In der traditionellen indischen Ayurveda-Heilkunst sind die Doshas – Vata, Pitta und Kapha – von zentraler Bedeutung. Ihre individuelle Verteilung ist es, die uns prägt, sich auf unsere Vorlieben auswirkt und Einfluss auf unser Verhalten nimmt. Gesundheit bedeutet aus ayurvedischer Sicht, ein Gleichgewicht dieser drei Konstitutionen in unserem System herzustellen, und es dann versuchen zu erhalten.

Abgesehen davon, dass jeder Mensch eine gewisse Prägung hinsichtlich eines Doshas in sich trägt, wirken die Jahreszeiten zusätzlich auf diese Prägung ein. So manifestieren sich die Konstitutionstypen im Jahreskreis auf unterschiedliche Weise. Und je nach Jahreszeit prägt eines der Doshas mehr oder weniger unser Sein. Teil 1 dieser Reihe beschäftigt sich mit dem Ausgleich von Kapha im Ayurvedischen Frühjahr, das bereits im Laufe des Februars beginnt und bis in den Mai hineinreicht.

Die Jahreszeiten aus Ayurvedischer Sicht

Im Gesundheitssystem Ayurveda gehen wir davon aus, dass die Jahreszeiten und vor allem die Jahreszeitenwechsel Einfluss auf unseren Körper nehmen. Den drei großen ayurvedischen Jahreszeiten Frühjahr (Spätwinter bis Frühsommer), Sommer (Frühsommer bis Mittherbst) und Winter (Spätherbst bis Frühling) wird dabei jeweils eine Dosha-Energie zugeordnet.

Im Spätherbst und Winter ist es trocken und kalt – dann herrschen Vata-Energien vor. Der Sommer steht indes im Zeichen von Hitze und Produktivität, dies ist die pittareiche Zeit des Jahres. Das Frühjahr hingegen ist geprägt von Kapha, ihm zugeordnet sind die Eigenschaften Wachstum und Feuchtigkeit.

Die meisten von uns haben eine Lieblingsjahreszeit, in der sie sich fitter fühlen als im restlichen Jahr. Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die eine bestimmte Jahreszeit ganz und gar nicht mögen. Dies kann mitunter mit der jeweiligen Verteilung der Doshas im Körper zusammenhängen. Um dennoch das ganze Jahr über gesund und ausgeglichen zu bleiben, können wir uns das Wissen über die ayurvedischen Jahreszeiten zunutze machen, um unseren Dosha-Haushalt gezielt ins Gleichgewicht bringen. Im bevorstehenden Frühjahr zum Beispiel können wir der vorherrschenden Kapha-Energie regulierend entgegenwirken. Dafür müssen wir uns zunächst die Eigenschaften von Kapha ins Gedächtnis rufen.

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Das Kapha Dosha und seine Bedeutung

Das Kapha-Dosha verleiht unserem Körper Festigkeit und Stabilität. Dem Dosha mit dem Strukturprinzip werden die Elemente Wasser und Erde zugeordnet. Da Kapha unter anderem die Eigenschaften schwer, dicht, feucht, kalt, ölig, süß, schleimig oder auch träge aufweist, ist feuchtes, kaltes Wetter, wie es jetzt im späten Winter und frühen Frühling häufig vorkommt, das schädlichste für Kapha-Typen. Die bekannte Frühjahrsmüdigkeit ist eine häufige Begleiterscheinung von erhöhtem Kapha. Wir spüren den Einfluss von Kapha meist durch das vermehrte Auftreten von Schnupfen und Husten. Wer schon von vornherein ein Kapha-Typ ist, sollte gerade jetzt verstärkt auf eine leichte und frische Ernährung achten und sportlich aktiv werden.

Kapha regulieren: 5 ayurvedische Tipps für den Spätwinter und Frühfrühling

Der Ayurvedische Frühling dauert von Februar bis in den Mai hinein an. Wir stehen nun also am Beginn einer Jahreszeit, in der die Elemente Erde und Wasser ins Zentrum rücken und unseren Dosha-Haushalt aus dem Gleichgewicht werfen können. Doch was können wir tun, um Kapha zu regulieren? Hier sind einige einfache aber wirksame Tipps:

1 Bewegung & frische Luft

In der trägen Kapha-Jahreszeit ist ausreichende Bewegung für jeden, aber vor allem für Kapha-Typen überaus wichtig. Am besten an der frischen Luft. Jetzt ist die richtige Zeit, wieder mit dem Aufbau von Kraft und Ausdauer zu beginnen. Starte langsam und steigere dich dann stetig. In der kaphareichen Jahreszeit baut unser Körper Gewebe auf, somit sind unsere Muskeln jetzt bestens für ein regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining gerüstet. Je länger die Tage schließlich werden, desto geringer wird auch der Einfluss von Kapha auf unseren Körper. Es geht langsam in Richtung Pitta und also steigt unser Energielevel nun konstant an.

