit praktiziert, hier denken die meisten Ärzte, Ayurveda ist Wellness. Sie sind nicht wirklich dagegen, doch sie wissen auch nicht genug davon, weil es ihnen niemand erklärt. Ich glaube, dass die Ärzte in Deutschland kritisch gegenüber Ayurveda sind, weil sie es nur durch die „Wellness-Bücher“ kennen.   

J.J.: Wie können die Menschen Ayurveda für ihr tägliches Leben nutzen?

E.P.J.: Wir sind alle eine individuelle Mischung aus Vata-Pitta-Kapha und haben die fünf Elemente in uns. Deswegen ist es für alle wichtig, die fünf Sinnesorgane zu reinigen, die Haut richtig zu pflegen, Zunge und Zähne zu reinigen usw. Warmes Essen ist speziell für den Vatatyp sehr gut, für Pitta und Kapha kein Problem. Die Abendzeit ist die Kapha-Zeit, das ist eine kalte Zeit, speziell in Deutschland, wo es fast immer kalt ist. In Deutschland ist der Abend die Brot-und-Käse-Zeit, besser wäre warmes Essen für den Abend. Wenn wir Yoga machen, werden wir wach und wenn wir die Sinnesorgane reinigen, werden wir auch wach. Diese einfachen Regeln dienen der Prävention und sollten erklärt werden.

J.J.: Wie sehen Sie die Zukunft des Ayurveda?

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E.P.J.: Es ist eine vedische Zukunft. Heute wird eine Menge Geld ausgegeben zum Zweck der Diagnose und einige Krankheiten werden überhaupt erst durch unsere Lebensweise erschaffen. Durch Prävention und die Anwendung einfacher Regeln aus dem Ayurveda oder Yoga kann das Entstehen von Krankheiten verhindert werden. Ich glaube, Ayurveda wird eine große Rolle in der westlichen Welt spielen.

J.J.: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Ayurveda?

E.P.J.: Ich würde mir wünschen, dass Ayurveda an die Universitäten kommt und ein Studienfach wird, auch für Ärzte. Dass man nicht in einem einwöchigen Kurs Ayurveda lernen kann, sondern es möglich sein wird, Ayurveda über einen längeren Zeitraum zu studieren. Es ist auch wichtig, dass sich das Gesundheitssystem wandelt und es möglich ist, dass sich jeder Mensch eine Ayurveda Behandlung leisten kann. Alle, die im Bereich Ayurveda arbeiten, sollten sich zusammenschließen und als Gemeinschaft auftreten und sich einsetzen. In Kerala gibt es das schon.

J.J.: Vielen Dank für das Interview.

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