Am 21. Dezember steht uns der kürzeste Tag des Jahres und die tiefste, dunkelste und längste Nacht des Jahres bevor: Die Nacht der Wintersonnenwende. Nun ist eine gute Zeit, um das Licht zu feiern! Wir stellen fünf yogische Rituale vor, mit denen du die Sonnenkraft in dir und um dich stärkst.Anzeige

Da aus ihrem Schoß das Sonnenkind das Licht der Welt erblickt, wird die Nacht der Wintersonnenwende auch „Mutternacht“ genannt: Täglich gewinnt die Sonne von nun wieder an Leuchtkraft und Wärme. Die Tage werden stetig länger. Zur Wintersonnenwende feiern wir die Geburt des Lebens und des Lichts, das in der größten Finsternis entsteht. Wir feiern das Licht der Sonne, aber auch jenes in und um uns. Dieses strahlende Licht können wir gerade jetzt in der magischen Zeit um Weihnachten mit yogischen Ritualen und Übungen bewusst nähren und stärken. Und somit unseren Alltag und unser Inneres hell und warm erstrahlen lassen.

Mit diesen 5 yogischen Ritualen stärkst du das Licht in dir und der Welt

Es gibt viele Möglichkeiten, das Licht in deinem Leben zu stärken. Hier sind fünf Rituale, die nach Patanjalis achtgliedrigen Pfad des Yoga aufeinander aufbauen, aber natürlich auch unabhängig voneinander wirken.

1. Yama: Chante mit Hingabe!

Patanjali beginnt seinen achtstufigen Yogaweg mit den ethischen Aspekten im Raja Yoga und stellt mit den fünf Yamas Regeln für den liebevollen Umgang mit anderen auf. Neben ahiṁsā (Gewaltlosigkeit) und asteya (kein Diebstahl) gehören dazu auch brahmacarya, das Handeln im Bewusstsein Gottes und aparigrahāḥ, die Besitzlosigkeit.

Singe dich auf der ersten Stufe der acht Glieder von der Finsternis ins Licht und trage damit positive Schwingungen in die Welt hinaus zu deinen Mitmenschen. Mantras zu singen hebt aber auch die eigene Stimmung, vor allem wenn du gemeinsam mit anderen chantest. Vielleicht gibt es eine Kritan Gruppe in deiner Nähe, der du dich anschließen kannst. Aber keine Sorge wenn nicht, denn Singen funktioniert auch alleine ausgezeichnet. Durch das Chanten von uralten Mantras wirken wir auf vielfältige Weise positiv auf unseren Körper und Geist ein. Die harmonischen Schwingungen der Mantras dringen in jede Zelle des Körpers vor und öffnen die Energiezentren in uns. Sie unterstützen uns dabei, unsere Emotionen zu harmonisieren und wirken klärend auf den Geist. Hingebungsvolles Chanting öffnet darüber hinaus unser Herz für das Göttliche.

Ritual:

Nimm dir täglich einige Minuten bewusst Zeit zum Singen. Ein geeignetes Mantra für die dunkle Zeit rund um die Wintersonnenwende ist zum Beispiel das vedische Gebet „Asato Ma Sat Gamaya“. Es findet sich in der Brihadaranyaka Upanishad und gilt als eines der wichtigsten Mantras im Hinduismus. Indem wir dieses Mantra chanten, laden wir die Erkenntnis ein, die Unwissenheit in uns auszulöschen. Es besteht aus drei Anrufungen:

asato ma sat gamaya – Führe mich vom Nicht-Sein zum Sein
tamaso ma jyotir gamaya – Führe mich von der Dunkelheit ins Licht.
mrtyor ma amritam gamaya – Führe mich von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit.

Das „Asato Ma Sat Gamaya“ Mantra wurde vielfach vertont, zum Beispiel auch von Deva Premal. Höre dir hier ihre Version an!

2. Niyama: Liebe dich selbst!

Patanjalis zweite Stufe handelt vom Umgang mit sich selbst. Auch die Niyamas bestehen aus fünf Grundregeln: Reinheit (sauca), Genügsamkeit (samtosha), Disziplin (tapas), Selbsterforschung (svadhyaya) und Gottvertrauen (ishvarapranidhana). Die Niyamas regeln das Gutsein zu und mit dir selbst. Den liebevollen Umgang mit dem eigenen Körper und Sein. So sind die Niyamas im weiteren Sinne Ausdruck von Selbstliebe. Während Patanjali diese an die zweite Stelle seiner Yogasutras stellt, setzt Buddha sie sogar an die erste Stelle – seine Lehre lautet: „Liebe dich selbst und beobachte – heute, morgen, immer.“

Gerade in der christlichen Tradition war die Selbstliebe vielfach fast schon verpönt: Liebe deinen Nächsten! Doch niemand ist dir näher, als du dir selbst. „Wer sich selbst liebt, entdeckt, dass er egolos ist. Erst durch den Versuch, andere zu lieben, ohne sich selbst zu lieben, erst durch die Bemühung andere zu lieben, entsteht das Ego.“ (aus Osho: Liebe, Freiheit, Alleinsein)

Erhelle dein Wesen mit Positivität. Sei dein eigenes Licht und ein Licht für andere. Nur wer in sich selbst ein solches Licht strahlen lässt, kann es auch nach außen lenken und die Welt damit erhellen.