2 Schwitzen

Zur Reduzierung von Kapha werden in der traditionellen Ayurveda-Therapie häufig Schwitzbäder angewendet. Um die überschüssige Flüssigkeit im Körper auszuleiten, können jetzt Saunabesuche wahre Wunder bewirken. Um die feuchten und kalten Eigenschaften von Kapha zu reduzieren, eignet sich die trockene Hitze in der Sauna besonders gut. Das abwechselnde Heiß-kalt-Bad energetisiert uns zudem und stärkt unser Immunsystem für die schnupfenanfällige Frühjahrszeit.

3 Sei der frühe Vogel!

Mit dem Ende der dunklen Jahreszeit genießen wir wieder mehr Tageslicht. Besonders am Morgen wird es jetzt wieder früher hell. Versuche zeitiger aufzustehen und dich schon morgens vor der Arbeit etwas zu bewegen und an die frische Luft zu kommen. Fahr beispielsweise mit dem Fahrrad zur Arbeit oder mache morgens ein paar Sonnengrüße bei offenem Fenster, um deinen Körper und Kreislauf in Schwung zu bringen.

4 Frühjahrs-Detox

Nach den wärmenden und nahrhaften Wintergerichten der letzten Wochen ist es nun an der Zeit, sich langsam auf eine leichte und frische Küche umzustellen. Besonders Kapha-Typen neigen dazu, noch zu lange im neuen Jahr zu schwer und viel zu essen. Doch nachdem der Stoffwechsel während der Wintermonate im Winterschlaf war, stellt er sich jetzt bereits darauf ein, Wasser anzusammeln und Giftstoffe auszuleiten – somit ist nun die beste Zeit für eine Frühlingsdiät! Beginne damit, kleinere Portionen und weniger Fette, aber dafür mehr Frühlingsgemüse zu essen. Vor allem grünes Gemüse unterstützt jetzt den Dosha-Haushalt. Versuche zudem, etwas weniger zu salzen, wärmende Gewürze wie etwa Pfeffer sind im Frühjahr jedoch gut. Die schleimreichen Eigenschaften von Kapha begünstigen jetzt allergische Beschwerden und Erkältungen. Nimm Abstand von zu vielen Milchprodukten oder vermeide sie ganz und versuche den Anteil von Trockenobst in deiner Ernährung zu steigen, um die Vitaminaufnahme zu unterstützen. Zusätzlich kannst du folgende Kräutertherapie in deinen Alltag einbauen:

Triphala Bestandteile
Triphala besteht aus den drei Baumfrüchten Haritaki, Amalaki und Bibhitak (c) iStock/SubrataDutta

Ayurvedische Kräutertherapie

  • Morgens: Pippali (Langer Pfeffer) mit Honig und warmem Wasser
  • Abends: Triphala (Ayurvedische Früchtemischung aus Haritaki, Amalaki und Bibhitaki) mit Wasser

5 Tee-Ausgleich

Ayurvedische Tees mit wärmenden Gewürzen helfen dem Körper jetzt dabei, sich auf das Frühjahr einzustimmen. Auch wenn es im Außen vielleicht noch nicht so frühlingsmäßig aussehen kann, und die Natur noch unter einer Schneedecke begraben liegt – unser Organismus ist bereits in Aufbruchstimmung. Kapha-Tees unterstützen uns bei der Reinigung von Giftstoffen und der Regulierung des Blutzuckerspiegels. Auch schwemmen wir, indem wir viel trinken, überschüssige Flüssigkeit aus dem System. Der Kapha regulierende Tee fördert zudem unsere Verdauung. Kapha-Tees gibt es im Handel zu kaufen. Selbstverständlich kannst du aber auch ganz einfach deinen eigenen Kapha-Tee herstellen: Koche dafür einfach folgende Zutaten gemeinsam auf und süße sie im Anschluss mit einem Süßungsmittel deiner Wahl:

Kapha-Tee Rezept:

1 Liter Wasser
1 EL Zimt (Pulver oder zerdrückte Zimtstangen)
¼ TL Kurkuma
1 EL natürliches Süßungsmittel deiner Wahl
1 TL geriebener Ingwer

Zum Weiterlesen:

Kerstin Rosenberg: Ayurveda & Detox, Reinigende Kuren für freie Tage und das Wochenende, Königsfurt-Urania Verlag, 2018

Kerstin Rosenberg: Ayurveda gegen den Winterblues. YOGA AKTUELL 102, Yoga Verlag, Februar/März 2017

Dr. Suhas Kshirsagar: Leben nach der inneren Uhr mit modernem Ayurveda. Mit der Kraft der Chronobiologie die Gesundheit fördern, Gewicht verlieren, besser schlafen und Stress reduzieren. riva Verlag, 2019

 

 

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