Um Eltern zu sein, benötigt man ein gewisses Fingerspitzengefühl. Es gibt nicht die eine allgemeingültige Regel für alle Kinder. Verschiedene Kinder benötigen unterschiedlich viel Aufmerksamkeit, Zuneigung und auch mal konsequentes Durchgreifen.

Mal angenommen, ich stehe in einem Kokospalmen-Garten und du fragst mich: „Wie viel Wasser braucht jede Pflanze?“ und ich sage: „Mindestens 50 Liter jede.“  Wenn du zuhause deiner Rose 50 Liter Wasser gibst, wird sie eingehen. Du musst genau gucken, welche Pflanze du in deinem Haus hast und was sie benötigt.

1. Erkenne, dass es ein Privileg ist
Es ist ein Privileg, dass dieses Kind, diese Ausgeburt von Freude, durch dich in diese Welt gekommen und bei dir gelandet ist. Kinder sind nicht unser Eigentum, sie gehören dir nicht. Schau, wie du sie genießen, hegen und pflegen und unterstützen kannst. Versuch nicht, sie zu einer Investition in deine Zukunft zu machen.

2. Lass sie sein
Lass sie werden, was immer sie werden müssen. Versuch sie nicht nach deinem Lebensverständnis zu formen. Dein Kind muss nicht dasselbe tun, was du in deinem Leben gemacht hast. Dein Kind sollte etwas tun, woran du nicht mal im Traum gedacht hast. Nur dann kann sich die Welt weiterentwickeln.

3. Gib ihnen wahre Liebe
Häufig glauben Eltern, dass Liebe bedeuten würde, ihren Kindern alles zu geben, was sie haben wollen. Wenn du ihnen alles gibst, was sie haben wollen, dann ist das dumm. Wenn du voller Liebe bist, dann kannst du immer das tun, was gerade notwendig ist. Wenn du jemanden wirklich liebst, dann ist es ok für dich, dich unbeliebt zu machen und das zu tun, was das beste für den anderen ist.

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4. Dräng sie nicht erwachsen zu werden
Es ist wichtig, dass ein Kind Kind bleibt. Es ist keine Eile geboten, es zu einem Erwachsenen zu machen, denn das kannst du nie mehr rückgängig machen. Solange es ein Kind ist und sich wie ein Kind verhält ist das wunderbar. Wenn es erwachsen wird und sich wie ein Kind verhält, dann ist es nicht gut. Es gibt keine Eile für ein Kind erwachsen zu werden.

5. Es ist Zeit zu lernen, nicht zu lehren
Was weisst du über das Leben, das du deine Kinder lehren möchtest? Ein paar Überlebenstricks sind das einzige, was du ihnen beibringen kannst. Bitte vergleiche dich mit deinem Kind und schau wer mehr Freude im Leben empfindet – dein Kind, oder? Wenn es mehr über Freude weiß als du, wer ist dann der bessere Lebensberater, du oder dein Kind?
Wenn ein Kind ins Leben tritt, ist es Zeit zu lernen, nicht zu lehren. Wenn Kinder auftauchen, findest du dich lachend, singend, unters Sofa krabbelnd wieder. Du tust all die Dinge, die du lange vergessen hattest. Also ist es an der Zeit, über das Leben zu lernen!

6. Fördere ihren natürlichen Hang zur Spiritualität
Kinder sind sehr nah an ihrer Spiritualität, wenn man sie nur sein lässt. Meistens ist es so, dass sich Eltern, Lehrer, die Gesellschaft, das Fernsehen oder sonst wer, viel zu sehr einmischen. Schaffe eine Atmosphäre, wo wenig Einmischung stattfindet und das Kind dazu ermutigt wird, seine Intelligenz zu entfalten und zu nutzen statt deine Idee von Religion zu übernehmen. Das Kind wird seine natürliche Spiritualität entwickeln ohne überhaupt das Wort zu kennen.

7. Sorge für eine unterstützende und liebevolle Atmosphäre
Wenn du selbst Angst und Sorge vorlebst, wie kannst du dann erwarten, dass deine Kinder in Freude aufwachsen? Sie werden sich die Dinge von dir abgucken. Darum ist das beste, das du tun kannst, eine Atmosphäre voller Freude und Liebe zu schaffen.

8. Pflege eine freundliche Beziehung
Hör auf dich deinem Kind aufzudrängen oder den Chef raus hängen zu lassen und schaffe stattdessen ein starkes Band der Freundschaft. Sprich nicht vom hohen Ross herab zu deinem Kind und sag ihm was es zu tun und zu lassen hat. Positioniere dich unter dem Kind, so dass es einfach für dein Kind ist mit dir zu sprechen.

9. Such nicht nach Respekt
Es ist Liebe, die du mit deinen Kindern leben willst, oder? Aber viele Eltern sagen: „Du musst mich respektieren!“  Außer, dass du ein paar Jahre früher da warst, einen etwas größeren Körper hast und ein paar Überlebenstricks kennst, auf welche Weise bist du ein besseres Stück Leben als dein Kind?

10. Mach dich attraktiv für dein Kind
Ein Kind wird von so vielen Dingen beeinflusst – Fernsehen, Nachbarn, Eltern, Schule und von so vielem mehr. Es wird den Weg gehen, der ihm am attraktivsten erscheint. Als Vater oder Mutter musst du selbst zu solch einem Menschen werden, so dass es für euer Kind am erstrebenswertesten ist, mit seinen Eltern zusammen zu sein. Wenn du eine fröhliche, intelligente und großartige Person bist, wird es sich nicht anderswo nach Gesellschaft umschauen. Was auch immer ist, es wird zu dir kommen und dich um Rat fragen. Wenn du wirklich daran interessiert bist dein Kind gut großzuziehen, dann solltest du dich selbst als erstes in einen Menschen verwandeln, der voller Liebe und Freude ist.

 

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Sadhguru
Sadhguru ist ein Yogi, Autor und international anerkannter Redner sowie der Gründer der Isha Foundation. Er wurde zu den 50 einflussreichsten Menschen Indien's gezählt und hat unter anderem bereits Vorträge gehalten beim World Economic Forum in Davos, dem United Nations Millenium Peace Summit sowie an Institutionen wie der London Business School, Stanford University, Wharton Business School und MIT. Seine Interviews erscheinen regelmäßig in der New York Times, The Huffington Post, auf BBC, Bloomberg, CNBC und vielen mehr.