Ritual:

Baue kleine Rituale der Selbstliebe in deinen Alltag ein. Tue dir Gutes und höre dabei auf die Wünsche deines wahren Wesens – Vertraue auf deine Intuition. Du bist erschöpft? Gönne dir Ruhe. Du sehnst dich nach Wärme und Berührung? Erwärme ein Körperöl deiner Wahl und balsamiere dich damit von Kopf bis Fuß ein! Oder genieße ein duftendes Schaumbad! Bereite dir eine nahrhafte ayurvedische Köstlichkeit zu und genieße sie ganz bewusst – Die Möglichkeiten sind grenzenlos.

Schönes zum Thema Weiblichkeit & Selbstliebe findest du u.a. in Nives Gobos Buch „Mondschön. Ein Kurs in Weiblichkeit“.

3. Asana: Grüße die Sonne

Asanas – die yogischen Körperhaltungen werden in den Sutras nach den ethischen Aspekten Yama und Niyama an dritter Stelle behandelt. Der Sonnengruß bildet in vielen Yogastilen die Basis der Asanapraxis. „Surya Namaskara“: Ein Gruß an das Licht! Das Sonnenlicht, das göttliche Licht, das Licht der Erkenntnis. Sie alle grüßt du ganz bewusst mit dieser Reihe von Asanas, die als eine der heilsamsten Übungsabfolgen im traditionellen Yoga gilt. Der Sonnengruß wirkt auf allen Ebenen unseres Seins. Physisch dient er zur Aufwärmung und als Vorbereitung für die folgenden Asanas. Energetisch regt die Bewegungsabfolge vor allem dein Sonnengeflecht an. Im Bauchnabelchakra sitzt das menschliche Selbstverständnis und das Sonnengeflecht ist das Zentrum unserer Lebensenergie.

Ritual:

Beginne jeden Tag mit einigen ganz bewusst ausgeführten Sonnengrüßen und spüre anschließend dem Pulsieren deiner Lebendigkeit nach. In vielen Traditionen wird der Sonnengruß zur Zeit des Sonnenaufgangs zwölf Mal wiederholt. Nicht nur dein Kreislauf kommt mit der morgendlichen Praxis in Schwung, du wärmst damit deinen Körper auch energetisch neu auf, bleibst fit und genießt einen wahrhaften Energie-Boost. Auf geistiger Ebene wirken Sonnengrüße harmonisierend. Die regelmäßige Praxis schenkt dir Selbstvertrauen und Kraft.

4. Pranayama: Kapalabathi

Nicht nur anhand von Chanting und inneren wie äußeren Haltungen und (Ein)Stellungen können wir das Licht in unser Leben einladen. Auch der Atem dient dem Yogi als wichtiges Werkzeug. Die Praxis von Pranayama bildet die nächste Stufe auf dem achtgliedrigen Yogapfad des Patanjali und markiert zugleich den Übergang von den gröberen zu den feinstofflicheren Ebenen. So wie der Atem als eine Brücke zwischen Körper und Geist fungiert.

Gezielte Atemübungen sind jetzt zur Wintersonnenwende besonders förderlich, zum Beispiel das stoßweise Ausatmen „Kapalabathi“. Wörtlich übersetzt bedeutet Kapalabathi „Leuchten des Schädels. Es zählt zu den sechs Shatkriyas und dient im Ayurveda zur Reduzierung von Kapha. Die schnelle Ausatmung wirkt energetisierend und belebend und darüber hinaus klärend auch auf geistiger Ebene. Kapalabathi besteht aus zwei Teilen: Den ersten Teil bildet die schnelle, stoßweise Ausatmung, den zweite Teil Kumbhaka, das Anhalten der Luft.

TIPP: Pranayama ist ein mächtiges Werkzeug und sollte daher zunächst nur unter Aufsicht eines erfahrenen Yogalehrers erlernt und geübt werden.

Ritual:

Wenn du bereits mit Kapalabathi vertraut bist, übe täglich drei Runden und konzentriere dich während der Kumbhaka-Phase verstärkt auf das Leuchten deines Schädels.

5. Pratyahara & Samyama: Lichtmeditation

Das fünfte Glied in Patanjalis Yogasutras ist Pratyahara (das Zurückziehen der Sinne). Gemeinsam mit Pranayama markiert es den Übergang zu den feinstofflicheren Ebenen des Yoga. Unter „Samyama“ werden diese drei letzten Glieder des achtfachen Pfades zusammengefasst: Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (innere Freiheit).

Indem du deinen Fokus auf das lenkst, was wahrhaftig und unendlich ist, lässt du das Außen, das Unwirkliche immer mehr in den Hintergrund treten. Es gibt zahllose Hilfsmittel für die Meditationspraxis. Eine der bekanntesten, ältesten und für viele am wirkungsvollsten ist die Meditation auf das Kerzenlicht. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit kannst du bewusst auf diese Methode zurückgreifen, um dich mit deinem inneren Licht zu verbinden.

Ritual:

Stelle eine Kerze, die dir besonders gut gefällt, an einem ruhigen Ort bei dir Zuhause auf und lege dein Meditationskissen davor. Sorge für eine gemütliche Stimmung und wähle eine bestimmte Zeit des Tages für deine tägliche Meditation. Meditiere dann für einen von dir festgesetzten Zeitraum auf die Flamme dieser Kerze und konzentriere dich dabei auf das Licht, das von der Flamme ausgeht.

Abseits dieser Rituale kannst du natürlich, so oft es dir möglich ist, hinaus in die winterliche Natur gehen, um dich von der frischen, klaren und kalten Luft anregen und deinen Geist klären zu lassen. Wenn es die Witterungsbedingungen zulassen, genieße dort bewusst das kräftigende Sonnenlicht und nimm es in dich auf.Anzeige