Wenn wir unser Bewusstsein dafür öffnen, dass wir mit allen Wesen verbunden sind, bekommt unser Leben eine andere Ausrichtung. Wir hören auf, nur noch um uns selbst zu kreisen oder uns einsam zu fühlen und können ein Leben führen, das zum Wohle aller ausgerichtet ist.

Kennst du das: Du denkst an einen guten Freund und zwei Minuten später schickt er dir eine WhatsApp-Nachricht, weil du ihm gerade durch den Sinn gegangen bist. Mir passiert so etwas immer wieder. Erst letzte Woche habe ich von meiner jüngsten Nichte geträumt, die gerade auf Bali unterwegs ist. Wir haben nicht viel Kontakt, mögen uns aber sehr. Letzte Woche habe ich also von ihr geträumt und als ich am nächsten Morgen auf mein Handy geschaut habe, fand ich eine Nachricht von ihr. Sie hatte an mich gedacht. Whow! In einem Restaurant hatte jemand den Namen „Doris“ auf eine Tischkante geschrieben. Anlass für meine reiselustige Nichte, mal anzufragen, wie es mir geht.

Intersein

Ich habe mich sehr gefreut, dass wir auch über eine so große Entfernung miteinander verbunden sind. Und natürlich hat es mir wieder einmal gezeigt, dass wir in einem Universum des Interseins leben, in einem Netz der Verbundenheit – ganz egal, wie weit wir räumlich voneinander entfernt sind. Dies ist übrigens nicht nur meine persönliche Meinung, sondern eine der grundlegenden Haltungen im Buddhismus. Der Buddha betonte dieses Intersein immer wieder und seine Nachfolger werden in ihren Vorträgen und Seminaren nicht müde unser Bewusstsein dahingehend zu schulen, dass alles in unserem Leben mit allem verbunden ist. Dies gilt sowohl für materielle wie auch für geistige Güter. Niemand existiert nur aus sich selbst heraus. Auch dann nicht, wenn wir uns manchmal vollkommen alleine gelassen fühlen oder aber uns der Rest der Welt am Arsch vorbei geht.

Dankbarkeit praktizieren

Das Wissen um die Verbundenheit mit allem und jedem führt früher oder später zu einem radikalen Wandel aller unserer Handlungen. Wenn wir nämlich wissen, dass sich alles, was wir denken und tun, auch auf andere Menschen auswirkt, dann können wir nicht anders, als achtsamer zu werden und auch dankbarer zu sein.

Wie sehr wir alle miteinander verbunden sind, wird mir zum Beispiel jeden Morgen bewusst. Dann sitze ich vor meinem Frühstück (warmer Haferbrei mit Früchten und grünem Tee) und danke allen Wesen, die daran beteiligt sind, dass dieses Frühstück auf meinem Teller liegt. Und wenn ich genauer darüber nachdenke, dann sind das ganz schön viele Menschen! Das sind ja nicht nur die Bauern, die den Hafer, den Tee und die Früchte angebaut haben, sondern es sind auch die Menschen, die all das geerntet haben, die die Autos gebaut haben, damit die Sachen in meine Stadt transportiert werden etc.

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Diese Praxis jeden Morgen dauert nur ein paar Minuten, aber sie vertieft mein Gefühl der Verbundenheit sehr bewusst und fördert gleichzeitig ein Gefühl der tiefen Dankbarkeit für all diese Wesen, mit denen ich aufgrund meines Frühstücks verbunden bin. Diese Übung lässt sich übrigens in allen möglichen Facetten machen. Manchmal mache ich sie, wenn ich im Auto fahre. Dann danke ich allen Wesen, die am Bau der Autobahn beteiligt waren, auf der ich gerade fahre. Und das waren auch sehr viele. Oder aber ich danke allen Wesen, die dafür gesorgt haben, dass ich in einem Zug nach Berlin fahren oder nach Mallorca fliegen kann.

Eine solche Praxis kann dazu beitragen, dass wir unsere Einstellung zu unseren Mitmenschen und zu unserer Umwelt verändern, erneuern und heilen. Eine solche Praxis macht mir auch immer wieder deutlich, wie viele Menschen daran beteiligt sind, dass es mir gut geht! Diese Praxis kann im besten Fall sogar ein Gefühl dafür vermitteln, dass wir wieder mehr Verantwortung für unser Denken und Handeln übernehmen und erkennen, dass auch unser Denken und Handeln sich auf ganz viele Menschen auswirkt. So überlege ich mir an manchen Tagen, wie sich mein Denken und Handeln auf andere Menschen auswirkt. Im Positiven wie im Negativen. Was das Negative betrifft, so mache ich mir gerade besondere Sorgen im Hinblick auf die Natur.

Handeln!

Da das Wissen um die Allverbundenheit keine abstrakte Idee ist, sondern eine Lebenshaltung, können wir direkt tätig werden. Wenn wir uns also aufmerksam und mit offenem Herzen allem Leben und allen Dingen zuwenden, denen wir begegnen, dann entsteht automatisch ein Gefühl der Verbundenheit. Und wenn wir uns dann vornehmen, dass sich unser Handeln nach Möglichkeit auf die sieben nachfolgenden Generationen nicht nachteilig auswirken soll, dann handeln wir im Sinne der Verbundenheit.

Es braucht also nicht viel, um sich der Verbundenheit mit allen und allem bewusst zu werden. Öffne dich für die Allverbundenheit. Sei mutig, selbst dann, wenn du Berührungsängste hast. Du wirst sehen, dass das Leben dadurch nur viel reicher wird!

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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